„Der Rennfahrer kommt noch durch“

Langjährige Beziehung: Seit 2004 ist Winkelhock als Opel-Markenbotschafter unterwegs.

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„Weimar kannte ich bisher nur aus dem Geschichtsunterricht.“

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Opel Post: Herr Winkelhock, während Ihrer Rennfahrerkarriere entschieden oft Hundertstelsekunden über Sieg und Niederlage. Können Sie heute komplett entspannt an einer Classic-Rallye teilnehmen?
Joachim Winkelhock: Ja, das ist ja das Schöne. Alles findet in einer entspannten, gemütlichen Atmosphäre statt. Genau im Gegenteil zu dem, was ich früher gemacht habe. Das war Stress pur an den Rennwochenenden. Jetzt genieße ich es einfach. Ich bin zum vierten Mal bei dieser Rallye dabei, dazu kommen noch fünf, sechs andere Classic Rallyes für Opel im Jahr. Ich entdecke dabei immer wieder wunderschöne Ecken, die ich vorher noch nicht kannte. Wie zum Beispiel jetzt in Weimar, das kannte ich bisher nur aus dem Geschichtsunterricht. Wir leben in einem schönen Land, das muss man sich immer wieder bewusst machen.

Seit 2004 sind Sie Markenbotschafter und Fahrtrainer für Opel. Was genau gehört dabei zu Ihren Aufgaben?
Ich leite zum Beispiel die OPC-Fahrtrainings in Dudenhofen und betreue bei Fahrzeugpräsentationen die Journalisten. Und bei den Classic Rallyes repräsentiere ich die Marke. Das ist einfach toll, dass ich mich als ehemaliger Profi mit einbringen kann. Ich kann nur immer wieder erzählen, wie toll die Autos sind.

 

 

Ausritt in die Idylle: Die 24. Ausgabe der ADAC Oldtimerfahrt Hessen-Thüringen führte durch den Thüringer Wald und über die Thüringer Porzellanstraße.


Was ist Ihr aktuelles Lieblingsmodell?
Der Insignia. Die zweite Generation ist noch dynamischer und innovativer. Für mich ist Komfort nicht unwichtig, aber bei mir kommt immer noch der Rennfahrer durch. Das heißt, ich muss gut eingebunden sein im Auto. Wenn ich das Lenkrad in der Hand habe, muss ich das Auto spüren. Das tue ich beim Insignia. Besonders in der sportlichen Variante GSi.

Kommt der Rennfahrer auch manchmal noch auf der Autobahn durch?
Weniger. Und das sage ich nicht bloß so. Wenn frei ist, fahre ich schon, was das Auto hergibt. Aber erstens ist man heute den Führerschein ganz schnell los und zweitens wird man auch älter und ruhiger. Ich weiß aber auch, was alles passieren kann. Meine Eltern hatten einen Abschlepp- und Bergungsdienst, den ich selbst zehn Jahre geleitet habe. Da habe ich so viele schlimme Sachen gesehen, dass mir bewusst geworden ist: 100 km/h ist nicht schnell, aber wenn du bei dem Tempo die Kontrolle über das Auto verlierst, was dann für eine Energie in einem Auto mit nahezu zwei Tonnen Gewicht entsteht. Das ist vielen leider nicht bewusst. Wenn es da knallt, ist es zu spät.

 

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Wenn ich das Lenkrad in der Hand halte, muss ich das Auto spüren. Das tue ich beim Insignia.

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Gefragter Experte: Der Opel-Markenbotschafter gibt seine große Motorsport- und Automobilerfahrung gerne weiter.

 

Bob-Pilot André Lange fuhr mit Tempo 150 den Eiskanal hinunter, welche Spitzengeschwindigkeit erreichten Sie denn auf vier Rädern?
Ich bin einmal mit André zusammen im Bob gefahren. Das ist wie, als wenn man eine Kugel durch den Kanal schießt. Wahnsinn. Ich selbst habe im Rennauto in Le Mans 368 km/h erreicht. 300 ist wirklich schnell, aber über 300 nimmt der Druck proportional so enorm zu, das ist unglaublich. In einer Sekunde 300 Meter! Man gewöhnt sich auch daran, aber das Rennen in Le Mans ist eine richtig harte Nummer, eine Runde hat zehn Kilometer mit fünf, sechs Passagen, die du immer mit weit über 300 fährst. Die körperliche Anstrengung hält sich in Grenzen, aber die mentale ist wahnsinnig groß. Bei 300 darf eben wirklich nichts passieren …

Herr Winkelhock, vielen Dank für das Gespräch. 


Stand Juni 2018

Text: Jens Hirsch; Fotos: Marcel Krummrich