Passiv sein
zahlt sich aus

„Steigende Energiekosten lassen mich kalt“, sagt Daniel Pape mit einem Lächeln. Die Coolness hat einen Grund: Sein zweigeschossiges Haus, ein 2013 errichteter Neubau mit Keller und einer Wohnfläche von 160 Quadratmetern, kommt in den meisten Räumen ohne die klassische Gebäudeheizung aus – selbst jetzt im Winter bei eisigen Minusgraden. Da reicht in der Küche die bloße Wärme des zwischenzeitlich benutzten Herds aus und im Wohnzimmer verbreiten schon fünf brennende Teelichter „heimelige Werte um die 21 Grad Celsius“, sagt Pape, der im Joballtag als Operational Business Assistant im Bereich Getriebe und Elektrifizierung im Internationalen Technischen Entwicklungszentrum (ITEZ) in Rüsselsheim tätig ist. Seine Art des Wohnens klinge für Außenstehende erst einmal unglaublich, berichtet der Diplom-Elektrotechniker. Doch Pape klärt gerne auf: „Die Idee, die dahintersteckt, trägt den  Namen Passivhaus.“ Darin lebt der 38-Jährige mit seiner Frau Pia und den beiden Kindern Mira (4) und Niklas (1) in Ober-Ramstadt bei Darmstadt. Das Passivhaus-Konzept findet Pape wirtschaftlich und umweltfreundlich.

Ein Blick auf die Zahlen belegt seine Ansicht. Das Pape-Passivhaus benötigt bemerkenswerte 90 Prozent weniger Heizwärme als ein herkömmliches Eigenheim. Und selbst im Vergleich zu einem durchschnittlichen Neubau spart es mehr als 75 Prozent ein. Anders ausgedrückt: Familie Pape verbucht den enorm niedrigen Energiegehalt von 15 Kilowattstunden – das entspricht etwa 1,5 Liter Heizöl – pro Quadratmeter in einem Jahr. So schmelzen die Ausgaben für Nebenkosten auf ein Minimum zusammen.


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Opel hat sich in seinen Werken und Standorten dem Energiesparen und einer nachhaltigen Energieversorgung verschrieben. Tagtäglich wird dafür ein riesiges Pensum an Maßnahmen umgesetzt. Doch Umweltbewusstsein ist nichts, was man nur von 9 bis 17 Uhr praktiziert. Es ist eine grundsätzliche Haltung. Wir stellen Kollegen vor, die diese Haltung in besonderer Weise leben – Energie-Pioniere eben.


 

Verhält sich ein Haus passiv, ist das ein sympathischer Zug

Daniel Pape, seit 2008 bei Opel, studierte in den Nullerjahren an der Technischen Universität (TU) Darmstadt. Dort kam er erstmals mit dem Passivhaus-Konzept in Berührung. 1991 hatte Dr. Wolfgang Feist, der später auch das „Passivhaus Institut“ gründete, in Darmstadt das erste anerkannte Gebäude dieser Art gebaut. Durch Gespräche mit Architekturstudenten, die das Thema umfassend behandelt hatten, begann Pape, sich mit dem Aspekt Wohnen und Energieeffizienz auseinanderzusetzen. „Verhält sich jemand passiv, ist das häufig ja kein besonders sympathischer Zug“, sagt er. Bei Gebäuden sehe das anders aus. „In einem Passivhaus geht die Wärme nie verloren.“

Um dies zu gewährleisten, greifen mehrere Maßnahmen ineinander. Zum einen ist das Haus besonders gut eingepackt: Dämmstärken von bis zu 40 Zentimetern an den Außenwänden und vor allem im Dach, ergänzt durch dreifach verglaste Fenster, ergeben eine fast luftdicht isolierte Gebäudehülle. Eine Lüftungsanlage mit integrierter Wärmerückgewinnung sorgt für die Frischluft. Zusätzlich kommt ein Erdwärmetauscher zum Einsatz: Da das Erdreich im Winter wärmer und im Sommer kälter ist als die Umgebungsluft, lässt sich Frischluft sehr effizient  vorwärmen oder eben vorkühlen. Ohne dass sich die Luftströme vermischen, wird aus dem Haus die verbrauchte Luft permanent abgezogen und durch neue ersetzt. Das Öffnen der Fenster ist möglich, aber nicht notwendig – einmal pro Stunde tauscht das System die Luft im Gebäude komplett aus. Angenehmer Nebeneffekt: „Die Lüftungsanlage filtert Pollen und Staub heraus. Für mich als Allergiker ist das besonders im Frühjahr eine große Erleichterung“, sagt Pape.

Die Heizung aus dem Erdreich

Unterstützt wird das autarke Heizsystem von einem Fernwärmenetz, an das die Neubausiedlung angeschlossen ist. „Die Fernwärme basiert auf der Energie von Holzpellets und Ökogas“, erklärt Pape. Diese Wärme ist es auch, die das Wasser im Haus auf bis zu 70 Grad erhitzt. Für Daniel Pape geht die Rechnung voll auf. Der Wohnkomfort, den das Passivhaus-Konzept biete, sei ohnehin unbezahlbar. Aktuell denkt Pape darüber nach, Solarzellen auf dem Gebäudedach anzubringen. Dann würde sein Zuhause zu einem Plusenergiehaus avancieren.

Das Haus ist warm eingepackt, sodass an kalten Tagen keine Wärme verloren geht – das tut ihm die ganze Familie gleich.

 

 

„In einem Passivhaus geht
die Wärme nie verloren.“

Daniel Pape, Operational Business Assistant

 

Daniel Pape tauscht einen Luftfilter an der Lüftungsanlage. Oben rechts ist der Erdsolewärmetauscher installiert.

Die im Boden eingelassenen Luftauslässe ersetzen den klassischen Heizkörper.


Mehrere Komponenten gehören zu einem ein Passiv-Haus: eine hochwertige Wärmedämmung, spezielle Fenster sowie eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung.

 


Und so aktiv betreibt Opel
die passive Energiegewinnung


Ein behagliches Arbeitsumfeld zu schaffen und gleichzeitig den Heizenergiebedarf zu senken, dieses Ziel wurde auch beim Bau des neuen Entwicklungszentrums für Antriebssysteme in Rüsselsheim verfolgt. „Bei den raumlufttechnischen Anlagen setzen wir auf eine Wärmerückgewinnung von bis zu 75 Prozent“, erklärt Michael Löffler, Projektleiter von Global Facilities.

Realisiert wird die Wärmerückgewinnung in dem siebenstöckigen Werkstatt- und Bürogebäudekomplex durch Einsatz von Rotationswärmetauschern im Zu- und Abluftvolumenstrom der Lüftungsanlagen. Ein Rotationswärmetauscher – auch Wärmerad genannt – besteht aus dünnen Aluminiumfolien, die wie bei einer Wellpappe aus je einer glatten und einer gewellten Lage im Wechsel aufgewickelt sind. Die Zwischenräume dieser „Wellen“ bilden Luftkanäle parallel zur Rotorachse.

 

Im Entwicklungszentrum für Antriebssysteme bei Opel Rüsselsheim wird die Wärmerückgewinnung durch den Einsatz von Rotationswärmetauschern gewährleistet.

Aktiv im Opel-Passivhaus (von links): Michael Löffler, Projektleiter von Global Facilities, Michael Balczarczyk, Leiter Facility Projects Technical Systems und Uwe Münzberg, Instandhaltung Elektro, im neuen Motorentestzentrum.

Während die warme Abluft beim Durchströmen des Wärmerades einen Teil seiner Wärmeenergie an die Speichermasse abgibt, wird diese durch die Rotation des Wärmetauschers zur Vorwärmung der Außenluft genutzt. „Die eingesetzten Rotationswärmetauscher sind zusätzlich mit einem Sorptionsmittel beschichtet, das Feuchte vom Abluftstrom an den Außenluftstrom überträgt und dadurch den Energiebedarf für Luftbefeuchtung im Winterbetrieb reduziert“, erläutert Michael Balczarczyk, Leiter Facility Projects Technical Systems.

Als weitere Maßnahme zur Energierückgewinnung diene der Motortestbetrieb selbst, berichtet Uwe Münzberg, Instandhaltung Elektro, im neuen Entwicklungszentrum für Antriebe. Der von den Belastungsmaschinen – den Dynamometern – erzeugte Strom wird nahezu vollständig wieder ins Netz eingespeist.

 


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Was ein Haus passiv macht


Den Beinamen „passiv“ erhalten Häuser, wenn der überwiegende Teil des Wärmebedarfs aus passiven Quellen gedeckt wird, also etwa Sonneneinstrahlung, Abwärme von Personen oder technischen Geräten. Dabei ist „Passivhaus“ kein Markenname, sondern ein Baukonzept und Gebäudestandard.

Um dem Baustandard „Passivhaus“ zu entsprechen, müssen im Vergleich zu Niedrigenergiehäusern nochmal mindestens 75 Prozent Energie eingespart werden.

 Januar 2017