Auf großer Bühne

„Opel-Clubs wollen mehr Classic Werkstatt, Technik-Studenten mehr Produktion – daher werden wir die Führungen auch 2019 auf Zielgruppen zuschneiden.“

– Uwe Deller –

Ein wenig wie auf der großen Bühne fühlt sich Michael Heilmann durchaus. Immer wenn Gäste an der Fertigungshalle K171 den Besuchersteg erklimmen, schauen sie aus luftiger Höhe auf den Produktionsbereich der sogenannten Hochzeit – den Arbeitsplatz von Michael Heilmann. Von hier aus verfolgen die Besucher, wie Motor und Karosserie zu einer Einheit werden. Als langjähriger Mitarbeiter der Fertig- und Endmontage im Werk Rüsselsheim hat sich Heilmann daran gewöhnt, dass ihm bis zu drei Mal am Tag für einige Minuten Gäste bei der Arbeit über die Schulter schauen. Und das macht ihn auch stolz: „Schließlich kommen die Leute, weil sie sich für Opel, unsere Arbeit, unsere Modelle interessieren.“

Die Opel-Werksführer, die die Besuchergruppen begleiten, hören das gerne. Denn charmante, informative Ausführungen ihrerseits zur modernen Produktionsstätte sind die eine Seite, Kollegen wie Michael Heilmann die andere. Sie sind es, die dem Stammwerk ein Gesicht geben, die den Besuchern einen Eindruck vermitteln, wer „ihr“ Auto baut.


Nächster Halt, Classic Werkstatt! Viktor Zobel fährt die Gäste sicher von Station zu Station.


„Für Rollstuhlfahrer haben wir eigene, barrierefreie Wege durchs Werk ausgearbeitet.“

– Viktor Zobel –

 

2018 haben erneut viele Besucher die Faszination Automobilbau in Rüsselsheim live erlebt: Bei mehr als 600 Führungen waren insgesamt 14.000 Besucher zu Gast. Zwei Stunden dauert eine Werkstour. Startpunkt der Tour ist am Adam Opel Haus, werktags um 10.00, 13.15 und 15.30 Uhr. Dort begrüßen im Wechsel die Werksführer Irina Scherer, Dimitrios Salabasis und Ramesh Niebling die Gäste, Viktor Zobel steuert stets den Bus. Angefahren werden die Classic Werkstatt, das Presswerk, der Karosseriebau sowie die Fertig- und Endmontage. Die Lackiererei steht hingegen nicht auf dem Programm – was an den hohen Sicherheitsanforderungen und den Ansprüchen in puncto Staubschutz liegt: „Unsere Gäste sollen die Fertigung zwar hautnah erleben, aber in Schutzanzüge wollen wir sie nun doch nicht stecken“, erläutert Dimitrios Salabasis.

Auf der Tour erfahren die Besucher nicht nur Wissenswertes über die laufende Produktion – wie viel Liter Farbe schmückt den Insignia? – , sondern auch über die nunmehr 157 Jahre währende Historie des Unternehmens über Fahrräder, automobile Klassiker und natürlich über aktuelle Modelle. „Kinder kommen manchmal auch mit eigenen Zeichnungen von Wunschautos, die wir in Rüsselsheim bauen sollen“, schmunzelt Werksführerin Irina Scherer.

 

Zahlen, daten, fakten
Da heißt es, gut vorbereitet sein und vor allem, sich stets auf dem Laufenden zu halten. Dies geschieht im regelmäßigen Austausch mit den Kommunikationsexperten der einzelnen Bereiche – denn Zahlen, Daten und Fakten sind die wichtigsten Arbeitsutensilien der Werksführer. Und wenn einer der Kollegen tatsächlich einmal überfragt sein sollte, so holen sie die Antwort entweder direkt telefonisch beim entsprechenden Experten ein oder reichen sie im Nachgang per E-Mail nach. „Wir lassen keine Frage offen“, nennt Irina Scherer das Arbeitscredo.


Lässt keine Fragen offen: Irina Scherer in der Classic Werkstatt.


„Kinder stellen die besten Fragen – und kommen manchmal auch mit Zeichnungen ihrer Wunschautos.“

– Irina Scherer –

 

Die wahre Klasse zeigt sich, wie in jedem guten Team, jedoch nicht nur im souveränen Bewältigen des Pflichtteils, sondern vor allem in der Kür. Improvisation, Spontanität, Schlagfertigkeit – erst diese Eigenschaften machen aus dem Werkstour-Erlebnis ein echtes Vergnügen. Ramesh Niebling etwa begeisterte eine indische Besuchergruppe, als er während der Busfahrt den Hit eines aktuellen Bollywood-Blockbusters aus der gemeinsamen Heimat anstimmte. Da er selbst aus dem südasiatischen Land stammt, ist Niebling mit dessen Popkultur entsprechend vertraut.

Während Dimitrios Salabasis bei Bedarf mit Griechisch aushelfen kann, wechselte Irina Scherer mal spontan vom Deutschen ins Russische, als sie merkte, dass es sich bei der gegenwärtigen Gruppe um Touristen aus ihrer Heimat handelte. Ein spontaner Service, den die Gäste entsprechend goutierten – und zeigte, wie nahbar das Team ist und einen wichtigen Opel-Markenwert buchstäblich vorlebt.

 

GELEBTE NAhbarkeit
Neben der sprachlichen Flexibilität möchte das Team stets auch eine zielgruppengerechte (An-)Sprache finden. Ganz oben auf der Liste steht dabei die kindgerechte Sprache. Langeweile kommt aber nie auf, denn in der nächsten Gruppe wollen schon wieder Ingenieure über das Werksgelände geführt werden. Und auch auf Besucher mit körperlichen oder geistigen Behinderungen stellt sich das Team ein. „Für Rollstuhlfahrer etwa haben wir eigene, barrierefreie Wege durchs Werk ausgearbeitet“, erklärt Viktor Zobel.

 


Faszination Roboterpark: Dimitrios Salabasis an seiner Lieblingsstation, dem Karosseriewerk.


Laut Uwe Deller, Leiter Interne Veranstaltungen und Werkstouren, soll das Sprachangebot 2019 erweitert werden. Denn als junges Mitglied im PSA-Verbund würden immer mehr Führungen auf Französisch angefragt. Und auch sonst gilt für die Gästebetreuung, was im gesamten Unternehmen seit jeher gilt: Top-Qualität ist ein Schlüssel zum Erfolg! Daher wollen die Werksführer künftig weitere spezielle Touren anbieten – und diese noch stärker auf die verschiedenen Zielgruppen zuschneiden. „Opel-Clubs wollen so viel Zeit wie möglich in der Classic Werkstatt verbringen, Technik-Studenten noch tiefer in die aktuelle Produktion eintauchen – dem werden wir weiterhin Rechnung tragen, unter anderem durch die verstärkte Konzentration auf geschlossene Sondertouren“, erklärt Deller.

 

„Mit rund 14.000 Besuchern haben wir unsere Kapazität 2018 voll ausgeschöpft.“

– Dimitrios Salabasis –

 

Die 120 Jahre Automobilbau, die Opel 2019 feiert, sind ein weiterer Schwerpunkt. Dass das Team für die bevorstehenden Aufgaben gerüstet ist, hat sich erst im vergangenen Jahr bestätigt. „Wir haben 2018 trotz wechselnder Rahmenbedingungen alle Ziele erreicht, die wir uns gesetzt hatten und dabei teilweise schon im Oktober die Sollzahlen für das Jahr erfüllt“, so Deller.


Lieder aus Bollywood-Blockbustern hat er ebenso drauf wie alle Fakten rund um die Fertigung: Ramesh Niebling.


Neben den bloßen Zahlen macht vor allem der persönliche Kontakt zu vielen verschiedenen Menschen den Reiz der Werksführungen aus. Das Schönste daran, da ist sich das Team einig, sind die originellen Danksagungen der Gäste. „Oft melden sie sich nach einer Führung noch einmal schriftlich, bisweilen sogar mit eigens angefertigten Zeichnungen“, so Irina Scherer, die im Team-Büro einige phantasievolle Entwürfe künftiger Opel-Modelle aufgehängt hat – gemalt von Besuchern, die sich durch die Tour entsprechend inspiriert fühlten.

 

 

„Mehrsprachig zu sein heißt für uns auch, zwischen kind- und ingenieursgerechter Sprache wechseln zu können.“

– Ramesh Niebling –

 

persönliche danksagungen
Kreativ und vor allem musikalisch fiel dagegen der Dank eines Männerchors aus, der Irina Scherer nach einer Werkstour im Foyer des Adam Opel Hauses ein persönliches Ständchen darbot – „Die Wahre Liebe“ von Leoš Janácek. Große Bühnen bieten sich bei Opel eben nicht nur in der Fertig- und Endmontage.

 


Opel-Werkstour in Rüsselsheim:
Zentrum modernster Produktion

Die Werkstour startet drei Mal täglich am Adam Opel Haus und beinhaltet die Classic Werkstatt,  das Presswerk, den Rohkarosseriebau und die Fertig- und Endmontage. Zur Werkstour anmelden kann man sich über die Webseite https://www.opel.de/ueber-opel/opel-werkstour.html. Das Team der Werkstour ist darüber hinaus per Mail unter DieWerkstour@opel.com oder telefonisch unter 06142-7 65600 erreichbar.

Immer gut drauf: Dimitrios Salabasis, Irina Scherer, Viktor Zobel, Ramesh Niebling und Uwe Deller (von links). Zwar nicht auf dem Foto, aber als gute Seele im Büro eine weitere wichtige Stütze des Teams in allen administrativen Fragen ist Petra Schuffenhauer.


Februar 2019

Text: Eric Scherer, Fotos: Alex Heimann