Und ewig lockt
der Ascona

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„Genie auf Rädern.”

– Niki Lauda –

Als zweimaliger Rallye-Weltmeister und vierfacher Gewinner der Rallye Monte Carlo ist Walter Röhrl ohne Zweifel einer der besten Fahrer in der Geschichte des Motorsports. In Italien wurde er zum „Rallyefahrer des Jahrhunderts“ gekürt. Eine Jury aus 100 Motorsportexperten aus aller Welt verlieh ihm den Titel „Bester Rallyefahrer aller Zeiten“. Kollegen in Frankreich wählten ihn zum „Fahrer des Millenniums“. Sogar der dreifache Grand-Prix-Weltmeister Niki Lauda nannte ihn ein „Genie auf Rädern“. Doch nicht nur Röhrls Geschicklichkeit hinterm Steuer hat ihn zu einer Legende gemacht.

Röhrl gewann seinen ersten Titel, Rallye-Europameister, 1974 in einem Werks-Opel Ascona A. Im folgenden Jahr errang er den ersten Sieg in einer Rallye-Weltmeisterschaft für sich und Opel – in der mörderischen Rallye Griechenland –, bevor er sich südlich der Alpen Fiat anschloss und 1980 erstmals die Rallye-Weltmeisterschaft gewann. 1982 kehrte er zu Opel zurück und jagte der Audi-Fahrerin Michèle Mouton seinen zweiten Weltmeistertitel ab.


70939_Rallye Saison 1974, Röhrl & Berger bei der Tulpenrallye Kein anderes Auto zeigt sich in der Saison 1974 so ausgereift und solide wie der Opel Ascona A des Opel-Eurohändler-Teams

Röhrl und Berger bei der Tulpenrallye 1974: Kein anderes Auto zeigt sich in der Saison so ausgereift und solide wie der Opel Ascona A.

70945_Rallye Saison 1974Rallye-Europameister 1974 Jochen Berger (links) und Walter Röhrl (rechts)

Die Rallye-Europameister 1974: Walter Röhrl und Jochen Berger (links).


Neben seinem unglaublichen Tempo hob sich Röhrl auch durch seinen Perfektionismus von seinen Rivalen ab. Während sich andere Fahrer in den Serviceparks miteinander unterhielten oder rauchten, blieb er in seinem Auto sitzen und studierte die Hinweise im Gebetbuch für den nächsten Streckenabschnitt. Nach jeder Rallye analysierte er seinen Fahrstil auf Fehler, weil er nichts dem Zufall überlassen wollte. Außerdem übte er nachts bei Schnee im Bayrischen Wald das Linksbremsen – eine Schlüsseltechnik zum Lenken des Audi Quattro.

Durch Rudern und Skifahren (wenn er nicht im Motorsport gelandet wäre, hätte er vielleicht Karriere als Profi-Skifahrer gemacht) war Röhrl extrem fit – ein weiterer Vorteil gegenüber der Konkurrenz, der ihm half, sich über lange Strecken hinweg hervorragend zu konzentrieren.

 

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„Meine Motivation war, es zu zeigen, dass ich in jedem Auto gewinnen kann.”

– Walter Röhrl –

Doch auch Perfektionisten machen Fehler, und als er 1979 durch einen Unfall aus der Rallye Sanremo ausschied, war dies der dunkelste Tag für Röhrl. „Der einzige Unfall meiner Karriere, an dem ich selbst schuld war“, sagte er 2015 in einem Interview mit Spox.com. „Ich hatte im Regen einen Vorsprung von siebeneinhalb Minuten; so viel hatte ich noch nie. Doch anstatt mich aufs Gebetbuch zu konzentrieren, dachte ich über einen Getriebewechsel nach. Als ich die vier Kilometer zurück zum Servicepark lief, wollte ich mich einfach nur umbringen.“

Röhrl wollte schlichtweg beweisen, dass er der beste Rallyefahrer der Welt war. Die Rallye Monte Carlo zu gewinnen, war sein Lebensziel, und es gelang ihm vier Mal in vier verschiedenen Autos. In dem Buch „Opel Motorsport mit Tradition“ wird er zitiert: „Meine Motivation war, es zu zeigen, dass ich in jedem Auto gewinnen kann.“ Weder Geld noch der Weltmeistertitel, den er zwei Mal – 1980 und 1982 – gewann, waren so wichtig.


71026_Rallye Weltmeisterschaft 1982 Die Bandama an der Elfenbeinküste bringt die Entscheidung und Opel die Weltmeisterschaft 1982. Walter Röhrl und Christian Geistdörfer auf Opel Ascona B

1982, die Rallye-Weltmeisterschaft wird in der Elfenbeinküste entschieden: Walter Röhrl und sein Beifahrer Christian Geistdörfer auf Ascona B geben Gas.


 

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„Eine sehr spezielle Kombination aus überragendem Talent, hartnäckiger Entschlossenheit und brutaler Ehrlichkeit.”

Motor Sport, 2002 –

Röhrl ist bekannt dafür, dass er kein Blatt vor den Mund nimmt. „All diese Titel wie ,Bester Fahrer aller Zeiten‘, ,Fahrer des Jahrtausends‘ – dieser Schwachsinn bedeutet mir nichts“, sagt er. Er beschreibt sich selbst als „undiplomatisch, geradeaus und stur“. 1982 zum Beispiel, im Kampf um den Weltmeistertitel gegen die Audi-Fahrerin Michèle Mouton (den er schließlich im Werks-Opel Ascona 400 holte), sagte er: „Es wäre eine Katastrophe, von einer Frau geschlagen zu werden.“ Obwohl sich seine Begeisterung für PR während seiner aktiven Karriere in Grenzen hielt, ist Röhrl heute berühmt für seine Aufgeschlossenheit gegenüber Fans, selbst wenn sie unangekündigt vor seinem Haus in Bayern auftauchen.

Als Renn- und Rallyefahrer wird Walter Röhrl von Fans auf der ganzen Welt bewundert. Als leidenschaftlicher Sportler genießt er die höchste Anerkennung seiner Kollegen. Als Berühmtheit in der Welt des Motorsports gehört er zu jener seltensten Spezies – ein normaler Mensch, der keine Angst hat, seine Meinung zu äußern. John Davenport, der ehemalige Rallye-Beifahrer und Motorsport-Chef von British Leyland und einer seiner Zeitgenossen, hat die wirkungsvolle Mischung von Röhrl 2002 im britischen Magazin „Motor Sport“ vielleicht am treffendsten beschrieben: „Eine sehr spezielle Kombination aus überragendem Talent, hartnäckiger Entschlossenheit und brutaler Ehrlichkeit.“

Seit er sich (mit Ausnahme einiger historischer Rennen) aus dem aktiven Wettkampf zurückgezogen hat ist Röhrl als Markenbotschafter und Testfahrer für Porsche tätig. Seinen 70. Geburtstag möchte er genauso wie die letzten zehn verbringen – beim Skiwandern in Österreich.

Walter Röhrl plant, in Zukunft längere Fahrten durch Europa mit einigen Oldtimern aus seiner Sammlung zu unternehmen, zum Beispiel nach Schottland oder Italien. Außerdem möchte er weiterhin an ausgewählten historischen Rallyes teilnehmen. „Ich kenne einen Franzosen, der einen gut restaurierten Opel Ascona 400 besitzt und mich immer wieder dazu einlädt, ihn zu fahren. Ich sollte das Angebot endlich annehmen“, räumt er nachdenklich ein. „Der Ascona wäre ein wirklich gutes Auto für die ,Histo-Monte‘.“

 

Stand März 2017

Text: Andrew Marshall, Fotos: Opel Media Archiv, Florian Krummrich (3)