Durchbruch mit 8 PS

Am 21. Januar 1899 übernahm Opel die Motorwagenfabrik des Hofschlossermeisters Friedrich Lutzmann aus Dessau. Damit begann bei Opel die Ära des Automobilbaus – als einer der ersten Hersteller weltweit. Die ersten beiden Modelle produzierten die Söhne des bereits 1895 verstorbenen Adam Opel zusammen mit Partnern aus der Motorwagen-Produktion. Der erste „Opel Patentmotorwagen System Lutzmann“, der die Rüsselsheimer Auto-Manufaktur 1899 verließ, basierte auf den von Lutzmann zuvor gebauten „Pfeil“- Modellen. Die Automobilentwickler überarbeiteten den Rahmen und die kettengesteuerte Lenkung, um dem Gefährt ein halbwegs stabiles Fahrverhalten zu verleihen. Am Design veränderten sie nichts: Das Auto sah nach wie vor aus wie eine Kutsche ohne Pferde. Der im Heck liegende 1,5 Liter-Einzylindermotor leistete 3,5 PS, fast 20 Stundenkilometer schnell war der offene Viersitzer damit. Innerhalb von drei Jahren entstanden 65 Fahrzeuge nach dem System Lutzmann.

 

Fosshag_D_03

 

Führend in der Automobilindustrie waren damals die Franzosen. Nach dem Pariser Autosalon 1901 trennten sich die Opel-Brüder von Lutzmann und schlossen einen Vertrag mit dem erfolgreichen Motorwagen-Produzenten Alexandre Darracq – eine der ersten „Joint-Venture“ der Automobilindustrie. Der Kooperationsvertrag regelte, dass Darracq-Fahrgestelle mit Opel-Karosserien ausgerüstet und die fertigen Fahrzeuge in Deutschland unter dem Namen Opel-Darracq angeboten wurden. Ihr Erkennungsmerkmal war die abgeschrägte Motorhaube mit einem darunterliegenden Schlangenkühler. Ein Jahr später schon endete die Ära der motorisierten Kutschen. Zeit für etwas Neues war gekommen.

Die erste Opel-Eigenkonstruktion entstand 1902 mit dem Modell 10/12 PS. Herzstück der Entwicklung war der erste bei Opel erdachte und gebaute Motor, ein Zweizylinder, der aus 1,9 Liter Hubraum zwölf PS holte. Mit senkrecht stehendem Wabenkühler und großer Motorhaube unterschied sich das Fahrzeug-Modell 10/12 PS deutlich von den Vorgängern.

 

Neue Käuferschichten
Noch im gleichen Jahr feierte der Autobauer sein erstes großes Jubiläum: der 100. Opel wurde gebaut. Vier Jahre später verließ schon der 1000. Wagen das Werk, ein Jahr darauf wurde Opel sogar zum kaiserlichen Hoflieferanten ernannt. 1909, mit Einführung des Modells 4/8 PS gelang endgültig der Durchbruch. 3950 Mark, weniger als die Hälfte des bisher günstigsten Opel-Motorwagens, kostete ein 4/8 PS. Ein Baukastensystem aus vorgefertigten Karosserien, Fahrgestellen und Motoren senkte die Produktionskosten um ein Vielfaches. Der günstige Preis, die geringen Betriebskosten und eine einfache, robuste Konstruktion von Motor und Fahrwerk erschlossen neue Käuferschichten, die das Wagnis „Automobil“ bislang aus finanziellen Gründen gescheut hatten.

„Das Ideal für Ärzte, Tierärzte, Rechtsanwälte etc. – ohne Chauffeure zu benutzen“, pries Opel sein kompaktes Modell an. Die Verkaufszahlen des „Doktorwagens“ stiegen kräftig. Das Automobil wurde vom Luxus- zum Gebrauchsgegenstand: Endlich konnte sich auch der Mittelstand ein Auto leisten. Binnen Jahresfrist verdoppelten die Rüsselsheimer die Produktion. Nur zehn Jahre nach dem Einstieg ins Automobilgeschäft war aus einem kleinen Geschäftsfeld ein Markt mit großer Zukunft geworden.

 

Teil 1 Erfolgreich eingefädelt

 Teil 2: Hochrad kommt vor dem Fall

Einstieg in den Motorsport

Heinrich Opel nahm im Mai 1899 am ersten internationalen Autorennen in Deutschland teil, der Fernfahrt Aachen-Koblenz. Er fuhr mit einem Opel-Darracq und schied wegen eines Schadens an der Zündanlage vorzeitig aus. Dieser Wettbewerb markierte den Einstieg von Opel in den Motorsport. Zwei Jahre später gewann Heinrich mit Werkmeister Sedlazcek das Bergrennen auf dem Königstuhl.