Noch ein Werk eröffnen –
und dann ab in den Urlaub

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DAS TITELBILD:
Wo Blonde strahlen, nahen die Ferien


Eine strahlende Blonde als Covergirl – funktioniert heute wie vor 50 Jahren. Auf der Juni/Juli-Ausgabe der Opel Post des Jahrgangs 1966 stimmt die sommerlich behütete Lady auf die anstehenden Werksferien ein. Ergänzend dazu gibt’s im Innenteil Tipps für Urlauber, die eine längere Autofahrt in den Süden planen. Der Rest der Ausgabe befasst sich allerdings keineswegs nur mit Müßiggang. Im Gegenteil: Der Leitartikel etwa warnt nachdrücklich vor zu viel Passivität in Belegschaft und Gesellschaft und zitiert George Bernard Shaw: „Freiheit bedeutet Verantwortung. Das ist der Grund, weswegen sich die meisten vor ihr scheuen!“

 


Nach der Hochzeit:
Die ersten Schritte ins Autoleben


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„Endmontage – Endstation. Hier wird vollendet, was viele Hirne, Hände und Maschinen vorbereitet haben.“ Mit diesen Worten beginnt eine bildbetonte Reportage, die die Opel-Endmontage der 1960er Jahre beschreibt. „Dort wird der Luftdruck der Reifen geprüft, hier werden Bremsen eingestellt, Kühler montiert, Benzin und Kühlflüssigkeit eingefüllt…“ Zugegeben: Eindrucksvoller als die Schilderung dieser Abläufe sind die Bilder aus der damaligen Produktion. Vor allem sind ein paar schöne alte Kadett-Modelle zu sehen.

Opel montieren macht einfach Laune
Und: Die Opel-Klassiker von morgen zusammen zu schrauben, muss den Fertigungsmitarbeitern viel Spaß gemacht haben. Denn die Stimmung in der Mannschaft ist prächtig, wie der Reporter notiert: „Vorherrschend ist der aufmerksame, konzentrierte Gesichtsausdruck. Ab und zu pfeift einer vor sich hin oder grinst verschmitzt seinen Nebenmann an. Vorübergehende streift man mit einem kurzen Blick.“

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Die Pfalz feiert –
doch die Ärmel sind schon hochgekrempelt


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3. Juni 1966: Der neue Opel-Standort Kaiserslautern feiert Einweihung. Als die Herren in den schwarzen Anzügen im eigens errichteten Festzelt Platz nehmen, rollen in der neuen Werkshalle K1 allerdings bereits etliche der rund 1.150 Maschinen. Die Lautrer wollen keine Zeit verlieren, um Opel-Fahrzeuge mit Komponenten auszustatten. Sie beliefern das Stammwerk Rüsselsheim hauptsächlich mit Gelenkwellen, Kupplungen und Lenkgetrieben, zudem decken sie den kompletten Bedarf an Stoßdämpfern für Rüsselsheim und Bochum ab. Insgesamt 150 Millionen Mark hat Opel in sein neues Zweigwerk investiert.

„Die wichtigste Entscheidung der letzten hundert Jahre“
Lauterns Oberbürgermeister Walter Sommer bezeichnet die Ansiedlung des Unternehmens für seine Stadt als die „wichtigste Entscheidung der letzten 100 Jahre.“ Sie ermöglicht Kaiserslautern, seine Infrastruktur weiterzuentwickeln und sichert der Region dringend benötigte Arbeitsplätze. Vor allem, weil Opel in Person des ersten Werksdirektors Hans Gensert das Versprechen gegeben hat, die Belegschaft für die neue Niederlassung vor Ort zu rekrutieren. Und er hält eindrucksvoll Wort. Nur 40 der 2.200 Mitarbeiter, die das Werk zum Betriebsstart zählt, sind Fachkräfte, die aus Rüsselsheim und Bochum versetzt wurden, um Starthilfe zu leisten. Der Rest stammt aus der Pfalz.

 


Damals noch alternativlos:
Urlaub mit dem Auto


Reisetipps gefällig? Für die Medien jedenfalls waren sie auch damals schon ein beliebtes Thema vor Beginn der Urlaubszeit. Auch die Opel Post greift es auf. Dass der Autofahrer mit Tagesetappen von maximal 600 Kilometern kalkulieren, auf aktuelle Verkehrsdurchsagen achten, vor der Abfahrt den Luftdruck seines Wagens und Warndreieck, Verbandkasten et cetera checken sollte –  okay, solche Ratschläge mögen heutzutage niemanden mehr vom Hocker reißen. Interessant ist aber zu lesen, welchen Stellenwert der Urlaub mit dem Auto in den 1960er Jahren hatte: Laut Opel Post nutzten damals 75 Prozent der motorisierten Bundesbürger ihren fahrbaren Untersatz, um damit in die Ferien zu rollen.

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Wichtig: Viehzeug nicht verfluchen – sondern genießen
Bemerkenswert ist auch der Hinweis, nicht nur freiwillige, sondern auch Zwangspausen einzukalkulieren: „In den Bergen gibt es zum Beispiel unvorhergesehene Aufenthalte, wenn das liebe Vieh, von der Weide kommend, über die Straßen trottet. Ärgern Sie sich dann nicht! Fragen Sie sich lieber einmal, wann Sie eigentlich zum letzten Mal eine Kuh gesehen haben. Ihr Söhnchen oder Ihr Töchterchen vielleicht noch nie. Welch ein Erlebnis für die Kleinen!“ Dem ist auch 2016 nichts hinzuzufügen.

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Bitte nicht drängeln:
Die „Berufserziehung“ macht ein Bild von sich


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Was für ein Andrang! Die Berufsausbildung bittet zum Gruppenfoto. Die Abteilung „Berufserziehung“, wie sie sich damals nennt, vermittelt 1966 rund 800 jungen Menschen nicht nur Praxisunterricht – auch die Berufsschule, die die

Auszubildenden ebenfalls besuchen, ist zu dieser Zeit noch werkseigen. Ebenfalls auf der Aufnahme zu sehen sind die Lehrkräfte. Sie dürfen, im Gegensatz zu ihren Schützlingen, Platz nehmen.


Hier können Sie die komplette Opel Post-Ausgabe vom Juni/Juli 1966 herunterladen.

 

Text: Eric Scherer