Fliegen und liegen:
Opel in allen Lagen


Der Opel Rekord L:
L wie liegen


Den Abend moderiert die Mainzer Fastnachtslegende Rolf Braun, das Opel-Werksorchester spielt zur Ouvertüre in Streich- und zum Ausklang in Blasbesetzung, der Top-Act ist ein „bekannter Schlagerstar“ namens Greetje Kauffeld: Die Opel Post-Ausgabe vom März/April 1968 zu durchstöbern, ist eine vergnügliche Geschichtsstunde. Das zeigt schon die Ankündigung der Jubilarfeier. Auch das Titelbild führt zurück in die 60er-Jahre: Eine junge Dame in weißem Après-Ski-Look demonstriert die Vorteile der innovativen Liegesitze im Rekord L. Zeitgeist lässt sich auch auf der Witzeseite entdecken: Zwei Cartoons thematisieren die damals noch neue „bargeldlose Lohnzahlung.“ Und das sind längst nicht die einzigen nostalgischen Fundsachen, die diese Ausgabe bietet. Falls es Ihnen entfallen ist: Greetje Kauffelds erster großer Hit hieß „Nur eine schlechte Kopie“ und stammt aus dem Jahr 1961.


 Als das Reißbrett noch    
modernes Lehrmittel war


1968: 1.200 Lehrlinge werden aktuell an den verschiedenen Opel-Standorten ausgebildet. Ein guter Anlass, dem Unternehmensnachwuchs eine große Geschichte zu widmen. Für das Aufmacherfoto lässt der Fotograf einen jungen Schweißer ordentlich die Funken sprühen. Es ist aufschlussreich, in Wort und Bild zu erfahren, wie sich manche Dinge in den vergangenen 50 Jahren sehr, andere weniger verändert haben. „Die meisten Einstellungsgesuche kommen aus dem Kreis der Werksangehörigen, die für ihre Kinder bei Opel eine gute Lehrstelle suchen“, heißt es in dem Bericht von 1968. Daran hat sich nichts geändert. Spannend auch, was seinerzeit „modernes Lehrmittel“ war: „Schulfunk und Fernsehen, Projektionsapparate, Wandkarten, Schaukästen, Reißbretter, Zeichenmaschinen und für die Schreibmaschinenausbildung neue elektrische Maschinen.


 Der neue Commodore
Medienstar mit Mumm im Motor


Preiswert, aber Luxus. Die Fachjournalisten feiern gerade den neuen Opel Commodore, und da ist es wohl absolut legitim, dass das positive Medienecho in der Opel Post nachhallt. „So viel Bequemlichkeit, so viel Mumm im Motor, einen so großen Fahrkomfort aus bestens abgestimmter Federung, leisem, elastischem Motor, aus Lenkung und Handlichkeit bekommt man schwerlich für unter 10.000 Mark.“ Interessant auch zu erfahren, dass sich Entwicklung und Produktion damals schon aufs „Carry over“ verstanden:

„Viele Teile stammen von anderen Modellen, das sportliche Lenkrad etwa vom Rallye-Kadett, und doch ist er alles andere als ein zusammengebauter Wagen.“ Zu Verbrauchswerten freilich haben die Kollegen vor 50 Jahren noch eine andere Einstellung: „Der Durchschnittsverbrauch an Superbenzin kam auf 13,265 Liter je 100 Kilometer. Das ist für einen luxuriösen, eleganten Wagen keineswegs zu viel.“ Die Zeiten werden sich ändern.


Damit nichts ins Auge geht
  diese Schutzbrillen lügen nicht


Schon damals ließ es sich nicht oft genug sagen. Schutzbrillen sind wichtig, sie können Augenlicht retten. Die Opel Post veranschaulicht dies anhand einer aktuellen Unfallmeldung aus dem Rohkarosseriewerk. Doch einmal mehr zeigt sich, dass manchmal ein Bild mehr als 1.000 Worte sagt. Der kleine Berg an zersplitterten Schutzbrillen, der in der Ausgabe gezeigt wird, spricht eindrucksvoll für sich.


Rekord fliegt über Kadett
Und in 100 Städten wird gejubelt


„Die sensationellste Autoschau der Welt“ tourt durch Deutschland – und die Opel Post ist Feuer und Flamme. Denn die „Canadian Hell Drivers“ inszenieren ihr automobiles Höllenspektakel in insgesamt 100 Städten ausschließlich mit Opel-Fahrzeugen. In der Ausgabe ist ein Rekord gerade dabei, einen Kadett zu überspringen. Sieht man im normalen Straßenverkehr in der Tat eher selten. Und um ihre Leser wieder in die nüchterne Realität zurückzuholen, druckt die Redaktion direkt neben dem spektakulären Bild einige aktuelle Gerichtsentscheidungen zu Verkehrsangelegenheiten.



Stand März 2018

Text: Eric Scherer