Dem Hunsrück
seine Sprache pflegen

Die Deklinationsform des Genitivs braucht man im rheinland-pfälzischen Mittelgebirge zwischen Mosel und Rhein schlicht nicht. Dennoch haben die Menschen im Hunsrück zu einer kraftvollen Sprache gefunden, die sie seit Jahrhunderten pflegen. Das weiß niemand besser als der Kollege Bernd Bersch. Dem sein Wörterbuch „Hunsrück heißt Honsreck“ ist nämlich jetzt neu aufgelegt worden. Und beweist: Die Hunsrücker müssen sich für ihren Dialekt „net schenniere“.

Natürlich stammt Bernd Bersch – er ist bei Opel für Kostenbewertungen zuständig – selbst aus der Region, aus Sabershausen, beziehungsweise „Sawersch“, wie der 20 Kilometer von Simmern gelegene Ort in Hunsrückisch heißt. Sein Vater war Kfz-Meister, seine Großeltern Landwirte, und gerade in deren Umgangssprache fand er immer wieder Ausdrücke, die ihm wert schienen, sie der Nachwelt zu erhalten.

„Es wäre schade, wenn im Zeitalter der Globalisierung die Dialekte immer mehr verloren gingen“, erklärt der 49-Jährige. Sich aktiv für das Honsregger Platt einzusetzen, bedeutet aber auch, und zuallererst, es zu sprechen und weiterzugeben. Und das tun, so ist es zumindest das Empfinden des Autors, zunehmend wieder mehr Menschen. Bersch: „Dieses Buch soll einen Beitrag dazu leisten, den Erhalt und den Gebrauch des Honsregger Platt zu fördern.“

 

„Wörterbuch – Hunsrück heißt Honsreck“

Die zweite, überarbeitete und erweiterte Auflage des „Wörterbuch – Hunsrück heißt Honsreck“ ist jetzt erschienen. Bereits 2012 stieß die erste Auflage dieses Buches auf große Resonanz, es gab zahlreiche Rückmeldungen von Menschen aus der Region. Das hat Bernd Bersch und die Verlegerin dazu veranlasst, eine neue Fassung herauszugeben. Der zweiten Auflage ist ein Grußwort der Ministerpräsidentin des Landes Rheinland-Pfalz, Malu Dreyer, vorangestellt. Bernd Bersch: „Falls Sie das Buch kaufen möchten, unterstützen Sie Ihren Buchhändler vor Ort, indem Sie es dort kaufen oder bestellen. Aber natürlich ist das Wörterbuch auch über alle anderen Vertriebswege zu erwerben.“

 

„Es wäre schade, wenn im Zeitalter der Globalisierung die Dialekte immer mehr verloren gingen.“

– Bernd Bersch –

Zahlen statt Buchstaben: Beruflich beschäftigt sich der Wirtschaftsingenieur mit Kostenbewertungen im Engineering.


Schon vor Jahren begann Bernd Bersch, Wörter aus dem Hunsrückischen zu sammeln und zu ordnen. 2011 bot er sein Werk dem Kontrast-Verlag an, der die erste Auflage von „Hunsrück heißt Honsreck“ herausbrachte. „Wie bei jeder Mundart gibt es auch im Honsregger Platt keine verbindliche Schreibweise oder Aussprache. Beides kann von Ort zu Ort unterschiedlich sein und wurde bei einigen markanten Beispielen gekennzeichnet, um dies zu verdeutlichen“, so der Wirtschaftsingenieur.

Der Forschungsdrang des Opel-Ingenieurs war damit jedoch nicht gestillt. Er recherchierte weiter, untersuchte etwa, wohin Auswanderer den Dialekt exportiert haben. So stieß er auf Hunsrücker Enklaven in Rumänien, aber auch im südlichen Brasilien, wo das „Riograndenser Hunsrückisch“ sogar recht populär ist – „und dort vielleicht länger überlebt als in seiner eigentlichen Heimat.“ Mit diesen Erkenntnissen hat er nun seine Neuauflage ergänzt. Außerdem sind mehr als dreihundert „Vokabeln“ hinzugekommen. Ebenso wie ein Kochrezept. „Debbekooche“ etwa ist kein Kuchen für Deppen, sondern ein Topfkuchen aus Kartoffeln. Darüber hinaus präsentiert Bernd Bersch eine Kurzgeschichte aus seiner Feder, „Das Märchen vom Schneekugelerfinder“… muss natürlich heißen: „Dat Märche vom Schniekugelerfenner“.

 

 

Honsregger Platt – Hudeitsch
(Hunsrücker Dialekt – Hochdeutsch)

 

Wat fiehrst dau fiern Obel? – Welchen Opel fährst du?
Giest de henner mich – Frack (wörtlich: Gehst du hinter mich)
Brustlabbe – Jackettweste
Schauerepurt – Scheunentor
Aierputsch – Löwenzahn
Grinschele – Stachelbeeren
Flimmermeyssche – Motte
Sprauzelkierz – Wunderkerze
Waschlawur – Waschgarnitur
Kaffi – Kaffee
Steggelche – Kurzgeschichte
spille – spielen
metholle – mitnehmen

 

Stand April 2018