Ausbilden = Kommunizieren

 

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Nino Selmanovic (4. Lehrjahr) in der Elektrik beim Messen von Spannung am Motor.

 

Ulrike Glas, seit Mai 2015 Leiterin der Lehrwerkstätte von Opel Wien, ist überzeugt: „Kommunikation ist das Um und Auf von Zusammenarbeit.“ Wer sich die Abläufe der Lehrlingsausbildung bei Opel Wien erklären lässt, versteht bald, warum.

Ab dem zweiten Lehrjahr sind die Lehrlinge auf alle Instandhaltungsbereiche des Werks aufgeteilt. Zweimal jährlich besuchen sie für fünf bis sechs Wochen die Berufsschule und drei- bis viermal jährlich absolvieren sie technische Aufbauseminare in der Lehrwerkstätte. Insgesamt 70 Lehrlinge gibt es zurzeit (im April 2016, 1. bis 4. Lehrjahr). Koordination ist also angesagt.


Ausbilder Michael Berger (l.) erklärt Lukas Biebl den Umgang mit der Lehrlingsmappe.

Ausbilder Michael Berger (l.) erklärt Lukas Biebl den Umgang mit der Lehrlingsmappe.

 

 


Kommunikationsmaßnahmen
der Lehrwerkstätte


 

·    Lehrlingsmeetings für Instandhaltungskoordinatoren, Vertreter der Personalabteilung und der Lehrwerkstätte: alle zwei Wochen
·    Lehrlings-Informations-Treffen/LIT für Lehrlinge und Ausbilder: drei- bis viermal jährlich
·    Teambuilding-Workshops: mehrmals jährlich
·    GMS-Seminarwoche
·    Schautafeln zu den Themen Business Plan Deployment und Umwelt
·    Lehrwerkstätten-Weihnachtsfeier
·    Pate für jeden Lehrling
·    Lehrlingsmappen
·    Ausbildungsplan auf digitaler Werks-Plattform für alle Instandhaltungsbereiche einzusehen
·    SMS-Tool zum Versenden von SMS an alle Lehrlinge
·    Werbung: Lehrlingsfilm
·    Werbung: Besuche in der Lehrwerkstätte
·    Werbung: Besuche in Schulen
·    Werbung: Besuche von Berufsmessen wie „Wiener Industrie bei Siemens“, WAFF-Veranstaltung, „Wiener Wochen für Beruf und Ausbildung in der Seestadt“
·    Online-Recruiting-Tool

Face-to-Face
Die erste neue Kommunikationsmaßnahme, die Ulrike Glas in der Lehrwerkstätte einführte, war ein Treffen für alle  Lehrlinge und Ausbilder; LIT, also Lehrlings-Informations-Treffen, genannt. „Ende Mai 2015 haben wir das erstmals gemacht und ich habe mich damals vorgestellt. Jetzt wollen wir das drei- bis viermal jährlich machen; jeweils mit anlassbezogenen, aktuellen Themen. Arbeitssicherheit ist ein Standardthema. Wichtig ist, dass die Lehrlinge die Möglichkeit haben, Fragen zu stellen“, so Ulrike Glas.

Im November und Dezember ging die Lehrwerkstättenleiterin noch einen Schritt weiter: Sie lud die Lehrlinge des 1. und 2. Lehrjahrs zu zweitägigen Teambuilding-Workshops ein. „Ich wollte wissen, wie es den Lehrlingen mit der Ausbildung geht.“ Für Juni und Juli dieses Jahres sind bereits Folge-Workshops geplant.

Der nächste Streich: Der Pausenraum wurde neu gestaltet, das Foyer hell gestrichen und ein Monitor zum Abspielen des Lehrlingsfilms und aktueller Infos aufgehängt. Und kurz vor Weihnachten lud das Team der Lehrwerkstätte zu Punsch und Keksen ein. Lehrlinge, Jung-Facharbeiter, Instandhaltungs-Koos und -Meister und andere Gäste aus dem Werk folgten der Einladung. „Das Feedback war äußerst positiv“, freut sich Ulrike Glas.


Ausbilder Michael Berger (l.) unterweist Kevin Kopf/Borealis beim Drehen.

Ausbilder Michael Berger (l.) unterweist Kevin Kopf/Borealis beim Drehen.

 


Sven Halwachs beim Autogenschweißen.

Sven Halwachs beim Autogenschweißen.

Die ersten selbstgeschweißten Werkstücke wollen betrachtet sein (v.l.n.r.: Lukas Cejka, Sven Halwachs, Lukas Biebl, Jan Mitsche).

Die ersten selbstgeschweißten Werkstücke wollen betrachtet sein (v.l.n.r.: Lukas Cejka, Sven Halwachs, Lukas Biebl, Jan Mitsche).


 

Gute Organisation ist die halbe Miete
„Von meinen bisherigen beruflichen Erfahrungen her habe ich gute Kontakte zur Produktion“, erklärt die Lehrwerkstätten-Leiterin. Das nützt ihr bei den Lehrlingsmeetings, deren Leitung sie nun innehat. In diesen Meetings treffen alle zwei Wochen Vertreter der Personalabteilung und der Lehrwerkstätte mit den Instandhaltungs-Koordinatoren zusammen, um organisatorische Fragen der Lehrlingsausbildung abzustimmen. Jeder Lehrling hat ab dem 2. Lehrjahr einen Stammbereich.

„Das erste, was wir im Lehrlingsmeeting im Mai 2015 beschlossen haben, war die Einführung von Lehrlingsmappen“, berichtet Ulrike Glas. Jeder Lehrling erhält nun zum Start der Lehrzeit eine Lehrlingsmappe zum Sammeln aller wichtigen Unterlagen. Damit Zeugnisse und Bewertungen, Ansprechpartner-Verzeichnisse und andere Informationen gut geordnet aufgehoben werden können und jeder Meister beim Durchblättern der darin enthaltenen Unterlagen eine komplette Übersicht zum Werdegang des Auszubildenden erhält. Die schon bisher zu Lehrbeginn überreichte Willkommensmappe mit Informationen zu Wissenswertem und Administrativem bei Opel Wien, Ansprechpersonen, Sozialleistungen, Richtlinien u.s.f. wurde in die neue Lehrlingsmappe integriert.


Ulrike Glas im Kreise der Ausbilder (v.l.n.r.: Michael Berger, Günther Androsch, Reinhard Bagyura, Ulrike Glas, Paul Schneemayer, Erich Klein).

Ulrike Glas im Kreise der Ausbilder (v.l.n.r.: Michael Berger, Günther Androsch, Reinhard Bagyura, Ulrike Glas, Paul Schneemayer, Erich Klein).

Außerdem ist der Ausbildungsplan seit Ende 2015 in einem eigenen Ordner der digitalen Werks-Plattform  für die Instandhaltungsbereiche zugänglich. Schon im Mai wurde ein SMS-Tool eingeführt, das ermöglicht, dass vom PC aus an alle Mobiltelefone der Lehrlinge SMS geschickt werden. „Das vereinfacht das Vereinbaren von Terminen wesentlich“, sagt Ulrike Glas.

Um so wichtigen Themen wie GMS (Global Manufacturing System) gleich zu Beginn des ersten Lehrjahrs entsprechende Aufmerksamkeit zu widmen, wurde für Oktober eine eigene GMS-Seminarwoche geplant.

 


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Referat beim Lehrlingsmeeting – alle hören zu (v.l.n.r.: Ulrike Glas, Peter Leitner, Robert Schertler, Mario Kulovic, Robert Sturm, Michael Janos, Gerhard Schwarzl, Christa Zehentbauer, Helmut Mikulanec).

 


Wir wollen die besten Bewerbungen
Wer gute Lehrlinge will, muss sich um diese bemühen. Dazu gibt es seit Mai 2015 einen Film über die Lehrlingsausbildung bei Opel Wien. Er wird Besuchern der Lehrwerkstätte gezeigt und bei den zahlreichen Schul- und Veranstaltungsbesuchen des Ausbildungsteams vorgeführt.

Die bisher üblichen in Handschrift auszufüllenden Aufnahmetests wurden durch ein Online-Recruiting-Tool ersetzt – es wurde von einer deutschen Firma für den Opel-Standort Rüsselsheim entwickelt. Der Aufnahmetest ist nun in zwei Stufen online zu absolvieren; einmal von zu Hause aus, dann in der Lehrwerkstätte unter Aufsicht. Die Lehrwerkstätten-Leiterin freut sich: „Das Tolle daran ist, dass wir das Testergebnis jetzt auf Knopfdruck bekommen. Damit ersparen wir uns die händische Auswertung, die uns früher sehr viel Zeit gekostet hat. Und die BewerberInnen bekommen gleich im Anschluss an den Test oder spätestens am nächsten Tag das Ergebnis mitgeteilt.“

Der letzte Schritt bis zum Lehrvertrag ist ein Assessment Center. Ist auch dieses positiv absolviert, können sich die neuen Lehrlinge nicht nur auf eine hervorragende Ausbildung nach letzten technischen Standards freuen, sondern auch sicher sein, dass ihnen ab dem zweiten Lehrjahr ein „Pate“ – ein Mitarbeiter der Instandhaltung – zur Seite stehen wird. Diese Funktion wurde Anfang 2016 eingeführt.

Text: Kristin Engelhardt, Fotos: Helga Mayer