Der Blitz mit dem Haken

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Sich in einen Opel GT zu verlieben, ist leicht. In einen Kapitän oder Olympia – auch kein Problem. Aber in einen Opel Blitz Abschlepper, Baujahr 1959? Da muss man schon ein besonderes Faible für Opel-Klassiker haben. Der Opel-Mitarbeiter Michael Wahl hat dies – und obendrein Glück: Seine Frau toleriert seine Leidenschaft nicht nur, sie hat ihm sogar zugeredet, sich auf diese bisweilen recht intensive Beziehung einzulassen. Ein halbes Jahr ist er um das Objekt seiner Begierde herumgeschlichen. Der Opel-Oldie stand auf dem Gelände des Kfz-Meisterbetriebs Arnold Gasser in Rüsselsheim-Hassloch, schrie förmlich nach Zuwendung und Pflege, doch keiner schien ihn zu hören – außer Michael Wahl.

 


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Feuer und Flamme Die Dieselwarnlampen zur Verkehrssicherung im Dunkeln sind noch original Zubehör.


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Am Steuer Michael Wahl setzt auf echte Patina. Unter dem ausgeblichenen Lack steckt überholte Technik.

 


Blitz-vita

Von 1952 bis 1960 wurde der Weichblitz (1,75 Tonnen) im Werk Rüsselsheim gefertigt. Insgesamt 89.767 Fahrzeuge liefen vom Band. Den Weichblitz gab es mit den Radständen 3300 mm und 3750 mm, alle ausgestattet mit einem 2,5-Liter-Motor, ab 1959 mit einem 2,6 Liter-Motor.
Zugelassen wurde der Blitz Abschlepper am 1. Juli 1959.  Käufer war Bruno Hauf. Bis in die 80er-Jahre war der Blitz mit einer Bilstein-W365-Winde als Abschleppwagen rund um Rüsselsheim im Einsatz. 2009 wurde das Fahrzeug an den Kfz-Meister Arnold Gasser verkauft, der wiederum veräußerte den Abschlepper 2010 an Michael Wahl.
Renoviert hat Michael Wahl das Fahrzeug mit Unterstützung durch Reinhold Richter. Aus zwei Motoren bauten die Tüftler einen neuen, zu schweißen gab es lediglich eine Stelle im Radkasten. Michael Wahl entschied sich gegen eine neue Lackierung. Im September 2011 lief der Motor und nachdem die Bremsen überholt waren, hieß es am 3. Dezember 2011: Der Opel Blitz Abschlepper fährt.

„Schließlich bin ich, wenn ich unterwegs nach Hause war, sogar einen Umweg gefahren, nur, um noch einmal einen Blick auf den Blitz werfen zu können“, erzählt der Planungsingenieur von Manufacturing Engineering im Stammwerk.

 

 

„Irgendwann habe ich begonnen, Umwege zu fahren, um einen Blick auf den Blitz werfen zu können.“

 

 

Kluge Männer wissen: Das geht nicht lange gut. Eine ebenso kluge Ehefrau merkt so etwas früher oder später. „Irgendwann konnte sie nicht mehr länger zusehen und sagte sie zu mir: Jetzt frag halt endlich mal, ob da was geht.“ Gesagt, getan.

Und siehe da: Automaestro Gasser hegte durchaus auch noch  Gefühle für den Klassiker, kam aber einfach nicht dazu, sich ihm mit der Hingabe zu widmen, die er brauchte. Er selbst hatte den alten Blitz vor Jahren in einer alten Lagerhalle des Rüsselsheimer Abschleppdienstes Bruno Huf entdeckt. Er hatte dem Seniorchef über 30 Jahre lang treue Dienste bei der Pannenhilfe geleistet und auch der mochte sich nicht einfach von ihm trennen, als er ihn in Ruhestand schickte. Nach dem Tod des Seniors war Gasser dann mit dem Junior handelseinig geworden. Und jetzt gab er den Abschleppwagen an Michael Wahl weiter. Die Gewissheit, ihn in gute Hände zu geben, wird ihm die Entscheidung erleichtert haben.


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Von wegen Museumsstück Wenn es sein muss, leistet der Blitz durchaus noch Abschleppdienste – dank seiner noch immer funktionstüchtigen Bielstein-Winde.


Michael Wahl wiederum wollte nun keine halben Sachen machen. Um den Oldie angemessen zu restaurieren, brauchte er fachkundige Hilfe. Die fand er in dem Eddersheimer Kfz-Ausbildungsmeister Reinhold Richter – „ein begnadeter Schrauber“, so Wahl –, der gerade seinen Ruhestand angetreten hatte, sodass er sich mit vollem Elan in dieses neue Projekt stürzen konnte.

Der Ritterschlag:
Die TÜV-Urkunde

„Ein Jahr lang haben wir uns jeden Samstag getroffen, den Blitz komplett auseinandergenommen und nach und nach wiederaufgebaut“, berichtet der 60-Jährige. Motor, Bremsen, Vergaser – wirklich alles zerlegten die beiden in ihre Bestandteile. „Dazu hatten wir Glück, dass Bruno Hauf noch zu seinen Lebzeiten viele Ersatzteile beschafft hatte, die wir nun einbauen konnten“.

Töff-Töff-Tüftler Den 2,6-Liter-Motor (70 PS) zerlegten Michael Wahl und Reinhold Richter in seine Bestandteile – und setzten ihn wieder zusammen.

 


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Künstliche Patina? Das hat der Abschlepper auch im Innenraum nicht nötig.

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Zeitzeuge Das legendäre Opel-Logo mit den geflügelten Rädern.

Wasser auf Knopfdruck Designlösung für den Scheibenwischer.


Den Lohn – oder vielmehr den Ritterschlag – für ihre Mühen holten sich die fleißigen Opel-Restaurateure dann beim TÜV Oppenheim ab. Der bescheinigte dem Fahrzeug, dass es im Originalzustand wiederhergestellt worden und technisch zuverlässig ist. Und nun mit rotem Kfz-Kennzeichen durch den Straßenverkehr bewegt werden darf. „Ich fahr damit aber eigentlich nur zu Oldie-Treffen“, versichert Michael Wahl.

 

„So viel Patina wie meiner
hat keiner.“

 

Blitz-Modelle mit Abschleppwagen-Aufbau sind in Deutschland äußerst selten geworden – „sechs, maximal acht“, hat der Opel-Ingenieur bereits gesehen. Und natürlich: „Keiner ist so schön wie meiner. Die anderen sind alle überlackiert, glänzen wie frisch geriebene Speckschwarten, meiner aber hat sich seine ursprüngliche Patina bewahrt“. Und: „Eine original Bielstein-Winde mit zwei Kurbeln habe ich sonst auch noch nirgends gesehen.“

Allwetter-Anlage Dieser Blitz versprüht auf jeden Fall jede Menge Charme.


 

Unlängst steuerte Michael Wahl seinen Abschlepp-Blitz an seinen Geburtsort zurück. Am Standort Rüsselsheim, in den alten Werksbereichen, traf er sich mit Stephan Arnold, Diesel-Qualitätsmanager und begeisterter Fotograf, und mit Redakteuren von „Last & Kraft“ zu einem ausführlichen Fotoshooting für die Zeitschrift, die sich historischen Lkw verschrieben hat. Opel Classic unterstützte die Fotoarbeiten.

Stephan Arnold hat der Opel Post die schönen Aufnahmen zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür – auch im Namen unserer Leser.

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Lokalpatriot Michael Wahls Abschlepper wurde in Rüsselsheim gefertigt und hat hier als Abschleppwagen seinen Dienst versehen.

Stand April 2017

Text: Eric Scherer, Fotos: Stephan Arnold