Alte Opel-Liebe rostet nicht

Armin Rauschenberger’s Urgroßvater neben seinem Kapitän (daneben der Vater von Armin Rauschenberger noch als Kind).

Armin Rauschenberger besitzt circa 15 Opel-Oldtimer; überwiegend Modelle mit Sechszylinder-Motoren. Seine Vorliebe kommt nicht von ungefähr: Als ihn – wenige Tage nach seiner Geburt – sein Vater mit seiner Mutter vom Krankenhaus abholte, geschah dies in einem Commodore B, Baujahr 1975. Den hatte sich der Vater eigens für diesen Moment vom Großvater ausgeborgt. Das Motorschnurren des Commodore hat Armin Rauschenberger heute noch im Ohr.

 

Kapitän und Olympia

Der Großvater wiederum hatte seine Opel-Liebe von seinem Vater – also Armin Rauschenberger’s Urgroßvater – mitbekommen: Der Volksschuldirektor in Bad Radkersburg in der Steiermark hatte sich gleich nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst einen Skoda Octavia gekauft. Zur Überbrückung sozusagen. Denn sein großer Traum war ein Opel Kapitän. Auf den sparte er hin. So lange, bis er ihn sich im Jahr 1956 schließlich leisten konnte.

Sein Sohn, Jahrgang 1933, investierte mit zwanzig Jahren nach Abschluss der Lehre seinen ersten Verdienst in die Führerscheinkosten und sparte danach emsig für das erste Auto. 1955 war es so weit: Armin Rauschenberger’s Großvater erwarb einen Olympia Baujahr 1938. Nicht zuletzt deshalb, weil dieses Auto verhältnismäßig günstig war. Freilich musste es erst mit umfangreichen Restaurierungsarbeiten fahrtüchtig gemacht werden. Und die 38-er-Optik änderte sich – vor allem vorne – auf die Optik der 50-er-Jahre.


Autofahren war Männersache

Der Urgroßvater starb früh. Sein Sohn übernahm den Kapitän. Die Urgroßmutter hatte keinen Führerschein.

Auch Armin Rauschenberger’s Großmutter verweigerte sich dem Autofahren: Ihr Mann brachte sie zwar dazu einen Führerschein abzulegen. Bei ihrer ersten selbständigen Ausfahrt begegnete sie jedoch auf einer Landstraße einem Mähdrescher. Das erschreckte sie so, dass sie das Autofahren fortan bleiben ließ.

 

Rekord und Commodore

Das nächste Auto, das der Großvater kaufte, war ein Rekord P2. Und danach kam ein Rekord C. „Den hat er schon neu gekauft“, erinnert sich Armin Rauschenberger. „Der Rekord C hatte 90 PS und Zusatzscheinwerfer.“

Schließlich folgte ein Commodore B, Baujahr 1975, in der Auto-Reihe des Großvaters. Und dann noch ein Commodore C, Baujahr 1981. Die Geschäfte schienen gut zu gehen – die Großeltern hatten sich mit einem Uhren- und Schmuckgeschäft in Bad Radkersburg selbständig gemacht.

Die Großeltern von Armin Rauschenberger in jungen Jahren mit ihrem Olympia.


Kapitän, Baujahr 1956, im Schnee.

 

Opel, der Zuverlässige

Während der Großvater zuletzt bei seinen persönlichen Autos Opel abtrünnig wurde, setzte er mit seinem Sohn (Armin Rauschenberger’s Vater) – der mittlerweile in das väterliche Unternehmen eingestiegen war – bei den Firmenautos die Tradition der Familie fort. Da leistete der Kadett C City mit 50 PS gute Dienste. „Er hatte eine große Heckklappe, da ließen sich die Fernsehgeräte – die zugestellt werden mussten – gut einladen“, berichtet Armin Rauschenberger. Der Elektrohandel aus der Familie der Großmutter war zum Uhren- und Schmuckgeschäft hinzugekommen.

Die Automatik, die der Großvater für die Großmutter in das Auto hineinreklamiert hatte, war vergebliche Liebesmüh: sie verweigerte sich ja dem Autofahren.


Weitere Firmenautos waren dann: ein Kadett E (von 1986 bis 1993, ein Astra F (1993 bis 1996 – er ging bei einem Unfall zu Bruch) und – 1996 – wieder ein Astra F. Mit dem durfte dann Armin Rauschenberger während seines Studiums fahren.

Auch in der Familie der Großmutter, deren Vater den Elektrohandel gründete, hatten Opel als Firmenautos Tradition: zuerst mit einem Olympia Rekord P1 Caravan.

 

Wunschtraum Commodore

Armin Rauschenberger’s „Auto-Karriere“ war am Anfang von einer Enttäuschung geprägt: Der Großvater hatte ihm versprochen ihm seinen Commodore C, Baujahr 1981, zu schenken, sobald er einen Führerschein hätte. Doch es gab eine Eintauschaktion von Opel. „Da wurde Opa schwach“, erzählt der Sechszylinder-Fan. „Er tauschte den Commodore gegen einen Corsa B ein. In Lila.“

Neben dem Rekord P2: Armin Rauschenberger’s Oma und sein Vater, als dieser noch ein Kind war.

 


Rekord P2 – im Hintergrund Straden in der Südsteiermark.

Autoweihe in Bad Radkersburg in den 60-er-Jahren.

„Da schwor ich mir: Sobald ich erstes eigenes Geld habe, kaufe ich mir einen Commodore C“, so Armin Rauschenberger. 2004 war es so weit. Worauf ein weiterer Tiefschlag folgte: „Gleich bei der ersten Fahrt ging die Zylinderkopfdichtung kaputt. Mit Freunden habe ich das Auto komplett zerlegt. Danach wurde es nichts mit dem Neuaufbau.“ Es folgte ein Admiral B, danach ein Monza A GSE.  „Ab dem dritten Auto kannte ich mich aus, worauf ich schauen muss. Die Autos sollten fahrbar sein.“

Ab und zu fährt Armin Rauschenberger mit seinen Alt-Opel-Fahrzeugen zur Arbeit. Bedauernd sagt er: „Ich habe ein Firmenauto von einer anderen Marke.“ Aber er spricht von einer weiteren Opel-Hoffnung, die er hegt: Sein Vater kaufte sich 2015 einen Ampera, den er seither täglich fährt. Sollte der ausrangiert werden, steht Armin Rauschenberger als Übernahmekandidat in Warteposition.

 

Der Olympia Rekord P1 Caravan wurde natürlich geweiht – Armin Rauschenbergers Urgroßvater (hinten r. im Bild) ist mit Andacht dabei.


Pfingstausfahrt im Jahr 1979 mit dem Commodore B (im Bild Oma und Opa von Armin Rauschenberger).


Opel-Modell-Geschichte


Kompaktklasse:
1935 – 1940 & 1947 – 1953: Olympia
1962 – 1965: Kadett A
1965 – 1973: Kadett B
1967 – 1970: Olympia A
1973 – 1979: Kadett C
1979 – 1984: Kadett D
1980 – 1982: Chevette
1984 – 1993: Kadett E
1991 – 2000: Astra F
1998 – 2005: Astra G (Polen: 2003 – 2009)
2004 – 2010: Astra H (in Osteuropa bis 2014)
2009 – 2018: Astra J
2012 – 2016: Ampera
ab 2013: Cascada
ab 2015: Astra K
ab 2016: Ampera-e
Kleintransporter:
1935 – 1975: Blitz
1969 – 1988: Bedford Blitz
1997 – 2000: Arena
1998 – 2010: Movano A
2001 – 2014: Vivaro A
seit 2010: Movano B
2014 – 2019: Vivaro B
ab 2019: Vivaro C
ab 2019: Zafira Life
Oberklasse:
1938 – 1940/1946 – 1948: Kapitän Baujahr 1939
1948: Kapitän Baujahr 1948
1950 – 1951: Kapitän Baujahr 1950
1951 – 1953: Kapitän Baujahr 1951
1953 – 1955: Kapitän Baujahr 1954
1955 – 1958: Kapitän Baujahr 1956/57
1958 – 1959: Kapitän P1
1959 – 1963: Kapitän P2
1964 – 1968: Kapitän A/Admiral A/Diplomat A
1969 – 1970: Kapitän B/Admiral B/Diplomat B
Mittelklasse:
1953 – 1957: Olympia Rekord
1957 – 1962: Olympia Rekord 1200/1700
1970 – 1973: Ascona A
1970 – 1975: Manta A
1975 – 1981: Ascona B
1975 – 1988: Manta B
1981 – 1988: Ascona C
1988 – 1995: Vectra A
1989 – 1997: Calibra
1995 – 2002: Vectra B
2002 – 2008: Vectra C
2003 – 2008: Signum
2008 – 2017: Insignia A
ab 2017: Insignia B
Obere Mittelklasse & Coupé:
1957 – 1962: Rekord P1/
Olympia Rekord P
1960 – 1963: Rekord P2
1963 – 1965: Rekord A
1965 – 1966: Rekord B
1966 – 1972: Rekord C
1967 – 1971: Commodore A
1971 – 1977: Rekord D
1972 – 1977: Commodore B
1977 – 1986: Rekord E
1978 – 1982: Commodore C/Senator A
1978 – 1986: Monza (Coupé)
1986 – 1993: Omega A
1987 – 1993: Senator B
1994 – 2003: Omega B
Sportwagen:
1968 – 1973: GT
2001 – 2005: Speedster
2007 – 2009: GT
Kleinwagen:
1982 – 1993: Corsa A
1993 – 2000: Corsa B
1994 – 2001: Tigra A
2000 – 2006: Corsa C
2004 – 2009: Tigra B
2006 – 2014: Corsa D
ab 2014: Corsa E
Kastenwagen:
1986 – 1993: Kadett Combo
1993 – 2001: Combo B
2001 – 2011: Combo C
2011 – 2018: Combo D
seit 2018: Combo E
SUV/Geländewagen:
1991 – 1998: Frontera A
1991 – 1997: Campo
1992 – 1999: Monterey
1998 – 2004: Frontera B
2006 – 2017: Antara
seit 2012: Mokka
seit 2016: Mokka X
seit 2017: Crossland X/Grandland X
Microvan/Minivan/Kompaktvan/Van:
1996 – 1999: Sintra
1999 – 2005: Zafira A
2000 – 2007: Agila A
2003 – 2009: Meriva A
2005 – 2014: Zafira B
2007 – 2014: Agila B
2010 – 2013: Meriva B
Kleinstwagen:
ab 2012: ADAM
ab 2015: KARL

April 2019

Text: Kristin Engelhardt, Fotocredit: Armin Rauschenberger