Die Fitmacher

Der Frühling ist da. Das freut Günther Bergs nicht nur, weil es dem erfahrenen Lauftherapeuten mehr Spaß macht, seinen Beruf im blühenden Pfälzer Wald auszuüben. In Kürze beginnt auch sein neuer Anfängerkurs mit Mitarbeitern des Opel-Produktionsortes Kaiserslautern. Im Oktober 2014 startete er das erste Lauftraining – mit 80 Teilnehmern, die alle dabei geblieben sind. Bergs ist begeistert: „In vergleichbar großen Unternehmen, in denen ich ebenfalls Lauftherapie anbiete, kamen zu Beginn gerade mal acht.“ Kein Wunder, dass er nun gespannt ist, wie viele Opelaner zum nächsten Einsteigertermin die Laufschuhe schnüren.

 

Opel investiert in die Gesundheit der Mitarbeiter im Werk Kaiserslautern

Werksarzt Dr. Robert Grabinger leitet den Steuerkreis Gesundheit.

 

Bergs lobt jedoch nicht nur die Begeisterungsfähigkeit der Opel-Pfälzer, sondern auch die Unterstützung, die ihm von Geschäftsleitung und Betriebsrat zuteil wurde. „In anderen Unternehmen muss ich vor dem Werkstor Flyer verteilen, um auf mein Angebot aufmerksam machen. Hier haben meine Ansprechpartner selbst die Infos schnell und unbürokratisch in die richtigen Kanäle geleitet.“

Im Betrieb fit und gesund Bleiben
Das kam nicht von ungefähr. Bergs’ Ansprechpartner sitzen alle in einem Gremium: dem Steuerkreis Gesundheit, der die Lauftherapie für Mitarbeiter initiierte. Ins Leben gerufen wurde der Steuerkreis Gesundheit im Juli 2014 durch die Werksleitung und den Betriebsrat. Dr. Robert Grabinger, der Leiter des Werksärztlichen Dienstes in Kaiserslautern, leitet den Steuerkreis.

Seither treffen sich Ludwig Mersmann, Leiter Personal- und Sozialwesen, Joachim Langer, Manager Personal, Lothar Sorger, Betriebsratsvorsitzender, Holger Schunk, Leiter des Mitarbeiter-Entwicklungszentrums, Oliver Huber, Leiter Arbeitssicherheit, Betriebsratsmitglied Siegfried Velten, der Ergonomiebauftragte Markus Benkel und der Schwerbehindertenvertrauensmann Michael Theisinger einmal im Quartal, um gemeinsam mit dem Werksarzt Ideen auf den Weg zu bringen, die den Mitarbeitern helfen, fit und gesund zu bleiben. Auch Sozialberater Uwe Haake nimmt bei Bedarf an Treffen des Steuerkreises teil.

 

Opel investiert in die Gesundheit der Mitarbeiter im Werk Kaiserslautern

Siegfried Velten ist als Vertreter des Betriebsrats dabei.

 

„Die demografische Entwicklung macht auch vor unseren Werkstoren nicht halt“, weiß Ludwig Mersmann. „Unsere Belegschaft wird immer älter. Da braucht es Eigeninitiative, aber auch frische Ideen, um so lange wie möglich die Arbeitskraft zu erhalten.“ Die Ausschüsse, die beispielsweise Arbeitsplätze ergonomisch bewerten oder neue Einsatzmöglichkeiten für behinderte und leistungsgeminderte Kollegen identifizieren, verrichten ihre Arbeit natürlich weiterhin. „Die sind eher für Einzelfälle zuständig“, erklärt Markus Benkel. „Der Steuerkreis dagegen arbeitet strategisch. Er betrachtet vom übergeordneten Standpunkt aus, was allgemein getan werden kann – und wie es sich umsetzen lässt.“ Da in dem Gremium alle für Gesundheit zuständigen Funktionsträger vereint sind, klappt die Umsetzung auf kurzen Wegen wesentlich besser als früher.

 

Appetitlich und gesund: das neue „Veggie“-Menü
Tabuthemen gibt es nicht. Gesundheit fängt bei der richtigen Ernährung an. Also hatte sich das Gremium die Zusammensetzung der Mahlzeiten in den Betriebsrestaurants angeschaut – und beim Caterer angeregt, den Anteil an Salat, Gemüse und Reis zu erhöhen. Auch ein schmackhaftes und preislich faires „Veggie“-Menü wird mittlerweile angeboten. „Der Caterer war durchaus offen für unsere Anregungen“, erzählt Dr. Robert Grabinger. „Und keine Angst: Die Schnitzel sind durch unsere Intervention nicht kleiner geworden.“

Auch die insgesamt 22 Automaten zur Trinkwasseraufbereitung, an denen sich die Mitarbeiter im ganzen Werk seit einigen Monaten versorgen können, sind Teil der zahlreichen Gesundheits-Initiativen im Werk. „Es ist wichtig, über den Tag ausreichende Mengen an Flüssigkeit zu sich nehmen“, weiß Dr. Grabinger. „Aber es sollten nicht gerade Limo und andere zuckerhaltige Getränke sein.“

 

Opel investiert in die Gesundheit der Mitarbeiter im Werk Kaiserslautern

Holger Schunk leitet das Mitarbeiter-Entwicklungszentrum – und mischt ebenfalls im Steuerkreis Gesundheit mit.

 

Ebenfalls umgesetzt: Eine Schulung in Verhaltensergonomie, durchgeführt mit 40 Mitarbeitern, die quer durch alle Bereiche ausgewählt wurden. „Wir haben auch deren Muskelkraft gemessen, vor und nach den Trainings“, so der Werksarzt. „Und dabei festgestellt, dass diese sich nach nur zwölf Einheiten á 30 Minuten und der Bewältigung einiger Hausaufgaben deutlich verbesserte.“ Die Schulungen sollen nun mit anderen Gruppen fortgesetzt werden.

Auch die Bürostühle am Produktionsort sollen nach und nach gegen neue mit besserer Ergonomie ausgetauscht werden. Der Steuerkreis prüfte bereits mehrere Fabrikate, nahm zwei in die engere Auswahl – und lässt diese nun von Mitarbeitern austesten, ehe es zu einer endgültigen Entscheidung kommt. „Wir werden noch im Laufe dieses Jahres beginnen, einen Teil der Stühle auszutauschen“, berichtet Ludwig Mersmann. Als erstes sollen Mitarbeiter neue Stühle erhalten, die bereits unter Rückenproblemen leiden.

 

Im Fokus: Psychische Belastungen und Wiedereingliederung
Krank machen können nicht nur körperliche Belastungen, sondern auch seelische. Statistisch erwiesen ist, dass psychische Erkrankungen, beispielsweise durch Stress, im Berufsalltag zunehmen. Vor Kurzem wurde das Arbeitsschutzgesetz in diesem Punkt geändert: Psychische Belastungen sind nun feste Bestandteile der Gefährdungsbeurteilung eines Arbeitsplatzes.

Negativkräfte, die auf die Seele einwirken, lassen sich jedoch nicht so leicht messen wie die, die den Körper in Mitleidenschaft ziehen. „Wir arbeiten aber bereits an Ideen, wie wir uns einen Überblick über die Ist-Situation verschaffen können“, erklärt Betriebsrats- und Steuerkreismitglied Siegfried Velten. „Möglicherweise mit Hilfe eines Fragebogens, den wir an alle Mitarbeiter ausgeben.“ Anschließend würden die Ergebnisse ausgewertet und versucht, bei den identifizierten Problemen Abhilfe zu schaffen.

 

Opel investiert in die Gesundheit der Mitarbeiter im Werk Kaiserslautern

Markus Benkel bringt als Ergonomiebeauftragter etliche Jahre Erfahrung in Sachen Gesundheit am Arbeitsplatz ein.

 

Auch das betriebliche Eingliederungsmanagement steht derzeit im Fokus des Steuerkreises. Es geht darum, wie Mitarbeiter nach längerer Krankheit wieder in den Berufsalltag integriert werden. „Diesen Prozess schauen wir uns an, um uns zu überlegen, wie wir ihn verbessern können“, so Dr. Robert Grabinger.

Gesundheit ist ein weites Feld. Und trotz aller Aktivitäten des Steuerkreises – ohne die Bereitschaft des Einzelnen, mehr für sich zu tun, geht es nicht. Regelmäßig laufen ist beispielsweise ein guter Einstieg, um länger fit und gesund bleiben. Wer meint, das wäre nichts für ihn, sollte mit Günther Bergs sprechen. Der Lauftherapeut wird –  im Unterschied zu einem Lauf-„Trainer“ –  auch einen Blick auf die Bewegungsapparate seiner Neueinsteiger werfen und kann ihnen wertvolle Tipps geben, etwa zum idealen Laufschuh.

Die neuen Anfängerkurse der Lauftherapie für Mitarbeiter beginnen in der Woche vom 20. April.

Text: Eric Scherer; Fotos: Alexander Heimann

 

Stand April 2015

Vorsorge ist alles

Dehnen

Um den gesundheitlichen Ist-Zustand eines Arbeitsbereiches zu bewerten, gilt die Abwesenheitsquote als die wichtigste Kennzahl im Business Plan. Im Steuerkreis Gesundheit soll allerdings nicht nur die nackte Zahl betrachtet werden. „Der Mensch muss im Mittelpunkt stehen“, so alle Teilnehmer unisono.

„Die Quote berücksichtigt nicht den Mitarbeiter, der krank auf die Arbeit kommt“, erklärt Werksarzt Dr. Robert Grabinger. So löblich dessen Einstellung auch sein mag – „man darf nicht vergessen, dass auch er dem Unternehmen Kosten verursacht“. Ein kranker Mitarbeiter am Arbeitsplatz erhöhe beispielsweise Unfallrisiken und Fehlerquote, und auch die Ansteckungsgefahr sei nicht zu unterschätzen, man denke nur an die jüngste Grippewelle.

Trink!

Wer nachhaltig die Gesundheit am Arbeitsplatz verbessern will, könne dies nur über Verbesserung von Vorsorgemaßnahmen erreichen, so Dr. Grabinger weiter. Auch der aktuelle Jahresbericht der Betriebskrankenkasse (BKK) zeigt: Etwa ein Drittel aller Ausfalltage werden durch Krankheiten des Bewegungsapparates verursacht, also etwa durch Wirbelsäulenleiden, Gelenkerkrankungen wie Arthrose oder rheumatische Erkrankungen. Diese treten verstärkt mit zunehmendem Alter auf – angesichts der älter werdenden Belegschaften ist daher mit einer weiteren Zunahme dieser Krankheiten zu rechnen. Vorgebeugt werden kann ihnen mit ergonomisch optimierten Arbeitsplätzen, aber auch durch regelmäßige Gymnastik und Bewegung.

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