Wie der Blitz nach
Oschersleben kam

 

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Opel-Fan und Festival-Gründer
Sven Glöckner

 

 

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„1996 kamen rund 2500 Leute mit exakt 927 Autos. Das empfanden wir damals als unglaublich viel.“

 

 

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„Wir haben immer wieder überlegt, was wir tun können, um noch attraktiver zu sein.“

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Opel-Fan ist Sven Glöckner, seit er den Führerschein hat. Sein erstes Auto war ein Kadett E. „Alle meine Freunde hatten auch einen E-Kadett. Das hat uns verbunden.“ Immer wieder ist er mit seinen Kumpels zu Opel-Treffen gefahren, um mit anderen Fans über seine und ihre Lieblingsautomarke zu plaudern und Spaß zu haben. Nach dem Besuch einiger Events dachte er nicht nur: „Das können wir auch.“ Sondern: „Das können wir besser.“ Also gründete Glöckner 1995 in seiner Heimatstadt zusammen mit ein paar Mitstreitern, die Opel genauso lieben wie er selbst, den „Opel Sportclub Wernigerode“ und machte sich daran, ein erstes Opel-Treffen in der Kleinstadt am Fuße des Ostharzes zu organisieren.

1996 ging es los. Als Areal diente eine nach der Wende stillgelegte landwirtschaftliche Nutzfläche. „Es kamen rund 2500 Leute mit exakt 927 Autos. Das empfanden wir damals als unglaublich viel“, erzählt der 43-Jährige rückblickend. Zwar gab es damals schon das Internet. Aber an Facebook und Email für jedermann war noch lange nicht zu denken. Glöckner und seine Mitstreiter schrieben Briefe und schickten sie mit der Post an die Opel-Fanklubs zwischen Rügen und Allgäu und setzten auf Mundpropaganda. „Es hat sich schnell in der Opel-Gemeinde herumgesprochen, dass wir anders sind als andere Treffen.“

 

UMZUG VON WERNIGERODE NACH OSCHERSLEBEN
Denn der Opel Sportclub Wernigerode setzte von Anfang an nicht nur auf ein nettes Miteinander, sondern auf ein regelrechtes Programm, zu dem auch ein Heft gedruckt wurde. „Wir haben immer wieder überlegt, was wir tun können, um noch attraktiver zu sein.“ So kamen Glöckner und seine Freunde auf die Idee, das Gelände, wo das Treffen standfand, zur „Adam Opel Stadt“ zu erklären. Die „Straßen“ durch die Campingzonen hießen nicht mehr „zweite links runter“, sondern Mantagasse oder Corsaweg. Es entstand die Idee des Abschlussfeuerwerks, das bis heute Tradition ist und von den Teilnehmern begleitet wird: Sie stellen die Warnblinkanlage an und hupen nach dem Abfeuern der letzten Rakete. „Gänsehaut pur“, sagt Glöckner, wenn er daran denkt und lächelt sympathisch, wie er überhaupt ein sehr netter Bursche ist.

Im zweiten Jahr nach der Gründung kamen schon rund 2000 Autos nach Wernigerode, 1998 waren es um die 5000. Der Platz wurde allmählich zu klein. Wohin du geschaut hast, überall hast du Opel gesehen. „Ganz Wernigerode war verstopf, alles war voller Autos“, erinnert sich der Vater des Opel-Treffens. „Die Stadt Wernigerode hat uns mit teils abstrusen Auflagen überzogen. Wir sollten zum Beispiel das ganze Gelände umzäunen. Aber so viele Zäune gab es gar nicht, das das möglich gewesen wäre.“ Die Vorgaben standen auf sechs Din-A4-Seiten. „Eigentlich war es unmöglich, das Treffen durchzuführen. Wir haben es trotzdem geschafft.“ Allerdings: Es folgte der Abschied aus Wernigerode.

 

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Zum 20-jährigen Opel-Treffen sollte es etwas besonderes sein, etwas rießiges: Am ersten Abend des Treffens wurde das größte Opel-Logo bestehend aus 2.500 Teilnehmern auf der Strecke der Motorsport Arena gestellt. Während sich die Opel-Fans am Boden platzierten, stieg eine Drohne mit Kamera in die Luft. Opel hatte allen Teilnehmern ein Sitzkissen geschenkt. Das hielten die Fans in die Höhe – entstanden sind einmalige Aufnahmen!

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Dass nun schon fast seit
20 Jahren Zehntausende im Frühsommer aus Oschersleben Opelsleben machen, erfüllt die Stadt und ihre Einwohner mit Stolz.“

Christiane Klare, stellvertretende Bürgermeisterin von Oschersleben

Schon bald nach dem Treffen 1999 schickte Glöckner ein Video zu den Betreibern der Autorennstrecke im 80 Kilometer entfernten Oschersleben. Die waren begeistert und willigten sofort ein, das Opel-Treffen nach Oschersleben zu holen. Dort fand es erstmals im Jahr 2000 statt. „Die Zahlen der Gäste und Autos explodierten von dann an förmlich. Es kamen mehr als 10.000 Leute. Die haben uns regelrecht überrannt“, berichtet Glöckner. 2001 gesellte sich das Opel-Oldtimer-Treffen hinzu, das inzwischen fester Bestandteil des Treffens ist. 2002 löste sich der Sportclub Wernigerode auf, Glöckner organisierte die Zusammenkunft der Opel-Fans im Alleingang, ehe er das Konzept für die Veranstaltung 2011 an die Motorsportarena Oschersleben verkaufte.

Dem Treffen ist Glöckner aber bis heute treu geblieben. Zwar lebt er seit zehn Jahren in Wien, wo er im Beteiligungsmanagement einer Bank arbeitet. Zum Opel-Treffen kommt er aber Jahr für Jahr. Glöckner unterstützt dabei Opel Motor Sport bei seinen eigenen Events während der vier turbulenten Tage. „Das Treffen ist wichtig für die Bindung an die Marke. Wer nach Oschersleben kommt, bleibt Opel treu“, meint Glöckner.

 

60.000 BESUCHER WOLLEN VERSORGT WERDEN
Einen erheblichen Imagegewinn und ökonomische Nutzen erzielen auch die Stadt und die Region. Die stellvertretende Bürgermeisterin von Oschersleben, Christiane Klare, sagt: „Handel, Gewerbe und Hotel- und Gaststättengewerbe profitieren in hohem Maße, denn mehr als 60.000 Besucher wollen unterkommen und versorgt werden.“ Dass nun schon fast seit 20 Jahren Zehntausende im Frühsommer „aus Oschersleben Opelsleben machen, erfüllt die Stadt und ihre Einwohner mit Stolz“.

In die Lobeshymne der Bürgermeisterin auf die Zusammenarbeit zwischen Stadt, Veranstalter und Polizei stimmt Sven Glöckner gerne ein. Aus seiner Sicht klappt sie hervorragend. „Die Stadt Oschersleben will, dass das Treffen hier weiter stattfindet“, sagt Glöckner, der sich mittlerweile einen leichten Wiener Akzent zugelegt hat. „Gibt es Probleme, suchen die nach Lösungen“, betont er und gibt seiner Heimatstad noch einen mit: „Oschersleben will, Wernigerode war Verhinderer.“ Zur Ehrenrettung: Wernigerode hat keine Rennstrecke. Insofern ist alles gut, wie es ist.

 Text: Tommy Schmoll, Fotos: Werner Popp

 

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