Sprung in den Talent Pool

„Bei uns lohnt sich für Studenten der Einblick in das Opel-Universum, weil dieser Bereich als Schnittstelle zu Lieferanten und Entwicklern direkt im Fahrzeugwerk angesiedelt ist.“ 

– Sönke Ohls  –

Gerade die ersten drei Tage sind extrem hart. Im Nachhinein bezeichnet Margarita Grinberg sie als „Orkan für die Sinne“. Gefühlt 50 Menschen schüttelte Grinberg die Hände, die meisten Namen konnte sie sich nicht merken. Auch nicht die scheinbar endlose Liste an organisatorischen Infos. Werksausweis abholen, PC-Konto aktivieren, Klettgürtel besorgen, Schreibmaterial, dazu die Action im Werk, wo der Insignia und der Zafira Tourer entstehen. Alles war neu und unvertraut, sogar der Weg zur Kaffeemaschine.

Überladen und zugleich aufgedreht habe sie abends die Zentrale in Rüsselsheim verlassen. So beschreibt die Studentin des Wirtschaftsingenieurwesens heute, etliche Wochen später, ihren Einstieg in ein halbjähriges Praktikum bei Opel. Zwei wichtige Lektionen habe sie in der Anfangszeit gelernt, berichtet Margarita Grinberg, die aktuell erstmals ein Unternehmen von innen erlebt. „Erstens: Opel, das ist eine enorm große Organisation. Und zweitens: Autobauen, das ist eine wirklich hochkomplexe Angelegenheit.“ Beide Punkte waren ihr eigentlich bekannt, „fühlen sich in der Praxis aber heftiger an als erwartet“, findet sie.

 


Margarita Grinberg

Die 27-jährige Mainzerin studiert im achten Semester Wirtschaftsingenieurwesen (Fachrichtung Maschinenbau) an der Fachhochschule Bingen.

Grinberg bewarb sich bei Opel um eine Praktikumsstelle, nachdem sie einen Vortrag von Opel-Lichtechnikchef Ingolf Schneider zum Thema Matrix-Licht IntelliLux LED besucht hatte. „Spannende Menschen, wegweisende Technologie – das hat mich neugierig gemacht.“

 Ein Qualitätsmanager im Werk

 


 

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Drei Fragen an…
– Carsten Brust –
Manager Talent Acquisition


Herr Brust, welche Möglichkeiten bietet Opel Studenten, um das Unternehmen kennenzulernen?
Wir lassen die Nachwuchskräfte mehr als nur reinschnuppern. Bachelor, Master, Diplom – jährlich machen bis zu 400 Studenten ihre Abschlussarbeit oder ein Praktikum bei Opel. Üblich ist eine 35-Stunden-Woche, ganz gleich ob sie zwei oder sechs Monate bleiben.
Wie entscheidet sich, ob jemand das Potenzial hat, nach dem Studium Opel als Mitarbeiter zu verstärken?
Der erste Impuls geht von den Praktikumsbetreuern aus. Sofern sie merken, dass jemand fachlich hervorsticht, empfehlen sie uns die Person. Wir laden sie zu einem verhaltensbasierten Gespräch ein, machen uns unter anderem ein Bild von den Social Skills und schauen, ob Kandidat und Unternehmen zueinander passen könnten. Wenn ja, dann erfolgt die Aufnahme in unseren Talent Pool. Aktuell führen wir dort 75 ehemalige Praktikanten, die perspektivisch Opelaner werden könnten.
Was muss ein Student mitbringen, um bei Opel durchzustarten?
Neben fachlichem Know-how sind Englischkenntnisse ein Muss. Es hilft zudem, wenn man stets hungrig auf Neues ist und Benzin im Blut hat.
Wege zum Praktikum
meinpraktikum.de,  faircompany.de
oder direkt auf der Karriereseite von Opel.

Sönke Ohls nickt. Ohls ist Grinbergs Praktikumsbetreuer und Leiter des Bereichs „Elektrik/Elektronik und Klimasteuerung“ im Quality Engineering. Damit verantworten er und sein dreiköpfiges Team die Qualität aller elektrischen Bauteile, die in Rüsselsheim verbaut werden. „Bei uns lohnt sich für Studenten der Einblick in das Opel-Universum deshalb“, so Ohls, „weil dieser Bereich als Schnittstelle zu Lieferanten und Entwicklern direkt im Fahrzeugwerk angesiedelt ist.“

Man hat es mit Vertretern anderer Firmen ebenso zu tun wie mit Montagefachleuten, Konstrukteuren und der Werksleitung. Der klare Vorteil dieses Praktikums liegt für Ohls auf der Hand: „Im Fahrzeugwerk bist du live dabei, wenn aus den Anstrengungen aller Fachbereiche unserer globalen Organisation ein Auto entsteht.“ Die Ansprechpartner im Quality Engineering, ob Zulieferer oder Opel-Kollegen, kommen aus unterschiedlichen Nationen; Englischkenntnisse und fachliche Abkürzungen wie „REC“ (Rear Electrical Center, Sicherungskasten im Kofferraum) werden im Schnellverfahren vertieft.

 

Ein Qualitätsmanager im Werk

Im Büro: Ohls (li.), Steier und Grinberg vergleichen Messwerte mit den Angaben in der technischen Zeichnung.

 

Datenbanken, Emails, Telkos, Meetings – im Quality Engineering gibt es zahlreiche Kanäle für die Inhalte. Und immer wieder geht es direkt an die Produktionslinie, um Theorie und Praxis abzugleichen. Die Praktikanten erhalten einen eigenen Aufgabenbereich, in dem sie Ohls zufolge durch Fehler lernen können, „dabei aber die Betriebsprozesse nicht beeinträchtigen“. Das Ziel: Sie sollen als angehende Ingenieure eigenständig arbeiten und Ideen einbringen können. „Dazu“, so Ohls, „muss der Vorgesetzte Vertrauen entgegenbringen und klare Grenzen definieren.“


Jan Steier

Der 25-Jährige wohnt in Mainz und studiert an der TU Darmstadt Mechatronik, wo er seinen Master auf dem Gebiet der Automotive Mechatronics macht. Dass Opel ein interessantes Praktikum zu vergeben hat, erfuhr Steier durch die „konaktiva“, eine der größten studentisch organisierten Unternehmenskontaktmessen in Deutschland.

Seine Aufnahme in den Talent Pool von Opel bezeichnet er als „eine Ehre und eine ernsthafte Karriereoption“.

Ein Qualitätsmanager im Werk


„In der zweiten Halbzeit merkte ich, wie vertraut mir die Aufgaben und Menschen geworden sind.“

– Jan Steier –

Ebenso werden die studentischen Fachkräfte voll ins Tagesgeschäft eigebunden. So entsteht eine Mischung, in der das Quality Engineering-Team die nötige Unterstützung erhält und der Praktikant keine Leerlaufphasen befürchten muss. „Das Konzept geht besser auf als erwartet“, berichtet Ohls. „Mit einer Überlappung von zwei bis vier Wochen arbeitet der scheidende Student den nächsten ein.“

Jan Steier war der erste, der das Praktikum absolvierte. „Die ersten drei Monate habe ich vor allem mit Beobachten, Fragen und Lernen verbracht“, berichtet der Mechatronikstudent. „In der zweiten Halbzeit merkte ich, wie vertraut die Aufgaben und Menschen mir geworden sind.“ Da war beispielsweise die Sache mit den Powerpoint-Präsentationen, die Steier regelmäßig für Treffen mit anderen Fachbereichen anfertigte. „Anfangs brauchte ich drei Stunden dafür, später nur einen Bruchteil davon.“ Der Grund: „Ich habe gelernt, Informationen für das neue Umfeld zu filtern und darzustellen.“ In einem so facettenreich strukturierten Konzern sind solche Lernprozesse laut Steier Gold wert.


Schaubild

Wie viel Vertrauen und wie viel Kontrolle brauchen die Praktikanten? Sönke Ohls setzt auf die „Die 5 Stufen der Delegation“. Ausgearbeitet hat die Führungsmethode der Aachener Geschäftsführercoach Bernd Geropp.

 


„Dieses Unternehmen macht nicht nur starke Autos, sondern auch Spaß. Und auf den will ich im Berufsleben nicht verzichten.“ 

– Margarita Grinberg –

Für Steier im doppelten Sinn. Er ist mit viel Praxiserfahrung in sein Studium zurückgekehrt – und mit einer Empfehlung für den „Talent Pool“ von Opel, in dem sich vielversprechende Nachwuchskräfte wiederfinden. Vorgeschlagen hatte ihn sein Betreuer. „Klar spielen Auffassungsgabe, Intelligenz und Persönlichkeit eine wichtige Rolle, doch stete Neugier ist das beste Antriebskonzept, um bei uns vorwärtszukommen“, sagt Sönke Ohls.

 

Ein Qualitätsmanager im Werk

Praktikumsinhalte zum Anfassen: Gruppensprecher Christian Hellmeister, Jan Steier, Margarita Grinberg, Meister Ali Yanik und Ingenieur Sönke Ohls (von links) tauschen sich am Produktionsband aus.

 

Margarita Grinberg hofft, dass ihr das in den kommenden Monaten auch gelingt. Sie kann sich einen Job bei Opel sehr gut vorstellen. „Denn dieses Unternehmen macht nicht nur starke Autos, sondern auch Spaß. Und auf den will ich im Berufsleben nicht verzichten.“

 Stand Januar 2016

Text: Andreas Wollny, Fotos: Volker Dziemballa