Jetzt kommt der Whiskey-Truck

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In der Autotüftler-Szene hat er längst einen Namen: Rüdiger Götz ist der Mann für die ganz besonderen Restaurierungen. Der Rüsselsheimer Service-Ingenieur aus dem Aftersales-Bereich ließ bereits einen Kapitän P, einen Diplomat B und einen Kadett B Caravan wieder neu erstrahlen. Nun hat sich der 47-Jährige einen Chevrolet Pick-up der Serie „3100 Half-Ton Pick-up“, Baujahr 1952, vorgeknüpft. Dabei hat Götz den Klassiker nicht nur technisch wieder in einen Top-Zustand gebracht, er hat ihm auch eine neue Identität verpasst – als „Dienstwagen“ für Schnapsbrenner.

 

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Ellenbogen raus: Rüdiger Götz fühlt sich in seinem Chevy Pick-up richtig wohl.

 

Über ein Jahr haben sich die Bastelarbeiten an dem stämmigen Oldie hingezogen. Rund 600 Arbeitsstunden, schätzt Götz, hat er investiert, nach Möglichkeit „familienfreundlich“: Meist, wenn er seine Söhneins Fußballtraining gefahren hatte und zwei Stunden Zeit bis zum Wieder-Abholen hatte, tüftelte er in seiner heimischen Garagenwerkstatt. Warum es dieses Mal ein Pick-up sein musste? „Ich fand die schon immer toll, und ich wollte einen mit Split Window, also mit geteilter Windschutzscheibe. Aus der GM-Welt kam dafür nur dieses Modell in Frage.“

 

Die Schrauberszene: eine globale Community

Die Umsetzung des Vorhabens hat aufgezeigt, wie gut vernetzt die Schrauberszene heutzutage ist, aber auch, welcher Segen das elektronische Zeitalter für sie darstellt. „Als ich meine ersten Autos zusammenbastelte“, berichtet Götz, „musste ich mich noch durch tonnenweise Fachzeitschriften wühlen und hing tagelang am Telefon.“ Dank Internet ist das Chevy-Projekt so gelaufen: Das Fahrzeug selbst fand Rüdiger Götz im Online-Aktionshaus Ebay, angeboten von einem Spezialunternehmen in Holland – „in einem Zustand, in dem ihn einige vermutlich als um Verschrottung bettelnden Rostklumpen identifiziert hätten“, so der Tüftler. Seinen Motorenlieferanten googelte Götz im rheinhessischen Malburg bei Gensingen; dort fand er einen 5,7 Liter V8 mit 230 PS. Auch Kardanwelle und Getriebe machte Götz in der Umgebung von Rüsselsheim ausfindig. Den Kühler bestellte er in den USA, er war nach zehn Tagen da.

Allerdings wurde Götz auch schnell klar: „Um dem Chevy wieder Leben einzuhauchen, werde ich mehr brauchen als nur Beharrlichkeit bei der Recherche im Netz.“ Die 50 Kilo schwere Vorderachse beispielsweise musste er ebenfalls in den Staaten ordern, die Transportkosten wären allerdings horrend ausgefallen. Also half ein Freund, der sich in den USA gerade ein Auto kaufte – er legte die Achse einfach in den Kofferraum ließ sie mit nach Deutschland überführen. Und ein Bekannter, der öfters Dienstreisen nach Nordamerika unternimmt, erklärte sich bereit, diverse Kleinteile zu importieren, etwa Gummis, Schrauben und Aufkleber.

 

Ran ans Werk: Mit Stahlbürste und E-Schweißer

Götz stand schließlich vor der Aufgabe, die Komponenten zum großen Ganzen zusammenzufügen. Er begann, indem er den Chevy erst einmal in seine Einzelteile zerlegte, um ihn dann komplett neu aufzubauen. Die alte Ladefläche wanderte direkt in die Feuerstelle – total vermodert, nicht mehr zu gebrauchen. Ebenso dieSitzpolster. Das Führerhaus hob Götz mit einem Flaschenzug vom Fahrzeugrest und stellte sie auf eine Euro-Palette mit Rollen, um sie in alle Richtungen drehen und bearbeiten zu können. Den Unterboden schrubbte er mit einer Stahlbürste, bis hinter kalifornischem Staub und Rost wieder Stahl aufblitzte.

 

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Wie eine Zeitreise: Der restaurierte Chevrolet Pick-up könnte in diesem Zustand auch im Mittleren Westen der USA der 1950-er Jahre stehen.

 

Auch in der Auswahl seines Werkzeugs liebt Götz es klassisch: So arbeitet er am liebsten mit einem 50 Jahre alten Elektroschweißgerät – „weil ich das Schweißen mit so einem Ding gelernt und mit den heutigen Gasbrennern nichts anfangen kann.“ Mit dem Ausbeulen des äußerst widerstandsfähigen Blechs hielt er sich zurück: „Der Wagen sollte seine Patina behalten.“ Modernisierungen hat er nur dort angesetzt, wo sie auch wirklich nötig waren: Aus Sicherheitsgründen verpasste Götz dem Pick-up unter anderem eine zeitgemäße Bremsanlage und eine neue Servolenkung. Und die fachmännische Montage der Sicherheitsgurte dokumentierte er eigens auf seiner Homepage (www.autoschmiede-goetz.de): „Damit andere Schrauber mal wissen, wie’s geht. Man findet im Netz nämlich keine richtige Anleitung dafür.“

 

Zum guten Schluss eine neue Vergangenheit

Zu gerne hätte Rüdiger Götz gewusst, in welcher Funktion sein Holland-Import eigentlich vor langer Zeit in den Staaten unterwegs gewesen war. Doch darüber war nichts in Erfahrung zu bringen. Darum erschuf er seiner Neuerwerbung einfach eine neue Identität. Im Fernsehen hatte er gerade eine Dokumentation über illegale Whiskey-Destillen im Land der unbegrenzten Möglichkeiten gesehen hatte, also kreierte er das Logo einer fiktiven Schnapsbrennerei: „Moonshine Whiskey“ prangt nun an den Flanken des Fahrzeugs. Zusätzlich versah Götz ein Eichenfass mit neuem Anstrich und Logo und installierte es auf der Ladefläche.

Bei der technischen Abnahme beim TÜV gab es letztlich nur eine Beanstandung der Prüfer: Die Scheibenwischanlage fehlte. Doch die war schnell nachgerüstet. Als Wischwassertank dient nun ein ehemaliges Bierfässchen mit Holzwandung – ebenfalls stilecht mit schwarzem Lack und Whiskey-Aufdruck. Den letzten optischen Schliff verpasste dem Schnapsbrenner-Vehikel Sven Stephan, Designingenieur bei Opel, der die Karosserie mit einigen himmelblauen und ockerfarbenen „Pin-Stripes“ verzierte. Rüdiger Götz über das Resultat: „Ein Traum geht in Erfüllung, der Pick-up bleibt für immer meiner.“

 

Stand Mai 2014

Fotos: Alexander Heimann, Text: Eric Scherer
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In Deutschland führen sie unter dem Namen „Pritschenwagen“ ein Nischendasein, in den Vereinigten Staaten gehören Pick-ups zum American Way of Life: Sogenannte „Light Trucks“ machen fast die Hälfte des US-amerikanischen Automobilmarktes aus. Und: „Viele, die mit einem aktuellen Modell unterwegs sind, haben noch ein betagtes daheim in der Garage stehen“, sagt Rüdiger Götz. Was für sein Restaurierungsprojekt ein Riesenvorteil war: „Ich wusste, es gibt kein Ersatzteil, dass ich mir nicht in Amerika beschaffen kann.“ Viele der über 60 Jahre alten Chevy Pickups aus der 3100-Serie sind dort sogar noch voll im Einsatz.

Die 3100-Serie produzierte General Motors ab 1947. Sie war eine der ersten, die das Unternehmen nach dem Zweiten Weltkrieg auf den Markt brachte. Auf dem Pick-up-Markt sollte sie neue Maßstäbe in puncto Stil, Komfort und Bequemlichkeit setzen. Gegenüber Vorgängern und Mitbewerbern verfügte der Chevy über ein geräumigeres Führerhaus. Die Kabinen-Konstruktion bezeichnete GM als „Unisteel Battleship“. Statt über zwei Sitze verfügte das vierrädrige Schlachtschiff über eine Sitzbank, die drei Personen Platz bot. Das Interieur war farbenfroher als jemals zuvor bei einem Chevrolet, die Türen schwangen weiter auf, und größere Fenster eröffneten eine bessere Rundumsicht. „Observation Car Vision“ nannte GM dies in seine Werbematerialien. Die 3100er Chevys waren die Raumwunder der frühen Fünfziger. Die „Half-Tons“, wie Rüdiger Götz einen besitzt, wurden bis 1953 gebaut. Darüber hinaus gab es noch zwei größere Versionen. Die 3100-Serie dominierte den Pick-up-Markt noch bis 1955.

 

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