„Viele tragen diesen Stolz in sich“

Mitarbeiter der ersten Stunde


Am 30. September 2017 feiert das Werk Eisenach mit einem Tag der offenen Tür Geburtstag. 25 Jahre zuvor lief im Beisein von Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl der erste Astra vom Band, und markierte damit die Eröffnung des thüringischen Opel-Standorts. Von den heute gut 1.800 Eisenacher Kollegen begehen rund 270 zusammen mit dem Werk das 25. Dienstjubiläum. Vier dieser Mitarbeiter der ersten Stunde erzählen der Opel Post ihre ganz persönliche Geschichte. Im vierten Teil stellen wirThomas Ortloff vor.
Stolz sein auf die Marke Opel, das Eisenacher Werk und den Arbeitsplatz. „Viele Mitarbeiter“, weiß der 2009 freigestellte Betriebsrat der Lackiererei Thomas Ortloff, „tragen wie ich diesen Stolz in sich.“ Von den 1.850 Kollegen begehen rund 270 in diesem Jahr zusammen mit dem Werk das 25. Dienstjubiläum. Thomas Ortloff gehört dazu. Der 53-Jährige arbeitet und lebt dafür, die Mitarbeiter zu unterstützen: „Das wichtigste ist für mich jetzt, dass wir die älteren Mitarbeiter gesund in die Rente bekommen. Und das wir den jungen Leuten eine Perspektive bieten können. Ich möchte, dass sie hier auch in Zukunft ihre Familien ernähren können und stolz auf ihren Arbeitsplatz sind.“

 

»Ich bin als AWE-Mitarbeiter ins Wochenende gegangen und ab Montag war ich Opel-Mitarbeiter.«

 

Thomas Ortloff nennt sich selbst „ein Urgestein“. 1963 in Eisenach geboren, absolvierte er von 1979 bis 1981 im Automobilwerk Eisenach (AWE) eine Lehre zum Kfz-Schlosser. Nach der Armeezeit arbeitete er bis zur Wende als Klempner, was heute Karosserie-Spengler heißt. Der Übergang in die Nachwendezeit und zu Opel erfolgte nahtlos. Im Sommer 1990 bewarb er sich erfolgreich für die Vectra-Fertigung. „Ich bin am Freitag den 13. Oktober 1990 als AWE-Mitarbeiter ins Wochenende gegangen und am Montag den 16. Oktober als Opel-Mitarbeiter wieder ins Werk gekommen“, erinnert er sich an die aufregende Zeit. Den Wartburg kannte er aus dem Effeff, den Vectra lernte er genauso schnell an der Linie und ab 1991 in der Reparatur der Lackiererei kennen. Natürlich war das eine Umstellung, der Vectra war dem Wartburg und vor allem seinem 16 Jahre alten Trabant nicht nur technisch überlegen. Die neuen Maschinen waren moderner und das Werkzeug war eben da, wenn man es gebraucht hat. Die Teamarbeit und die Montagereihgenfolge waren dagegen ähnlich.

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Urgestein Thomas Ortloff sucht das Gespräch mit den Kollegen.


Engagiert Jeden Morgen um sechs Uhr ist der Familienvater in der Lackiererei, um mit den Kollegen schichtübergreifend zu sprechen.

 

„Das Werk hat sich in den 25 Jahren kontinuierlich weiterentwickelt. Ich kenne zum Beispiel keine Lackiererei, die so viele Farben anbietet wie wir – 26, kombinierbar!“

 


Der Eisenacher spürte damals die Euphorie. „1991 wurde uns gesagt, dass ein neues Werk gebaut wird, und dass Opel das Joint-Venture mit AWE übernehmen wird. Da wussten wir, dass es für uns weitergeht. Wir haben jeden Tag gesehen, wie das Werk gewachsen ist und neue Mitarbeiter dazu kamen.“ Thomas Ortloff wollte mithelfen, „gewerkschaftliche Strukturen aufzubauen und faire Verträge für die Mitarbeiter auszuhandeln.“ 1993 wurde er zum Betriebsrat gewählt, seit 2009 ist er freigestellter Bereichsbetriebsrat für die Lackiererei und die Werkfeuerwehr.

 


»Viele Mitarbeiter haben ihren Job von der Pike auf gelernt, das zahlt sich aus.«

 

Jeden Morgen um sechs Uhr ist der Familienvater in der Lackiererei, damit er mit allen Kollegen schichtübergreifend sprechen kann. Es bleibe leider immer zu wenig Zeit, um mit allen Kollegen in Kontakt zu kommen. Das findet das Betriebsausschussmitglied „sehr schade“. Gerade jetzt, wo er wieder Unruhe in der Belegschaft spürt. Aber Thomas Ortloff ist ein „grenzenloser Optimist“. Schließlich hätten sie in Eisenach „schon jede Hürde gemeistert“. Betriebsbedingte Kündigungen gab es bisher aber nicht. Um die Zukunft ist dem Eisenacher Urgestein deshalb auch nicht bange.

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Grenzenloser Optimist „In Eisenach haben die Kollegen noch jede Hürde gemeistert.“

Stand Juni 2017

Text: Jens Hirsch, Fotos: Marcel Krummrich