Der Charme eines Audits


Opel GM-GMS Audit im Rohbau des Opelwerkes Rüsselsheim

Genau hinschauen: Neil Williams (rechts) und Karsten Faber entgeht nichts.

 

Gut zuhören: Manuela Kopainigg im Gespräch mit Gruppensprecher Thomas Anicic.

 

Audits für das Produktionssystem GM-GMS finden jedes Jahr statt. Wann genau, das weiß allerdings niemand. Manchmal vergehen nur acht Monate, manchmal sind es elf. Und zwischen Ankündigen und Ausführen eines Audits liegen stets nur wenige Tage. So war es auch diesmal. „Am Dienstag geht’s los“, ließ Agnieszka Tarala, die vom GM-Standort in Gliwice aus alle europäischen Audits koordiniert, gerade mal eine Woche zuvor verlauten. „Mehr Vorlauf soll auch ganz bewusst nicht sein“, erklärt Thomas Wedde, Leiter GM-GMS und Training in Rüsselsheim. „Es geht ja darum zu prüfen, ob wir das einheitliche Fertigungssystem, das GM weltweit praktiziert, auch tatsächlich Tag für Tag im Werk leben. Wie sollten wir unter Beweis stellen, dass wir es beherrschen, wenn wir die Gelegenheit hätten, uns gezielt auf das Audit vorzubereiten?“

 

JEDER KENNT SEINE AUFGABE UND BLEIBT ENTSPANNT
Und was geschieht, wenn der Audit-Termin dann steht? Bricht dann in der Mannschaft die Prüfungsangst aus? „Ach, woher denn“, meint Thomas Wedde. Denn er weiß, dass er sich auf die Rüsselsheimer GMS-Champions und GMS-Koordinatoren verlassen kann. „Wir haben für jedes der fünf GM-GMS-Prinzipien ein eigenes Team im Werk, das sich das ganze Jahr um die Umsetzung kümmert. Und sogar jedem Unterpunkt ist eigens eine Person zugeordnet, die dafür verantwortlich zeichnet. Da bleibt nichts unberücksichtigt.“ Schon kurz darauf sah der GMS- und Trainingsleiter seinen Optimismus bestätigt. Beispielsweise bei Thomas Anicic, Gruppensprecher in der Türenfertigung. Rund sieben Minuten dauerte das Gespräch, das er mit Manuela Kopainigg vor der Teamtafel in seinem Abschnitt führte. „Ich kenne meine Aufgaben doch, was also hätte mir passieren sollen“, erklärte dieser hinterher ganz gelassen. ↓


DAS ZIEL VON GMS ist, überall auf der Welt nach demselben Produktionssystem zu fertigen.


 

Manuela Kopainigg kam aus dem Werk im österreichischen Aspern nach Rüsselsheim, wo sie ebenfalls für GMS verantwortlich ist. Sie gehörte als sogenannter Shadow dem internationalen Auditorenteam an, das Agnieszka Tarala zusammengestellt hatte. Begleitet wurde sie von dem externen Auditor Neil Williams, Leiter Arbeitssicherheit bei Vauxhall in Ellesmere Port. Dritter im Bunde war ein Einheimischer: Karsten Faber, im Berufsalltag Betriebsleiter im Presswerk. Denn Rüsselsheim zählt zu den GM-Werken, in denen internes Personal mit entsprechender Qualifikation autorisiert ist, GM-GMS-Audits durchzuführen. Die externen Prüfer übernehmen die beratende Funktion und kümmern sich um die Auswertung der Ergebnisse.

 

GESPRÄCHE AUF ALLEN EBENEN
Ein Shadow dagegen ist ein Auditor, der noch angelernt wird. Manuela Kopainigg war in dieser Eigenschaft zum ersten Mal in Rüsselsheim unterwegs. „Es waren wirklich sehr angenehme Gespräche, die ich hier geführte habe“, resümiert sie. „Die Mitarbeiter machen einen sehr ambitionierten Eindruck – und sind sehr stolz auf das, was sie hier leisten.“ Manuela Kopainigg prüfte mit ihren beiden Kollegen, inwieweit das GM-Prinzip „Einbeziehung der Mitarbeiter“ erfüllt ist.

Dazu führten sie Gespräche auf sämtlichen Ebenen der Organisation, mit Fertigungsmitarbeitern an der Linie wie mit Führungskräften. Ob diese ihre Mission kennen oder regelmäßige Sicherheitsunterweisungen erhalten, interessiert dabei ebenso wie aktuelle Trainings, mit denen sie auf neue Aufgaben vorbereitet werden. ↓

Miteinander kommunizieren: Interner (Karsten Faber) und externer (Neil Williams) Auditor vergleichen ihre Eindrücke.


12

Auditoren aus Rüsselsheim, Ellesmere Port und Gliwice waren im Einsatz.

4

Tage lang haben sie die Kollegen im Fertigungswerk Rüsselsheim interviewt.

89

von 100 Punkten haben die Kollegen am Ende erreicht – ein sehr guter Wert.


 

Insgesamt gab es 17 Statements fürs Prinzip „Einbeziehung der Mitarbeiter“ zu holen. Und so entspannt die Interviews nach außen auch wirkten – nach jedem machten sich die Auditoren zu allen Punkten Notizen. Das Ergebnis gab den entspannten Gesichtern recht: Das Rüsselsheimer Team schaffte 19 Punkte.

 

ES GEHT IMMER NOCH BESSER – AUCH DAS EIN PRINZIP
Parallel prüften identisch zusammengesetzte Teams den Erfüllungsgrad der übrigen vier GM-Prinzipien: Kurze Durchlaufzeiten, Qualität von Anfang an, Kontinuierliche Verbesserung und Standardisierung. Dass der Produktionsbetrieb auch während eines GM-GMS-Audits ungestört weiterlaufen muss, ist selbstverständlich. Nach den Vorort-Terminen trifft sich das komplette Team, wertet die Ergebnisse sorgfältig aus – und erstellt Hinweise, wo noch etwas verbessert werden kann.

 

Für diese waren die Rüsselsheimer auch diesmal dankbar – auch wenn 89 Prozent Erfüllungsgrad ein hervorragendes Ergebnis sind. „Wir haben gerade den Zafira Tourer neu in unsere Fertigungslinie integriert“, erklärt Werkdirektor Michael Lewald. „Daher kommen die Hinweise der Auditoren gerade Recht, um unsere Abläufe und Prozesse weiter zu optimieren.“ Denn auch wenn ein Werk mit 89 Prozent Erfüllungsgrad souverän im „grünen Bereich“ rangiert – stets noch besser werden zu wollen, ist nun einmal auch ein GM-GMS-Prinzip.


 

DIE GM-GMS-IDEE 
Alle GM-Werke weltweit sollen möglichst im gleichen Takt und auf einem bestmöglichen Qualitätsniveau arbeiten. Um diesen Anspruch zu erfüllen, hat GM sein „Global Manufacturing System“ (GMS) entwickelt. Jedes Jahr wird in jedem Werk der Welt in speziellen Audits überprüft, inwieweit dieses umgesetzt ist. Es gibt fünf Prinzipien: Die Standardisierung aller Prozesse, Kurze Durchlaufzeiten, Qualität von Anfang an, Einbeziehung der Mitarbeiter, Kontinuierliche Verbesserung.

 

 


 

Stand Juni 2015

 

Text: Eric Scherer, Fotos: Alexander Heimann /Vollformat