Fastnachtliche Umtriebe und
ein Sieg in Monte Carlo


„Gesicht einer Zeitschrift“
Neue Wege beim Cover


35.707 Mitarbeiter zählt Opel Anfang 1967 an seinen verschiedenen Standorten. Ob die junge Dame, deren Gesicht die erste Opel-Ausgabe des Jahres ziert, zu diesen gehört, ist leider nicht in Erfahrung zu bringen. Weder auf dem Cover noch sonst irgendwo findet sich im Heft ein Hinweis auf ihre Identität. Lediglich ein Hinweis im Impressum, dass die Opel Post ihren gestalterischen Stil ein wenig ändert, denn „die „Mode wechselt ständig“, weswegen „das Gesicht einer Zeitschrift mitunter ein neues Make-up“ brauche, „um das Interesse des Lesers wachzuhalten und neue Freunde zu gewinnen“. Möglicherweise führten diese Gedanken ja dazu, es auf dem Cover einfach nur ein hübsches Gesicht zu zeigen.


Jubilarsfeier in Rüsselsheim
„Zuversicht ist ein Medikament“


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Jubilare, Vorgesetzte und Gäste in der Rüsselsheimer Stadthalle.

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Das Programm: Die Geschwister Jakob (von links), Ferry Kurucz und Rita und Arno van Bolen.

Im Januar 1967 feiert Opel seine Jubilare in der vollbesetzten Rüsselsheimer Stadthalle, während im Werk die Bänder still stehen. Die Wirtschaftskrise hat zu Kurzarbeit und personelle Einschnitten geführt. Dr. Rudolf Hoenicke, Leiter der Personal- und Sozialabteilung, scheut sich nicht, die Hintergründe auch in seiner Festansprache zu thematisieren. Nicht zuletzt hätten Kreditverknappungen der Bundesbank die Industrie hart getroffen. Dennoch wolle Opel investieren, um seinen Beitrag zur Wiederbelebung der Wirtschaft zu leisten, insgesamt 500 Millionen Mark in Erweiterungen investieren. „Zuversicht ist eines der wichtigsten Medikamente, die unser Volk in dieser Stunde braucht,“ schließt Dr. Hoenicke, und sein Optimismus steckt an. Anschließend wird gefeiert, mit einem bunten Unterhaltungsprogramm, in dem sich auch die „Geschwister Jacob“ wiederfinden, die später als „Jacob Sisters“ noch viel berühmter werden. Um zum Finale bläst das Opel-Werksorchester seinen allerliebsten Marsch: „Alte Kameraden!“

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Jürgen Brothers

 


Die schwerste Winterrallye der Welt
Opel räumt in Monte Carlo ab


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Mit diesem serienmäßigen Rekord holte sich der Schwede Nasenius zwei Siege.

„Sieg“ – mehr Worte will die Opel-Post nicht machen, um die jüngsten Erfolge des Unternehmens bei der Rallye Monte Carlo 1966 zu überschreiben. Der Schwede Lillebror Nasenius, 1966 auch Rallye-Europameister, holte sich in einem 1,9 Liter-Rekord den Gesamtsieg der Serientourenwagen. Und Dieter Lambart, ein Opel-Verkäufer aus Stuttgart, gewann in seinem Kadett Coupé in der kleineren Hubraumklasse. Die Rallye gilt damals als die schwerste Winter-Rallye der Welt. Sie wird in drei Etappen gefahren: Auf einer 3.000 Kilometer langen Sternfahrt von acht Startorten an die Cote d’Azur, einem 1.200 Kilometer langen Rundkurs durch die französischen Alpen und auf einer „nur“ 600 Kilometer langen Schleife durch Monaco, die allerdings die anspruchsvollsten Prüfungen bereithält. Nur 60 von anfänglich 200 Fahrzeugen schaffen es in dieses letzte Feld – und auf sechsen von ihnen prangt der Opel-Blitz. Allein das ist eine erstaunliche Leistung der Rüsselsheimer, deren Wettbewerber wesentlich teurere Serienautos an den Start bringen.


Wolle mer se roilosse?
Die Opel-Narren sind da


Der Sitzungspräsident der „Schwarzen Elf“, Jakob Marx, beglückwünscht den aus der Bütt gestiegenen Heinz Donner.

 

Nein, nicht nur in „Määnz“ können sie „Fassenacht“ – auch die Hessen sind ziemlich närrisch drauf. Und damals sind viele Opelaner in der fünften Jahreszeit aktiv. Der ehemalige Werkfeuermann Hans Muth etwa ist Vorsitzender der „Schwarzen Elf“, der in der Datenverarbeitung tätige Heinz Donner einer derer rührigsten Aktiven. Und im Opel Post-Bericht von 1967 über die fastnachtlichen Umtriebe der Mitarbeiter taucht bereits ein Mann auf, der noch bis in die 1990er Jahre auf den Bühnen der gesamten Region Erfolge feiert und auch immer wieder in der TV-Sitzung „Mainz bleibt Mainz“ zu sehen sein wird: Jochen Kunz, Betriebsleiter im Werk Rüsselsheim. In der Ausgabe findet sein Vortrag als „Gastarbeiter“ Erwähnung. Kunz’ Markenzeichen in der Bütt wird später die Gießkanne werden, „mit de Zott no obbe“.

 


Und sonst?
Vierbeiner bei Opel


Auch in dieser Opel Post-Ausgabe findet sich wieder eine Fülle von Informationen, die manchmal nur als Randnotiz auftauchen, aber interessante Aufschlüsse über den damaligen Zeitgeist geben, aus heutiger Sicht vielleicht skurril wirken oder einfach nur Erinnerungen auslösen, heitere ebenso wie besinnliche. Beispielsweise meldet die Redaktion die Aufnahme der erst elf Wochen alten Schäferhündinnen Anja und Asta in die Hundestaffel der Werkswache. Auch die Kollegen in Dudenhofen setzen verstärkt auf die Spürnasen der Vierbeiner, um besser durchs bewaldete Gelände des Testzentrums zu finden. Seit in einem Baumwipfel ein Fotograf entdeckt wurde, der „Erlkönige“ ins Visier nahm, sind vermehrte Streifengänge durchs Unterholz angesagt. Und ein Referent der Opel-Vortragsreihe entführte seine Zuhörer in der Stadthalle nach Polynesien, was die Mitarbeiterzeitung ebenfalls bildstark begleitet.

Neu in der Hundestaffel der Werkswache: Anja und Asta.

 


Hier können Sie die komplette Opel Post-Ausgabe vom Februar 1967 herunterladen.

 

Stand Februar 2017

Text: Eric Scherer