„Gemeinsam einen europäischen Engineering-Campus aufbauen“

Dr. Martin Lange ist seit 2018 Managing Director bei SEGULA Technologies. Er verfügt über mehr als 25 Jahre Erfahrung in der europäischen Industrie und war zuvor für die deutsche Tochtergesellschaft des französischen Unternehmens Alstom tätig.

Herr Lange, Groupe PSA/Opel und Segula haben eine strategische Partnerschaft vereinbart. Es geht darum, in Rüsselsheim einen europäischen Engineering-Campus zu schaffen. Was sind die wichtigsten Aspekte dieser Partnerschaft, insbesondere für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter?
Zunächst einmal: Das ist eine sehr erfreuliche Nachricht. Für die Automobilindustrie insgesamt, aber auch für die Region und für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor Ort. Wir stehen fest zu den Standorten Rüsselsheim und Dudenhofen und wir sind sicher: Dieses neue Unternehmen wird ein Erfolg. Deshalb ist es auch klar, dass die bis 2023 vereinbarten Arbeitsplatzgarantien weiter gelten. Segula wird das wertvolle Wissen der Opel-Ingenieure nutzen, um den Standort auszubauen und der Konkurrenz einen Schritt voraus zu sein. Dazu investieren wir kontinuierlich in technologische Trends. Durch den gemeinsamen Aufbau des Engineering-Campus möchten wir den Kollegen, die von Opel zu uns wechseln, neue langfristige Perspektiven eröffnen.

 

Sie spielen bei der Gründung des neuen Entwicklungszentrums eine Schlüsselrolle. Wie sieht Ihre Vision für den geplanten europäischen Engineering-Campus aus? 
Unsere Vision ist es, in Deutschland ein führendes Unternehmen für Engineering-Dienstleistungen aufzubauen, das europäische und internationale Kunden als Komplettentwickler mit exzellenten Dienstleistungen unterstützt. Das gilt für die Automobilbranche genauso wie für andere Bereiche, beispielweise den Schienensektor. Darüber hinaus wird der Engineering-Campus starker lokaler Entwicklungspartner von Opel und Groupe PSA. Mit unseren gebündelten Kompetenzen werden wir Innovationen vorantreiben, um ein erfolgreiches Unternehmen aufzubauen, das bestens für Wachstum positioniert ist. Ich freue mich sehr darauf, unser technisches Know-how mit der Erfahrung von Opel zusammenzubringen, um so unsere Vision zu verwirklichen.

 

Das Rüsselsheimer Entwicklungszentrum ist ein Herzstück von Opel und hat eine große deutsche Ingenieurs-Tradition. Wie wird Segula dieses Erbe in die DNA der neuen Gesellschaft integrieren und in Zukunft eine gemeinsame Kultur fördern?
Ich möchte zunächst betonen, dass niemand plant, den Mitarbeitern, die von Opel zu uns wechseln, eine neue Unternehmenskultur aufzuzwingen. Wir respektieren uneingeschränkt das einzigartige Erbe von Opel und legen größten Wert auf eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe und einen kooperativen Ansatz. Der offene Dialog  ist wichtig, um einander zu verstehen und um die Werte von Opel mit dem starken Innovationsfokus von Segula zu verbinden. Wir sind überzeugt, dass wir damit ein starkes Fundament für Teamgeist und damit  für den Erfolg des Campus legen werden. Und selbstverständlich bauen wir unsere kooperative Unternehmenskultur auf aktive Zusammenarbeit mit den Arbeitnehmervertretern: Wichtig ist mir vor allem unsere Strategie für den gemeinsamen Erfolg: Wir werden alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – also diejenigen, die bereits bei Segula arbeiten, und diejenigen, die von Opel zu uns wechseln – mit den entsprechenden Fähigkeiten und Kompetenzen ausstatten, um gemeinsam erfolgreich zu sein.

 

 

Was können die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von der Partnerschaft mit Segula erwarten?
Die Partnerschaft bietet von Anfang an Stabilität: Die neue Gesellschaft wird ein solides Unternehmen mit guten Wachstumsaussichten in einem dynamischen Wettbewerbsumfeld sein. Wenn der Campus errichtet ist, planen wir, den Standort weiterzuentwickeln. Dann nehmen wir die nächste Stufe der Programmkomplexität in Angriff. Unser Ziel ist es, Lösungen anzubieten, die den technologischen Veränderungen gerecht werden und die der Markt fordert. Segula fördert  unternehmerisches Denken und gibt allen Beschäftigten die Möglichkeit, Ideen, Visionen und Fachwissen einzubringen. Damit öffnen sich persönliche Karrierewege als Führungskräfte und Fachexperten. Unser Vorhaben „Succeed together“ ist ein integratives Projekt. Wir bündeln unsere Kräfte für ein gemeinsames Ziel: Die Zukunft der Fahrzeugtechnik als echter Gesamtfahrzeugentwickler mit einem starken Team aus exzellenten Köpfen zu gestalten.

 

Herr Lange, nicht jeder bei Opel ist mit dem Geschäft von Segula vertraut. Wodurch zeichnet sich das Unternehmen Ihrer Meinung nach gegenüber anderen aus? 
Segula ist ein schnell wachsender internationaler Engineering-Konzern. Wir sind ein Multi-Spezialist in verschiedenen Sektoren und bieten Komplettlösungen in enger Zusammenarbeit mit unseren Kunden überall auf der Welt. Wir beschäftigen 12.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und sind in 28 Ländern aktiv. Unsere Teams streben danach, Lösungen zu verbessern und neue Ansätze zu entwickeln. Innovation ist der Kern von Segulas Identität und Unternehmensstrategie. Wir spielen bereits jetzt eine große Rolle bei der Entwicklung neuer Mobilitätsformen und innovativer Assistenzsysteme. Segula führt derzeit jährlich mehr als 200 F&E-Projekte durch, etwa in den Bereichen Augmented Reality, 3D-Druck, vernetztes Fahren und Energieeffizienz.

 

Seit einigen Jahren baut Segula seine Präsenz in Deutschland stetig aus. Was macht den deutschen Markt für Segula so attraktiv?
Wir sind von der deutschen Ingenieurskunst überzeugt. Deutschland ist weltweit der größte Einzelmarkt für externe Engineering-Dienstleistungen in der Automobilindustrie. Und der Markt wird weiter wachsen – von derzeit vier Milliarden  Euro auf sechs Milliarden Euro im Jahr 2023. Wir haben in Deutschland bereits eine strategische Partnerschaft mit dem Automobilexperten ESG Mobility geschlossen und EK Design und Technicon Design zwei Unternehmen aus dem Automobilsektor übernommen. Der deutsche Markt bietet vielversprechende Wachstumschancen für erstklassige Engineering-Dienstleistungen. Deshalb planen wir, unsere Präsenz in Deutschland auszubauen. Die Partnerschaft ist ein wichtiger Schritt, um bedeutend an Marktanteil zu gewinnen.

 

 

SEGULA Technologies ist ein führender Engineering-Spezialist, der zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit in allen wichtigen Industriezweigen beiträgt, beispielsweise Automobil, Luftfahrt und Schienenverkehr. Die Gruppe stellt Innovation in den Mittelpunkt ihrer Strategie und ist in 28 Ländern mit 12.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in 140 Niederlassungen aktiv. Als Engineering-Spezialist führt SEGULA Technologies Großprojekte durch, die von technischen Studien über die industrielle Anwendung bis hin zur Produktion reichen.

„Wir werden den Campus zum Gesamtfahrzeugentwickler für die wichtigsten OEMs der Welt ausbauen.“

Auf welche Technologietrends werden Sie sich konzentrieren?
Wir legen den Fokus auf modernste Lösungen im Bereich Fahrzeugtechnik. Es geht um  die effiziente Entwicklung einer optimierten Antriebsstrangtechnologie. Und es geht um Prüfmöglichkeiten für Fahrzeuge und Antriebsstränge über den gesamten Zyklus hinweg. Dies schließt auch weiterentwickelte Fahrassistenzsysteme und vernetztes Fahren ein.  Und natürlich ist auch Elektromobilität ein großes Thema.  Wir wollen unsere Marktposition nachhaltig stärken, indem wir Technologietrends aufgreifen und dann einen technologischen Vorsprung erzielen.

 

Herr Lange, Sie waren zuvor einige Jahre bei Alstom Deutschland beschäftigt. Was sind Ihre Erfahrungen in Sachen erfolgreicher grenzüberschreitender Teamarbeit?
Segula hat sehr weitereichende Erfahrungen in grenzüberschreitender Teamarbeit. Wir kennen die deutsche Arbeitskultur sehr gut, da wir bereits seit einigen Jahren in Deutschland tätig sind und weil wir bereits erfolgreich mit EK Design und Technicon Design zusammenarbeiten. Die neue Gesellschaft wird gemeinsam von einem Team aus Führungskräften von Opel und Segula geleitet werden. Dieses gemeinsame Team erlaubt es uns, mit gegenseitiger Wertschätzung voneinander zu lernen. Es bildet die Brücke zwischen den beiden Arbeitskulturen. In der Zusammenarbeit können wir auf unsere langjährige Erfahrung bei der erfolgreichen Integration neuer Kollegen in die Segula-Gruppe zurückgreifen. Die Integration des PSA-Testzentrums in La Ferté-Vidame ist hier ein gutes Beispiel.

 

Herr Lange, zum Abschluss dieses Interviews eine letzte Frage: Was möchten Sie den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Entwicklungszentrums im Hinblick auf ihre Zukunft sagen? Welches sind die nächsten konkreten Schritte für den europäischen Engineering-Campus?
Wir sind überzeugt, dass wir in der Automobilbranche und darüber hinaus echte Engineering-Exzellenz schaffen können. Das wird eine Erfolgsgeschichte für alle Beteiligten. Unser oberstes Ziel ist es, den Campus aufzubauen und dabei sowohl das Fachwissen unserer Ingenieure einzubringen als auch die Beziehungen zu unseren Kunden zu festigen. Wir werden den Campus zu einem Gesamtfahrzeugentwickler für die wichtigsten OEMs der Welt ausbauen. Ich setze mich für eine vertrauensvolle und transparente Zusammenarbeit ein, um dieses Ziel zu erreichen und bitte alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Rüsselsheimer Entwicklungszentrums um Unterstützung und Vertrauen. Lassen Sie uns gemeinsam einen zentralen European Engineering Campus aufbauen!

 


Januar 2019

Foto: SEGULA Technologies