Der treue Gefährte

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Kollegen öffnen der Opel Post ihre Garagentür

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In der historischen Opel-Flotte, die auf Gerhard Wohlfarts Anwesen im Rüsselsheimer Ginsterweg ankert, mutet der Corsa A trotz Goldmetallic-Lackierung fast ein wenig bescheiden an. Wenige Meter entfernt von ihm posiert ein Diplomat B, Baujahr 1974, in voller Pracht – er war einmal das Dienstfahrzeug des Vorstandsvorsitzenden John P. McCormack. In den verschiedenen Carports auf dem Grundstück stehen unter anderem ein Opel Kapitän von 1951 und ein Admiral von 1938. Seinen Senator von 1988 hat der Besitzer zurzeit in einer Garage in Wiesbaden ausgelagert.

Opel-Liebhaber Gerhard Wohlfart verteilt die Sympathien für seine Schmuckstücke jedoch nicht nach Glamour-Faktor. Er weiß all seine Klassiker zu schätzen. Und auf den Corsa A lässt er schon gleich gar nichts kommen: „Der hat mir von allen die wenigste Arbeit gemacht, ist immer treu und zuverlässig.“ Andere Stücke, den Senator etwa, habe er über Jahre restauriert. Diesen Corsa der ersten Generation aber hat er gekauft wie gesehen, beim Autohaus Riedl in Bischofsheim, ist damit vom Hof gefahren und hat seither nur die üblichen Wartungsarbeiten daran vorgenommen.

Admiral, Diplomat, Kapitän: Gerhard Wohlfart hat eine beeindruckende Klassiker-Sammlung. Doch heute steht ausnahmsweise mal der Kleinste, der Opel Corsa, im Mittelpunkt.

„Mein Corsa hat mir von allen die wenigste Arbeit gemacht, ist immer treu und zuverlässig.“

Vor fünf Jahren war das. „Mir gefielen die getönten Scheiben, und dann ist es auch noch ein Viertürer, davon wurden in der ersten Generation gar nicht so viele gebaut“, erklärt Wohlfart. „Heute siehst du diese Exemplare so gut wie gar nicht mehr.“ Eigentlich sei der Corsa A für seinen Enkel Anton gedacht gewesen, als Geschenk zu dessen 18. Geburtstag.

 

NIE IM STICH GELASSEN

Doch als der Enkel nach Hamburg ging, um das Hotelfach zu lernen, wusste er nicht, wohin mit dem Youngtimer. Also hatte sich der Opa des Gefährts wieder angenommen – und ihm seither weitere 15.000 Kilometer auf den Tacho gepackt. Der 55 PS-Motor habe ihn nie im Stich gelassen und sparsam sei er auch, wie Wohlfart betont: „Sechs Liter auf 100 Kilometer verbraucht der Corsa, mehr nicht.“ Sparsame Motoren, eine gute Aerodynamik – die Schräghecklimousine hat einen cw-Wert von 0,36 – und eine konsequente Leichtbauweise zahlen sich eben noch immer aus.

Das erste Opel-Modell in der Kleinwagenklasse: Opel Corsa A | Viertürer | Baujahr 1983 | 40 KW/55 PS | 1200 Kubikzentimeter Hubraum | Frontantriebswagen mit quergestelltem Motor

Aufgeräumter Innenraum: Bei der Gestaltung des Cockpits wurden seinerzeit die neuesten Erkenntnisse in Sachen Ergonomie und Unfallforschung berücksichtigt. Unter der Instrumententafel befindet sich eine durchgehende Ablage.

Ein Sensationserfolg

Als kleinerer „Kadett-Bruder“ debütierte der Opel Corsa A mit kurzen 3,62 Metern Länge, einem rekordverdächtigen Luftwiderstandsbeiwert von cw 0,36 und Radhäusern im Stile eines Rallye-Wagens. Chefdesigner Erhard Schnell hatte einen sportlichen Kleinen gezeichnet, der kantig auch den Mann im Hause überzeugen sollte. Zunächst nur als Zweitürer mit Schräg- oder Stufenheck gebaut, kam 1985 der Fünftürer hinzu. Der Corsa A mauserte sich zum umjubelten Topseller und wurde insgesamt 3,1 Millionen Mal verkauft.


Wohlfart ist auch mit 75 Jahren noch Opelaner durch und durch. Haus und Garagen beherbergen nicht nur historische Fahrzeugmodelle, er besitzt auch einen  einen alten „Frigadaire“-Kühlschrank und eine Nähmaschine der Marke, die Wände sind gepflastert mit Schildern, Emblemen, Urkunden und Erinnerungsfotos, allesamt mit Bezug zu „seiner“ Marke. Wohlfarts Zuhause ist das reinste Opel-Museum.

 

OPEL IN DEN FAMILIENGENEN

Es ist eine, im wahrsten Sinne des Wortes, gewachsene Verbindung. 40 Jahre hat der Rentner selbst für das Unternehmen gearbeitet, in der Betriebsinstandhaltung. Sein Vater war Opel 30 Jahre treu, auch sein Schwiegervater gehörte der Firma an. „In den 1970er-Jahren waren insgesamt 16 Mitglieder unserer Familie bei Opel beschäftigt“, erinnert sich Gerhard Wohlfart schmunzelnd.

Heute geht’s mit dem jeweils passenden Sammlerstück regelmäßig zu Opel-Treffen, 2019 etwa stehen diverse Termine mit dem Diplomat B an, der bekanntlich seinen 50. Geburtstag feiert. Um Übernachtungsmöglichkeiten kümmert sich Gerhard Wohlfart nur selten. Der begeisterte Camper besitzt zwei klassische Wohnwagen, die mit seinen historischen Fahrzeugen jederzeit ein harmonisches Bild abgeben. Das Auge fährt schließlich mit.

 

Wer A hat, muss auch B haben: Der goldfarbene Corsa kommt zu besonderen Anlässen zum Einsatz, sein roter Nachfolger ist der zuverlässige Begleiter im Alltag.

Als offizieller Erstwagen des Ehepaars Wohlfart fungiert ein Opel Grandland X.

Was seine Frau zu so viel automobiler Leidenschaft sagt? „Da habe ich Glück“, sagt der Opel-Rentner. „Sie ist immer dabei, bei den Treffen und sogar beim Stöbern auf den Teilemärkten.“ Wie aufs Stichwort kehrt Ehefrau Renate vom Einkaufen zurück. In einem roten Corsa B, Baujahr 1999. „Den haben wir uns vor zwei Jahren zugelegt, von einer Bekannten, die sich einen Opel ADAM angeschafft hat.“ Dieser Kleinwagen dient als praktisches Alltagsauto, zusammen mit einem 20 Jahre alten Astra, der ebenfalls noch tadellos in Schuss ist. Als offizieller Erstwagen der Wohlfarts fungiert allerdings ein Grandland X. Das Ehepaar will schließlich auch „erfahren“, was ihre Marke aktuell zu bieten hat. Und natürlich freut sich das Ehepaar auf die sechste Generation des Corsa, die in den Startlöchern steht. „Ich bin schon sehr gespannt. Schließlich hat der Corsa bislang in jeder Generation Maßstäbe gesetzt“, so Wohlfart.


Mai 2019

Text: Eric Scherer, Fotos: Alex Heimann