„Eine halbe Milliarde Euro ins Stammwerk investiert“

„Der neue Insignia ist der schönste Opel seit Jahrzehnten.“

 


500 Millionen Euro

hat Opel in die Produktion des neuen Insignia investiert


 

 

Opel Post: Dr. Neumann, heute ist der Startschuss zur Produktion unseres Flaggschiffes Insignia erfolgt. Was bedeutet das für Sie?
Karl-Thomas Neumann:
Das ist ein besonderer Tag für Opel, Vauxhall und Rüsselsheim! Wir haben lange auf diesen Tag hingefiebert. Endlich ist unser neues Flaggschiff da. Allein um die Produktion des neuen Insignia vorzubereiten, haben wir mehr als 500 Millionen Euro investiert.

Wie wichtig ist der Insignia für das Unternehmen?
Er gehört seit Jahren zu den am meisten verkauften Opel-Modellen – direkt nach den Bestsellern Astra, Corsa und Mokka X. Unser neues Flaggschiff ist ein zentrales Element unserer Produktoffensive, die mit sieben neuen Modellen allein in diesem Jahr einen neuen Höhepunkt erreichen wird. Ich bin mir sicher, dass die Neuauflage des Insignia die Erfolgsgeschichte ihres Vorgängers fortschreiben wird. Die erste Generation – Europas „Auto des Jahres 2009“ – hat sich europaweit insgesamt 940.000 Mal verkauft.

In aller Kürze: Was sind die Highlights des Autos?
Der neue Insignia basiert auf einer komplett neuen Architektur, ist daher bis zu 200 Kilogramm leichter, flacher und bietet dennoch mehr Platz im Innenraum. Das Auto sieht nicht nur super sportlich aus, sondern ist auch sehr dynamisch. Technische Highlights sind unter anderem der neue, intelligente Allradantrieb und die zweite Generation unseres adaptiven LED-Matrix-Lichts. Ich finde, es ist der schönste Opel seit vielen Jahrzehnten.

Ein neues Auto an den Start zu bringen ist sicherlich kein leichtes Unterfangen für das Werk hier in Rüsselsheim?
Absolut. Daher auch auf diesem Wege nochmal ein großes Dankeschön an alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in unserem Stammwerk. Sie haben in dieser anstrengenden Zeit hervorragende Arbeit geleistet und die hochkomplexe Anlaufphase vorbildlich gemeistert. Ich bin stolz auf das neue Opel-Flaggschiff und die Leistung der Rüsselsheimer Mannschaft. Und auch unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind stolz auf den neuen Insignia – das hat man heute bei der internen Feier zum offiziellen Beginn der Serienproduktion klar gespürt.

 

„Die Kollegen im Stammwerk
haben hervorragende Arbeit geleistet.“

 

Dr. Neumann, die letzten Wochen waren sehr bewegt. Zuerst die Bilanzvorlage für das Jahr 2016, dann die Nachricht vom geplanten Opel-Verkauf an die PSA Group. Wie haben Sie die vergangenen vier Wochen wahrgenommen?
Opel befindet sich mitten im größten Wandel der Firmengeschichte. Der Tag der Vertragsunterzeichnung mit PSA – Montag, der 6. März 2017 – ist ein historischer Tag für Opel und Vauxhall. Und es war ein sehr emotionaler Tag für uns alle. Denn nachdem wir 88 Jahre lang ein Teil von General Motors waren – und noch sind –, wurde an diesem Tag nicht weniger als der Eintritt in eine neue Ära beschlossen. Es beeindruckt mich, wie die Opelaner nach vorne schauen und die Chancen in den Vordergrund rücken. Für mich persönlich ist es in dieser Phase wichtig, vor den Mitarbeitern zu stehen und Führung zu zeigen.


Im Interview: Opel-Chef Karl-Thomas Neumann im Gespräch mit der Opel Post.


Sie sprachen die Chancen an, die sich durch ein Zusammengehen mit PSA ergeben würden. Können Sie darauf noch einmal etwas genauer eingehen?
Sollte die Transaktion wie geplant umgesetzt werden, würden wir einen europäischen Champion mit einem Marktanteil von fast 17 Prozent schmieden. Das würde Rang zwei in Europa bedeuten. Alle Beteiligten könnten über Skaleneffekte von der neuen Größe profitieren, aber auch von einer gemeinsamen Fahrzeugentwicklung und der Stärke zweier Unternehmen mit hoch motivierten und hoch qualifizierten Mitarbeitern. Damit wären wir als kombiniertes Unternehmen bestens aufgestellt, um in diesem sehr dynamischen und herausfordernden Automobilmarkt erfolgreich zu sein.

Opel arbeitet bereits seit Jahren mit PSA zusammen. Wie sind die Erfahrungen?
Wir wissen, was wir aneinander haben. Bereits seit 2012 zeigen Opel und PSA, dass wir erfolgreich zusammenarbeiten können – partnerschaftlich, harmonisch und auf Augenhöhe. Daraus entstehen nach aktuellem Stand drei hervorragende Produkte ganz nach europäischem Gusto, die ab Frühsommer dieses Jahres sukzessive auf den Markt kommen: der neue Crossland X, der Grandland X und der Nachfolger unseres kleinen Lieferwagens Combo. Diese Modelle zeigen, dass aus dieser Teamarbeit fantastische Autos entstehen – von denen jedes die jeweiligen Marken-Charakteristika weiterträgt. Ich verspreche Ihnen: Jedes Auto aus der Zusammenarbeit ist ein echter Opel. Das ist ein sehr gutes Zeichen für die gemeinsame Zukunft. PSA ist der beste neue Partner, den wir uns vorstellen können. Gemeinsam werden wir alles tun, um stärker, innovativer und erfolgreicher zu werden.

Glauben Sie, dass die Opel-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Sorge um ihre Arbeitsplätze haben?
Ich verstehe natürlich, dass viele in einer solchen Phase verunsichert sind. Eines ist aber klar: PSA‑Chef Carlos Tavares hat mehrfach offiziell und sehr deutlich gesagt, dass die einschlägigen tarifvertraglichen Garantien eingehalten werden. Wir werden diese Zeit nutzen, um hart daran zu arbeiten, wirtschaftlich noch erfolgreicher zu werden. Wir können das. Wir waren auf Kurs, bis der Brexit kam….

 

„Jedes Auto aus der Zusammenarbeit
mit PSA ist ein echter Opel.“

 

Apropos Brexit….Es gibt Stimmen von Branchenbeobachtern, die behaupten, der Brexit sei nur eine Ausrede dafür, dass die Rückkehr in die Gewinnzone verpasst wurde?
Bleiben wir bei den Fakten: Wir haben im ersten Halbjahr 2016 einen Gewinn erwirtschaftet. Dann kamen das Brexit-Votum und als Folge davon der Einbruch des Pfund-Kurses. Das hat unser Ergebnis im zweiten Halbjahr mit mehr als 300 Millionen Dollar belastet. Für das Gesamtjahr stand schließlich ein Minus von 257 Millionen Dollar in den Büchern. Der Rest ist einfache Mathematik: Ohne Brexit hätten wir die Gewinnschelle wie geplant erreicht. Wir haben 2016 gezeigt, dass unser Kurs stimmt. Trotz widriger Umstände haben wir viel bewegt: Wir haben unser Jahresergebnis um rund 600 Millionen Dollar verbessert. Es war damit das Beste seit zehn Jahren.

Können Sie nochmal in einfachen Worten erklären, welche Auswirkungen der Brexit auf Opel hat?
Die Brexit-Entscheidung hat schwerwiegende Folgen für unser Geschäft. Hauptaspekt sind die Wechselkurse des britischen Pfundes gegenüber Euro und US-Dollar. Sie sind seit der Abstimmung im Juni vergangenen Jahres deutlich gesunken. Das Vereinigte Königreich ist unser größter Einzelmarkt. Die dort verkauften Fahrzeuge werden von den Kunden in Britischen Pfund bezahlt. Das bedeutet ­ umgerechnet in Euro und Dollar geringere Erlöse als vor dem Brexit. Wir produzieren zwar im Vereinigten Königreich in zwei Werken, was einen gewissen ‚natürlichen Schutz‘ vor Wechselkursschwankungen bedeutet. Allerdings kaufen wir die zur lokalen Produktion notwendigen Materialien überwiegend im Euro- und Dollar-Raum ein. Die Zulieferungen sind somit viel teurer geworden, was unser Ergebnis ebenfalls belastet.

 


Chefsache: Karl-Thomas Neumann zum Produktionsstart des Flaggschiffs.

 

„Seit 2012 zeigen Opel und PSA, dass wir erfolgreich zusammenarbeiten können.“


 

Mit

17 Prozent

Marktanteil würde durch das Zusammengehen ein europäischer Champion geschmiedet



„Opel ist und
bleibt deutsch!“

 


29

neue Modelle bringt Opel
bis 2020 auf den Markt, sieben davon in diesem Jahr


 

Feierliche Veranstaltung: Opel Group CEO Dr. Karl-Thomas Neumann dankt den Rüsselsheimer Mitarbeitern für den gelungenen Start der Serienproduktion.

Wann soll wieder ein Gewinn zu Buche stehen?
Wir stehen jetzt vor der Aufgabe, einen neuen Plan unter den Vorzeichen des Zusammengehens mit PSA zu erstellen. Erst nach Closing werden wir diesen mit PSA vereinbaren und dann kommunizieren können.

Worauf gründet Ihre Zuversicht?
An erster Stelle steht da unsere große Modelloffensive. Wir werden allein in diesem Jahr sieben neue Modelle auf den Markt bringen, darunter wichtige Volumenbringer wie den Insignia – als Grand Sport, Sports Tourer und Country Tourer – sowie die beiden Crossover-Modelle Crossland X und Grandland X, die in den wichtigsten Wachstumssegmenten an den Start gehen. Eine besondere Rolle spielt auch unser Elektroauto Ampera-e. Mit 520 Kilometern Reichweite – gemessen nach Neuem Europäischen Fahrzyklus – bringen wir ein voll alltagstaugliches E-Auto auf die Straße, während einige Wettbewerber noch lange nicht soweit sind. Diesen Vorsprung müssen wir ausnutzen.

Apropos Ampera-e: Wie sehen Sie die Zukunft der Elektromobilität?
Ich bin mir sicher: Der Antriebsstrang der Zukunft wird elektrisch sein. Die E-Mobilität ist ein Megatrend, der dafür sorgen wird, dass sich die Branche in den kommenden Jahren so stark verändern wird wie nie zuvor. Mit dem Ampera-e haben wir das derzeit attraktivste Elektro-Auto im Angebot. Das Fahrzeug wird Kunden überzeugen, die bisher noch nicht ernsthaft über den Kauf eines Stromers nachgedacht haben. Denn Reichweitenangst und Ladesorgen sind mit dem Ampera-e passé. Das Interesse an dem Fahrzeug ist riesig. Mehrere tausend Kunden haben sich bereits registriert und wollen unbedingt einen Ampera-e kaufen. Keine Frage, der Wagen wird ein großer Erfolg.

 

„Der Antriebsstrang der
Zukunft wird elektrisch sein.“

 

Darf Opel den Ampera-e denn weiter verkaufen, auch wenn der Zusammenschluss mit PSA zu Stande kommen sollte? Und was ist mit den anderen Produktplänen?
Ja, wir könnten auch dann weiter auf die E-Mobilitäts-Technologie von GM zurückgreifen. Generell würde sich nichts an unseren Produktplänen ändern: Wir bringen 29 neue Modelle bis 2020, allein sieben davon in diesem Jahr. Auch wenn es wie geplant zum Zusammenschluss mit PSA kommt, wird die Marke Opel diese Offensive ohne Unterbrechung umsetzen. Denn unsere neuen Modelle sind die Basis für den Aufwärtstrends der vergangenen Jahre bei Opel.

Passen die Marken von PSA und Opel denn zueinander?
Ohne Zweifel! Deutsche und französische Marken unterscheiden sich seit jeher. Nach dem Closing des Vertrags bekommt PSA mit Opel eine deutsche Traditionsmarke ins Portfolio, die sich sehr stark von Peugeot, Citroen und DS differenziert. Opel ist und bleibt deutsch! Vauxhall ist und bleibt britisch. Es gibt fast keine Käuferwanderung zwischen den Marken. Kunden, die französische Autos fahren, sind selten Kunden, die deutsche Marken wie Opel fahren – und umgekehrt. Und auch geografisch passen die Marken gut zusammen: Während Opel in Ländern wie Deutschland und Großbritannien stark ist, hat PSA zum Beispiel auf dem Heimatmarkt Frankreich seine Stärken.

Eine letzte Frage: PSA-Chef Carlos Tavares hat sich als Opel-Fan „geoutet“, ist früher selbst einen Manta gefahren. Wie läuft es zwischen Ihnen beiden?
Carlos Tavares weiß, was er will. Er ist gerade heraus und hat einen hohen Anspruch – das gefällt mir sehr. Und er hat eine klare Vision für das Unternehmen. Auch, dass er Opel und die Geschichte des Unternehmens kennt und schätzt, spricht für ihn. Ich glaube, wir haben gegenseitig einen hohen Respekt füreinander. Deshalb sehe ich da eine gute Grundlage für die weitere Zusammenarbeit.

Stand März 2017

Das Interview mit Dr. Karl-Thomas Neumann führte Opel Post-Chefredakteur Roland Korioth.