Von einem, der fast alles kann


Ein Hoch auf
die mitbestimmung


Die Opel Post startet ins Jahr 1953. An den vergangenen Skiurlaub erinnert die Redaktion auf dem Cover, im Heft ist der Blick bereits fest in die Zukunft gerichtet. In der  Automobilindustrie ist viel in Bewegung, auch die betriebliche Mitbestimmung bewährt sich, Arbeitgeber und Arbeitnehmer suchen gemeinsam nach Lösungen und Kompromissen am runden Tisch. „Das tägliche Erleben des betrieblichen Alltags lässt viele Arbeitnehmer erkennen, dass die Arbeitgeber in der Mehrzahl keine Ausbeuter sind, die nichtstuend auf der faulen Haut liegen und nichts weiter wollen als dem Arbeiter das Fell über die Ohren ziehen“, kommentiert die Mitarbeiterzeitung in ihrem Leitartikel. „Und viele Arbeitgeber haben längst erkannt, dass der organisierte Arbeitnehmer und die meisten Funktionäre seiner Organisation ernstzunehmende Menschen sind, die einen unersetzlichen Faktor des Wirtschaftsablaufes darstellen.“ In diesem Sinne: Frisch ans Werk!


 VON LÖSCHEN BIS RETTEN    
DEr Blitz kann einfach Alles


 

 

Der Blitz hat viele Gesichter – und die Opel Post zeigt sie auf einen Blick. Erstaunlich, was auf dem Fahrwerk eines Opel Blitz so alles aufgebaut werden kann. Da mutiert der 1,75 Tonner mal zum Löschfahrzeug, mal zum Mannschaftswagen der

Polizei und mal zum Krankenwagen. Er kann aber auch Vieh- und Biertransport. Ein echtes „Allround“-Talent eben. Aber mit solchen Anglizismen werden Alleskönner im Jahr 1953 noch nicht bedacht.

 


 


 

 

Wie entsteht Sicherheitsglas? Um Opel Post-Lesern diese Frage zu beantworten, ist ein Reporter nach Herzogenrath bei Aachen gefahren und hat die Glaswerke der Saint-Gobain Sekurit besucht. Voller Ehrfurcht verharrt der Autor vor den aneinandergereihten riesigen Schmelzöfen: „Aus feuerfestem Stein erbaut, strömen von ihnen dem neugierigen Besucher glutvolle Hitzeschwaden entgegen. Mit einem respektvollen Abstand vor den Öfen stehend, in denen bei 1.500 Grad in feuerfesten Tonhäfen – aus französischem Ton hergestellte, bottichähnliche Gefäße – ein Gemenge aus Quarzsand, Kalk, Sulfat und Soda geschmolzen wird, beobachten wir den ersten Produktionsvorgang.“ Und die übrigen Fertigungsschritte werden detailliert verfolgt. Die Reportage ist, inklusive der Bilder, ein Fest für Industriehistoriker.

 

Qualitätscheck anno 1953: Beim „Kugelfallversuch“ wird das Testobjekt zerstört, doch sollen keine scharfkantigen Splitter entstehen, sondern harmlose Krümel. Denn genau das soll Sicherheitsglas leisten.

 


 der autokunde
hat wieder die wahl


In Deutschland ist wieder ein Käufermarkt für Kraftfahrzeuge entstanden. Was das bedeutet? Dass das Angebot an Automobilen die Nachfrage übersteigt. Ein Zustand, der im Nachkriegsdeutschland erst im Herbst 1952 wieder erreicht worden ist, wie die Opel Post berichtet. Denn die Grundindustrien sind neu aufgebaut und erweitert worden, außerdem sind wieder ausreichend Rohstoffe verfügbar. Die Redaktion nutzt die Gelegenheit aber auch, um ihren Lesern ausführlich die Vorteile der freien Marktwirtschaft gegenüber der sozialistischen Planwirtschaft darzulegen. Was sehr schön die bundesrepublikanische Aufbruchsstimmung der sich langsam anbahnenden Wirtschaftswunderzeit dokumentiert.

 

 


Das geheimnis
  der gelben striche


Opel fährt eine klare Linie – auf den Straßen, aber auch im eigenen Betrieb. In den Fertigungshallen sind die Böden seit kurzem mit gelben Strichen markiert. Deren Bedeutung muss heute niemand mehr erklärt werden, aber alles hat irgendwann einmal seinen Anfang genommen: „Striche begrenzen unter anderem die Fahrbahnen und zeigen jedem: bis hierher darfst du gehen, fahren, ausweichen“, erklärt die Opel Post 1953, „sie zeigen vor allem auch den Mitarbeitern der betreffenden Abteilung, bis wohin sie Werkzeuge, Aggregate stellen und legen dürfen.“ Noch Fragen?

 

 


Hier finden Sie die komplette Ausgabe der
Opel Post vom Januar/Februar 1953 zum Download.

 


Stand Februar 2018

Text: Eric Scherer