Volle 40 Grad im März

„Wollt ihr noch einen Vortrag zur Fahrphysik hören oder sollen wir gleich loslegen?“

– Instruktor Sven Albrecht –

 

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Mitte März in Südhessen. Eine Kolonne von acht Opel-Testfahrzeugen braust mit Tempo 180 über die Piste des Opel Test Centers in Rodgau-Dudenhofen. Im ersten Auto, einem 280-PS-starken GTC OPC, sitzt Instruktor Sven Albrecht. Per Walkie-Talkie informiert der Fahrtrainer die nachfolgenden Piloten: „Jetzt erreichen wir 40 Grad!“ Doch von hochsommerlichen Temperaturen ist keine Rede; Albrecht spricht vielmehr von der Querneigung der Hochgeschwindigkeitsrundbahn. In diesem Moment erreichen die Autos nicht nur die oberste Fahrspur der Strecke, sondern ihre Insassen auch den Höhepunkt des Testtages für Opel-Praktikanten in Dudenhofen. Zwei Dutzend von ihnen waren für einen Frühlingstag im Opel Test Center unterwegs, vier Fahrtrainer führten die Gäste durch diesen ersten „Drive Day“ des Jahres.

 

DIE BEWÄSSERUNGSANLAGE WIRD EINGESCHALTET
Um 8.40 Uhr trifft sich die Gruppe am OPC-Zelt. Zwei Grad Celsius, Nieselregen, frischer Ostwind. Und weil die äußeren Bedingungen noch nicht herausfordernd genug sind, hat Sven Albrechts Kollege Gottfried Barth die Bewässerungsanlage eingeschaltet. Kurze Vorstellungsrunde, dann fragt Albrecht: „Wollt ihr noch einen Vortrag zur Fahrphysik hören oder sollen wir gleich loslegen?“ Die Gäste sind sich einig: „Loslegen!“


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Training unter Extrembedingungen: Die ohnehin nasse Fahrbahn ist zusätzlich bewässert.

 

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Optimale Sitzposition: Wenn der Fahrer die Beine beim Bremsen nicht komplett durchstrecken muss.

 

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40 Grad: Das weist die Querneigung in der linken Spur der Hochgeschwindigkeitsrundbahn auf.

 


 

 

„Achtet auf eure Hände! Viertel vor Drei!“

– Instruktor Gottfried Barth –

 

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Wenig später sitzen alle Trainer und die Teilnehmer in den Fahrzeugen. Die Testobjekte des Tages: Corsa, Mokka, Cascada, Astra, Corsa OPC und sogar das Flaggschiff Insignia. Die beiden Instruktoren betreuen zwölf Fahrer, ihre Kollegen Jürgen Sieg und Ali Kocak das andere Dutzend. „Um warm zu werden, fangen wir mit Slalomfahren an – folgt mir“, teilt Albrecht seiner Gruppe per Funkspruch mit. Wie an der Perlenkette aufgezogen schlängelt sich der Opel-Konvoi um die weißen Pylonen. Nach zwei Durchläufen schauen sich die Trainer das Geschehen von außen an. Das Tempo nimmt zu, erste Kegel fliegen durch die Luft. Albrecht und Barth stellen sie immer wieder auf, geben kurze Anweisungen.

 

DER THEORIE-PART LOHNT SICH
„Okay, das reicht erstmal. Steigt bitte aus.“ Nun kommt er also doch, der Theorieteil. Wie stelle ich die Sitzposition richtig ein? Wie halte ich das Lenkrad korrekt? Die Trainer arbeiten erstmal an den Grundlagen. „Am besten ist der Sitz eingestellt, wenn ihr die Beine beim Bremsen nicht komplett durchstrecken müsst und die Hände auf Viertel vor drei Uhr am Lenkrad sind. Aber das Wichtigste ist, dass ihr locker bleibt und nicht verkrampft“, erklärt Barth. Die Praktikanten wechseln die Fahrzeuge und versuchen die Anweisungen bei den folgenden Bremsübungen umzusetzen. Während das Sitzen nun schon besser klappt, fällt das korrekte Lenken immer noch schwer. „Achtet auf eure Hände! Viertel vor Drei!“, brummt das Walkie-Talkie zum wiederholten Male.


 

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Wie hält man das Lenkrad korrekt? „Viertel vor Drei“ lautet die Formel.

 


 

VOLLBREMSUNG MIT EINFACHEM SPURVERSATZ
Nach dem Mittagessen schalten die Instruktoren einen Gang hoch. „Jetzt machen wir eine Vollbremsung mit einfachem Spurversatz“, kündigt Albrecht an. Mit anderen Worten: Hart bremsen und einem Hindernis ausweichen. Mit einem blitzschnellen Rechts-Links- oder Links-Rechts-Manöver weichen die Testfahrer vier Pylonen aus. Nach drei, vier Durchläufen klappt das schon ganz gut. Die größte Herausforderung kommt aber erst noch. „Ich sage euch erst am Bremspunkt wohin ihr ausweichen sollt. Wenn ich ‚rechts‘ sage, weicht ihr nach links aus und andersrum.“ Nun ist höchste Konzentration angesagt.

Bevor die Kolonne endlich auf die Rundbahn darf, steht der doppelte Spurversatz auf dem Plan – landläufig besser bekannt als „Elch-Test“. Albrecht erklärt: „Der Test soll eigentlich das Fahrwerk ans Limit bringen. Er ist aber auch ein idealer Check für verschiedene Geschwindigkeiten und Fahrzeuge.“ Nach dem kurzen Ausflug in die Theorie geht es zurück in die Autos. 50, 60, 70 km/h – wie auch bei den vorherigen Übungen tasten sich die Testpiloten langsam an ihre Grenzen heran – und an die ihrer Fahrzeuge.

TEMPO 200 HAT ES IN SICH
Endlich! Jetzt, da die Reifen warm sind, geht es auf die 4,8 Kilometer lange Rundbahn. „Bleibt alle schön dicht beisammen, damit der Funk nicht abreißt“, warnt Albrecht, der dabei das Tempo vorgibt. Barth fährt dem Konvoi diesmal in einem Zafira hinterher. Bei Tempo 140 wechselt Albrecht von der rechten auf die mittlere Spur. „Dranbleiben!“, instruiert er, und drückt noch mehr aufs Gas. Die Bäume rechts und links von der Bahn fliegen nun an den Autos vorbei. Oder andersrum? „Wir blinken nach links und gehen jetzt nach oben!“ Mit Tempo 200 zischt die Opel-Formation über die Piste. Der Höhepunkt des Testtages ist erreicht!

Die nächste Gelegenheit zum großen Dudenhofen-Check bekommen die Opel-Praktikanten am 28. April – und auch dann sind bestimmt wieder volle 40 Grad drin. Interessierte Praktikanten können sich über das Opel-interne Learning Management System anmelden. Für Jedermann sind die Fahrtrainings hier buchbar.

 

Text und Fotos: Maximilian Köhling