Schnöde ist nur der Name

HLF 20 ist die schnöde Fachbezeichnung. Übersetzt heißt das nicht minder bürokratisch: Hilfeleistungs-Löschgruppenfahrzeug, die 20 steht für die Pumpenleistung von 2.000 Liter pro Minute bei zehn Bar. In der Praxis aber lässt diese Bezeichnung jedes Feuerwehrmannherz höher schlagen. So auch das von Matthias Sittig, dem Leiter der Werkfeuerwehr Eisenach, und seiner 15 Kollegen. Stolz präsentierten sie am 13. Dezember Werkleiter Pieter Ruts das neue 299 PS starke, 7,40 Meter lange, 2,50 Meter breite und 3,30 Meter hohe Einsatzfahrzeug mit seinem 2.000 Liter Löschwassertank, Lichtmast, modernster LED-Technik, sechs LED-Strahlern, Rückfahrkamera, Allradantrieb und Automatikgetriebe.

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„Das ist die
Champions League.“

 

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Matthias Sittig ist seit 2012 Leiter der Werkfeuerwehr Eisenach.

„Das ist die Champions League“, strahlt Matthias Sittig. Der 51-jährige Feuerwehrmann aus Gräfentonna muss es wissen, schließlich war bereits sein Vater Feuerwehrmann. Matthias Sittig begann 1992, nachdem er den Beruf des Werkzeugmachers erlernt hatte und studierte, bei Opel in Eisenach als Schichtführer der Werkfeuerwehr. Es folgte eine Ausbildung im gehoben feuerwehrtechnischen Dienst und 2012 die Berufung zum Leiter der Werkfeuerwehr. „Anderen Menschen helfen“, das ist seine Berufung. Zudem ifindet er den Beruf „interessant und spannend“.

 

 

Im Werk stehen der vorbeugende Brandschutz und die Erstversorgung der Mitarbeiter im Mittelpunkt der Arbeit. Täglich 24 Stunden, sieben Tage die Woche ist die Opel-Feuerwache besetzt. Die Mitarbeiter prüfen und warten zum Beispiel Löschanlagen, neh­men Schweißscheine ab, besprechen und planen Baustellen, bilden Mitarbeiter aus und halten sich beim Dienstsport fit. Brandeinsätze bilden die Ausnahme. „Wir sind ja vorbeugend dazu da, dass es eben nicht brennt. Wenn wir viele Einsätze hätten, würden wir etwas falsch machen“, erklärt Matthias Sittig, der sich im vergangenen Jahr über Investitionen in eine neue Brandmeldeanlage, neue Atemschutztechnik, einen neuen Mokka-Kommandowagen sowie eine neue Küche in der Feuerwache freuen durfte. Und natürlich über das HLF 20.

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Erste Sitzprobe: Hendrik Sittig und Patrick Zeugner (von links).

 

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Auch Steffen Hoppe (links) und Marco Rudolph sind begeistert vom neuen Einsatzfahrzeug.

NACH 23 JAHREN IN RENTE
Denn für die Größe des Eisenacher Opel-Werks mit seinen 1.800 Mitarbeitern und den vielfältigen Aufgaben wird laut Bescheid der Thüringer Landesregierung auch ein entsprechendes Einsatzfahrzeug verlangt. Das alte Fahrzeug geht nach 23 Jahren jetzt in Rente. Das neue HLF 20 haben die Kollegen Anfang Dezember in Ulm bei der Firma Magirus abgeholt. Matthias Sittig musste nicht lange fragen, wer mit dabei sein wollte. „Gerade für die jungen Kameraden ist das ein Highlight, das man vielleicht nur einmal im Feuerwehrmannleben erlebt“, weiß er aus eigener Erfahrung. Dementsprechend waren alle begeistert, als sie „ihr“ neues Einsatzfahrzeug in der Vorführhalle gesehen haben. Und nach der theoretischen und praktischen Einweisung überließ Matthias Sittig auch gern bei der Heimfahrt das Lenkrad drei jüngeren Kollegen, die sich die 400 Kilometer teilten. Die bedankten sich anschließend für ihr „schönstes Weihnachtsgeschenk“. Anschließend wurde das Fahrzeug in Eisenach noch mit der notwendigen Ausrüstung und der Funkanlage bestückt. Seit Mitte Januar ist das HLF 20 komplett einsatzfähig. Auch ganz zur Freude von Kamerad Hendrik Sittig, dem Sohn von Matthias Sittig, der seit zwei Jahren die Familientradition in die nächste Generation fortführt.

 

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Am 13. Dezember fand die Übergabe des neuen Fahrzeugs statt.

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HLF 20: Hilfeleistungs-Löschgruppenfahrzeug, die 20 steht für die Pumpenleistung von 2.000 Liter pro Minute bei zehn Bar.

Text: Jens Hirsch, Fotos: Marcel Krummrich