Müllmeisterschaft

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„Für das Werk Aspern
ist Abfalltrennung
bares Geld.“

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Rund 14.000 Tonnen Abfall (2.800 Tonnen ohne Schrott und Späne) produziert das Werk Aspern pro Jahr und macht aus der Not eine Tugend: Fast alles wird recycelt und wieder in wertvolle Stoffe umgewandelt. „Landfill-free“ heißt die Fachbezeichnung dafür. Was bedeutet, dass weniger als ein Prozent des Prozessabfalls nicht recycelt wird.

 

Schrott und Späne sind wertvoll

Umweltrücksichtnahme ist der eine Aspekt, der hinter dem Wunsch möglichst viel zu recyceln steht. Kostenbewusstsein ist die andere Seite.

Bei kostbaren Rohstoffen wie Aluminium und Stahl springt das ins Auge. Schrott und Späne (Aluminium, Stahl, Gussmaterial) werden bei Opel Wien gesammelt und in Zweimonatsabständen an den Bestbieter verkauft sowie danach für die Herstellung von Aluminium und Stahl verwendet.

Auch aus Schleifschlamm und Schleifstaub wird Stahl gewonnen: Bei der Loacker Recycling GmbH in Götzis werden in einer Spänebrikettieranlage die im Schleifschlamm und –staub enthaltenen Späne zu Stahlbriketts verpresst.

Ölhaltige Schlamme hingegen werden in chemisch-physikalischen Prozessen wieder aufbereitet.


Die – nach Sorten getrennten – Abfälle werden aus dem Werk in „Abfallzügen“ abtransportiert (im Bild Cetin Ersoy/Saubermacher Outsourcing GmbH).

Die „Abfallzüge“ bringen die Abfälle zunächst zum Abfallsammelplatz (im Bild Norbert Levelli/Saubermacher Outsourcing GmbH).

Abfallsammelplatz


Abfallsorten bei Opel Wien


Schrott:
– Aluminium: 42 Tonnen pro Jahr
– Stahl: 400 Tonnen pro Jahr
– Guss: 95 Tonnen pro Jahr
– Mischschrott: 185 Tonnen pro Jahr
Späne (Guss, Alu, Stahl): 10.400 Tonnen pro Jahr
Strahlstaub: 33 Tonnen pro Jahr
Schleifschlamm: 820 Tonnen pro Jahr
Industrieabfälle & Filtermaterialien: 250 Tonnen pro Jahr
– Industrieabfälle, ölig
– Filtermaterialien, ölig
– Filtermaterialien, mit Schleifschlamm
Altpapier & Kartonagen:
– Altpapier: 75 Tonnen pro Jahr
– Kartonagen: 300 Tonnen pro Jahr
Kunststoffe: 125 Tonnen pro Jahr
– Leergebinde
– Kunststofffolien
– Kunststoffbänder
– PET-Flaschen
Glas:
– Weißglas
– Buntglas
Elektroschrott:
– Bildschirme
– Kühlschränke & -boxen
– Elektrogroßgeräte, Elektrokleingeräte
– Elektromotoren
– Kabelreste
Leuchtmittel:
– Leuchtstoffröhren
– Energiesparlampen
– Quecksilberdampflampen
Batterien:
– Batterien
– Ni-MH-Akkus
– Ni-Cd-Akkus
– Li-Batterien
– Li-Akkus
– Blei-Akkus
Weitere Abfälle: Leergebinde mit gefährlichen Restinhalten, Messing, Spraydosen, Metalldosen, Natriumnitrat, Laserstaub, Styropor, Altholz, alte Hydraulikschläuche, medizinische Abfälle (Spritzen, Kanülen und dergl.)

Papier wird wieder zu Papier

Altpapier und verwendete Kartonagen sind gefragte Bestandteile für die Papier- und Kartonagen-Produktion und werden daher verkauft. Damit der Abtransport extra-umweltfreundlich und sparsam vor sich gehen kann, gibt es in Wien-Aspern seit 2015 eine Presse, in der Kartonagen auf ein Fünftel ihres vorherigen Volumens komprimiert werden. Das spart LKW-Fahrten.

Auch Kunststoff-Folien, – Leergebinde oder PET-Flaschen werden wieder zu Kunststoff-Produkten verarbeitet. Wobei freilich gilt: Kunststoff ist nicht gleich Kunststoff. So macht es zum Beispiel Sinn, die roten und weißen Turbolader-Verschlusskappen aus der Motormontage gesondert zu sammeln. Weil sie von der Saubermacher Dienstleistungs AG an ihrem Standort in Wien-Oberlaa zu Kunststoffballen verpresst werden, erzielen sie sogar einen Verkaufspreis. Andere Kunststoffabfälle wiederum werden zu hochwertigen Ersatzbrennstoffen verarbeitet (von der Firma Thermo Team, einer Tochterfirma der Saubermacher Dienstleistungs AG).

Ähnliches gilt für Glas: Einwegflaschen, Hohlglasbehälter, Verpackungsglas, Gläser. Es wird eingeschmolzen, um zu neuen Glasprodukten verarbeitet zu werden.

 


Spänesammler

Einblasen der Späne in den Spänesammler.

 


Sortieren und Trennen als Geheimrezept

Die Voraussetzung für alle Recycling-Vorgänge ist sortenreines Sammeln der Abfälle. Das Werk Aspern hat dazu ausgeklügelte Logistik-Abläufe entwickelt, die eine strenge Trennung der Müllsorten sicherstellen. Die MitarbeiterInnen tragen wesentlich zum Erfolg des Recycling-Konzepts bei:  Je genauer sie Abfälle sortenrein in die dafür bestimmten Müllcontainer entsorgen, desto besser kann recycelt werden. Fast dreihundert – nach Abfallsorten gekennzeichnete – Müllcontainer stehen im gesamten Werk bereit, um – nach 28 Sorten getrennte – Abfälle aufzunehmen.

MitarbeiterInnen der Saubermacher Outsourcing GmbH holen die Abfälle aus den verschiedenen Werksbereichen (entweder nach Bedarf oder in klar definierten Intervallen) und transportieren diese großteils zum Abfallsammelplatz an der Nordseite der Werkshalle; in von E-Wagen gezogenen „Abfallzügen“ für die Müllcontainer auf Rollen oder per Stapler. Für Späne gibt es auf den Achsen C8 und C24 spezielle Späneabwurfschächte, die über eine Zentrifuge die Späne in die Spänebunker befördern. Vom Abfallsammelplatz weg erfolgt der Abtransport der einzelnen Müllsorten zu den Recycling-Firmen.

 

Auch kleine Abfallmengen machen sich bezahlt

Nicht nur große Mengen einer Abfallsorte sind im Hinblick auf Recycling interessant: Opel Wien hat zum Beispiel als eines der ersten Unternehmen in Österreich das gesonderte Sammeln und Recyceln von Lithium-Ionen-Batterien eingeführt (März 2017), obwohl pro Jahr nur etwa 60 Kilogramm solcher Batterien anfallen. Der Grund: Für Lithium-Ionen-Batterien gelten besondere Brandschutzregeln und Gefahrguttransport-Vorschriften.

Oder aber die enthaltenen Rohstoffe sind wertvoll genug, um sie einer neuen Verwendung zuzuführen. Das gilt vor allem für alte Elektrogeräte. Diese werden von Recycling-Unternehmen in Einzelteile zerlegt, die als Eisenschrott oder für andere Verwendungen neu genützt werden können.

In der Müllverbrennungsanlage Spittelau der Wien Energie werden pro Jahr rund 250.000 Tonnen Müll verarbeitet und damit 120.000 Megawattstunden Strom, 500.000 Megawattstunden Fernwärme, 6.000 Tonnen Eisenschrott, 60.000 Tonnen Schlacken, Aschen und Filterkuchen erzeugt.


Papiermaschine in der Papierfabrik Laakirchen – hier entsteht aus altem Papier neues Papier.

Kampf dem Restmüll & Bewusstseinsbildung

Trotzdem bleiben monatlich immer noch etwa 5.000 Kilogramm Restmüll und Sperrmüll übrig, für die die findigen Umweltmanager Josef Fangl und Gregor Trunk noch keine geeignete Recycling-Methode aufgespürt haben. „Wir sind bemüht, die Mengen an Sperr- und Restmüll weiter zu reduzieren“, sagt Gregor Trunk. Opel Wien muss ja für das Verbrennen von Restmüll/Sperrmüll in der Wien Energie-Müllverbrennungsanlage Spittelau bezahlen.

„Unser Hauptanliegen ist natürlich nach wie vor das Bewusstsein für sortenreines Trennen von Abfall zu verstärken. Je genauer die Mitarbeiter den Müll trennen, umso besser lassen sich die Abfälle recyceln. Für das Werk Aspern ist das bares Geld“, so Gregor Trunk. Im jüngst neu gestalteten Safety Land befasst sich daher eine eigene Station mit dem Thema sortenreine Abfalltrennung.

Text: Kristin Engelhardt, Fotos: Helga Mayer, Wien Energie, Fotoart.at/Heinzelpaper