Ein Manta auf Hawaii

Er suchte nach Walen und entdeckte einen Manta. Allerdings keinen Rochen, sondern einen Opel. Das sind eben die Geschichten, die das Leben schreibt. Oder der Urlaub, wenn man mit offenen Augen unterwegs ist. Ralph Breitwieser, Schichtleiter in der Produktionssteuerung des Werks Rüsselsheim, verbrachte seine Weihnachtsferien mit Lebensgefährtin Isabel Witt auf Hawaii, als er völlig unvermittelt mit dem Blitz konfrontiert wurde.

„Wir fuhren an der Westküste von Big Island entlang“, erinnert sich der 51-Jährige, „da entdeckten wir bei einem Blick aus dem Fenster Buckelwale im Wasser, die am Horizont ihre Bahnen zogen.“ Die Meeressäuger zu fotografieren, ist der Traum jedes Touristen, der den Dezember auf der Südseeinsel verbringt. Die Wale bringen im Herbst vor der Küste Kaliforniens ihre Jungen zur Welt, um mit ihnen anschließend Richtung Polynesien zu ziehen – „die Region dient ihnen als so eine Art Kinderschule“, so Breitwieser.

 

Auf der Suche nach Meeressäugern

Das Paar stoppte seinen Wagen, stieg aus und lief die etwa zwei Kilometer zum Strand hinunter, um die Wale besser ins Visier ihrer Smartphones nehmen zu können. Plötzlich stutzte Breitwieser. Aus dem hohem Gras am Ufer lugte das Dach eines ausgebrannten Autos hervor. Und dessen Linienführung kam ihm sofort bekannt vor. „Ich habe nie einen besessen, aber als Kind bekam ich immer leuchtende Augen, wenn so einer um die Ecke kam. Über so ein Dach verfügt nur ein Opel Manta.“ Das musste er sich näher ansehen…


Fundstück Auf der Hauptinsel, auch Big Island genannt, hat Ralph Breitwieser mitten auf der grünen Wiese dieses Wrack entdeckt.


 


 

Und tatsächlich: Die Aussparungen für die Rücklichter, die Felgen, die Zierleisten – und schließlich das Emblem auf der vollkommen durchrosteten Motorhaube ließen keinen Zweifel mehr zu: Hier hatte ein Opel Manta seine letzte Ruhestätte gefunden. Wahrscheinlich nach einem Unfall, bei dem er die Straße hinunter Richtung Ufer rollte und anschließend vollkommen ausbrannte.

 

Wie ist er auf Hawaii gelandet?

Doch wie ist der Wagen auf Hawaii gelandet? Von 1970 bis 1975 wurde der Opel Manta auch in den USA verkauft, zunächst als Opel 1900, ab 1973 unter seinem Originalnamen. Insgesamt 170.000 Stück rollten seinerzeit über die Straßen Nordamerikas. Dies könnte einer von ihnen gewesen sein. Hawaii ist zwar ein US-Bundesstaat, allerdings sind es etwa 3.700 Kilometer Wasserweg von der Küste Kaliforniens bis zu der Inselgruppe. Und mit den Buckelwalen wird der Opel-Rochen kaum geschwommen sein. Die übrigens hat Ralph Breitwieser natürlich auch noch fotografiert.


Aloha-State 1959 wurde Hawaii zum 50. Bundesstaat der Vereinigten Staaten von Amerika. Von der Inselgruppe bis zur US-Westküste sind es etwa 3.700 Kilometer Wasserweg.


 

Stand Februar 2018

Text: Eric Scherer, Fotos: privat