ASTRAINE LEISTUNG

Kollegen öffnen uns
die Garagentür

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Sobald er den Zündschlüssel dreht, klingt es in Eleftherios Mattheakis’ Garage als erwache ein gewaltiges Raubtier aus tiefem Schlaf. Das Grummeln, das aus seinem Inneren kommt, lässt das Zwerchfell vibrieren. „Im Winter, wenn es kalt ist, ist es noch intensiver zu spüren“, lächelt der Hausherr. „Dann zittert die ganze Garage.“

Dabei sieht dieses Raubtier gar nicht so gefährlich aus. Wie ein Astra G Cabrio eben. Es ist ja auch eins: Baujahr 2003, ausgestattet mit einem 2.0 16V Turbo. Ein Triebwerk, wie Opel-Nostalgiker es lieben. Erschaffen hat es der legendäre Motorenentwickler Fritz Indra, gegrummelt hat das 190 PS-Aggregat bereits in den 1990er-Jahren in Calibra und Omega – allerdings nie so unter die Haut gehend wie in diesem Modell. Was ist mit diesem Exemplar geschehen? Hinter dem Lächeln des Hausherren steckt mehr als nur Besitzerstolz.

 

Silber mit roten Ledersitzen: Ein Cabrio mit Stil – und unbändigem Temperament.

Denn Eleftherios Mattheakis – den Kollegen besser bekannt als „Lefti“ – bändigt das Raubtier nicht nur, er hat es geschaffen. „Ich habe das Auto mit neuer Software versehen und mich seiner Innereien angenommen“, erklärt der Grieche. „Etwa geschmiedete Pleuel eingesetzt, Kupplung und Lager verstärkt, größere Düsen und einen 76-Millimeter-Auspuff eingebaut…“ Und, und, und. Unterm Strich, so der 43-Jährige, kommt sein Astra G nun auf 480 PS. Ist das nicht riskant? Nicht für einen, der sich auf Tuning versteht. Und Eleftherios Mattheakis versteht sich nicht nur aufs Handwerk, sondern auch auf die Technik, die dahintersteckt.

 

Es liegt in der Familie

Einen großen Teil seiner Jugend hat er in der Autowerkstatt verbracht, die sich in unmittelbarer Nähe seines Zuhauses in Rüsselsheim-Königstädten befand. Erst Mofas frisiert, dann Mopeds, dann das erste Motorrad, dann das erste eigene Auto. Und als er begann, bei Opel Elektroniker zu lernen, war auch klar, welcher Marke er künftig seine liebste Freizeitbeschäftigung widmen würde. Eine Überraschung war das freilich nicht. Denn schon sein Großvater arbeitete für den Blitz, ebenso seine Eltern. Mittlerweile sind sie wieder nach Kreta zurückgekehrt, zu den Wurzeln der Familie.

Schrauber und Akademiker: In Sachen Tuning macht Eleftherios Mattheakis niemand was vor.

„Ich habe auch nach 25 Jahren
noch nicht einen Punkt in Flensburg.“

Immer informiert: Wer mit viel Power unterwegs ist, will Leistungsdaten Abgas-/Öl-/Ladelufttemperatur und Ladedruckanzeigen „live“ checken.

Seine Kumpels, die mit der gleichen Leidenschaft Motoren frisierten, setzten lieber auf kostspieligere Marken, „aber ich wollte mich nicht abhängen lassen.“ Also nahm er sich zunächst einen Astra F vor, später einen Omega, um mithalten zu können. „Ich wollte den anderen zeigen, was man mit einem Opel machen kann.“

Als er selbst Vater wurde, rückten zunehmend familienfreundliche Modell ins Visier des Tuning-Spezialisten.  Unter anderem frisierte er den 1.2 Liter 16V eines Agila auf 105 PS hoch. Den hat er auch nach 15 Jahren noch in seinem Besitz, obwohl er mittlerweile Liebhaberangebote für das gute Stück erhält. „Ich gebe ihn aber nicht her. Warum auch? Der frisst kein Brot und geht nicht kaputt.“ Außerdem sei der Agila ein kleines Raumwunder: „Mit dem habe ich schon eine Waschmaschine und einen Trockner gleichzeitig transportiert, das soll mir ein anderer mit einem Auto in dieser Größe erst einmal nachmachen.“

 

Zeit, dass sich was dreht: Das Raubtier wartet auf seinen Einsatz.


Technische Daten


Umbau Seit 2005, von ehemals 192PS/250Nm auf derzeit 500PS/550Nm

Motor Original ein Z20LET, umgebaut auf Z20LEH Kolben- und Kolbenbodenkühlung; Ausgleichswellen entfernt; Cat Cams Stahlpleul; Glyco Sputterlager; APR-Schrauben; DBilas-Luftfilterkasten/-Ansaugkrümmer/-Ladeluftkühler; C18XE Nockenwellen mit einstellbaren Nockenwellenrädern; Walbro Benzinpumpe mit Zusatztank; 630ccm Düsen; Turbolader EFR7163; Friedrich 3-Zoll-Auspuffanlage mit HJS-Kat; Schwungrad erleichtert; Sachs Performance-Kupplung; Einzelabstimmung bei Dbilas

Getriebe Umgebaut auf X20DTL, neue Synchronringe; PhantomGrip-Sperre

Karosserie Bis auf eine derzeit demontierte Domstrebe Original mit nur 110.000 km reinem Sommerbetrieb seit Erstzulassung

Fahrwerk Gewindefahrwerk von KW. Variante 3, einstellbar in Zug- und Druckstufe; härtere Buchsen an Fahrschemel; dickerer Stabilisator vom Zafira

Bremse Umgebaut auf Porsche Boxster S (986) Anlage mit Audi R8-Bremszange für die Handbremsfunktion; alles mit Stahlflexleitungen

Innenraum Abgas-/Öl-/Ladelufttemperatur und Ladedruckanzeigen von Apexi, Dooboards mit GroundZero 16er und Subwoofer im Kofferraum (Ground Zero Nucelar Power Endstufe mit 2kW)

 

Unter der Motorhaube geht’s rund: Der ursprüngliche OPC-Motor war schon nicht von schlechten Eltern, doch Eleftherios Mattheakis hat ihn tüchtig hochfrisiert.

Sich langsam an ein hochpreisiges Modell aus Zuffenhausen ranpirschen, dann mal kurz das Gaspedal durchtreten.

Ansonsten dienten schon mehrere Zafira zum Transport der nunmehr vierköpfigen Familie, und auch an die legt der Vater immer mal Hand an – mit mittlerweile weiter gewachsenem Sachverstand. Denn nach seiner Elektroniker-Lehre studierte Eleftherios Mattheakis Maschinenbau mit Schwerpunkt Fahrzeugtechnik. Später lehrte er auch selbst an der Uni, Konstruktionslehre. Heute ist er bei Opel im Aftersales-Bereich tätig.

 

Meisterstück in Sachen Tuning

Im Jahr 2013 sah er die Zeit gekommen, sein Meisterstück in Sachen Tuning zu vollbringen. In München entdeckte er den besagten Astra G. Das Cabrio mit den roten Ledersitzen war von seinem Vorbesitzer ebenfalls schon tüchtig „personalisiert“ worden. „Das war ein Musikfreak, da waren zwei Subwoofer im Kofferraum eingebaut, für die brauchte es eine Zusatzbatterie, sonst hätte die Lichtmaschine alle sechs Monate den Geist aufgegeben.“ Eleftherios Mattheakis hingegen schwebte eher das Nonplusultra an Motorensound vor.

 

Das Cockpit: Hier setzt Eleftherios Mattheakis auf die Originalausstattung.

Da steht es nun also. Ein 480 PS-Cabrio. Kann er dieses Monster eigentlich jemals ausfahren? Und wenn ja, wo? „Ab und zu fahre ich mal Sonntag morgens in aller Früh auf die A5 Richtung Kassel, da ist schön Platz auf der Autobahn“, erzählt der Grieche, der nichts vom Kriechen hält. „Schneller als 280 km/h bin ich aber noch nie gefahren – obwohl er laut Getrieberechner auf über 300 kommen müsste.“

Hinten grüßt die Heimat: Das Heck zieren die Umrisse der Insel Kreta.

 

Irgendwann ist es eben auch mal gut. „Ich könnte den Wagen auf 700 bis 800 PS hochtunen, aber diese Leistung kriegst du ohnehin nicht auf die Straße“, weiß er um seine Fähigkeiten, aber auch, wann es geboten ist, sich zurückzuhalten. Außerdem gehe es ihm gar nicht darum, um jeden Preis die Höchstgeschwindigkeit herauszukitzeln. „Sich ganz langsam an ein hochpreisiges PS-Modell aus Stuttgart oder Zuffenhausen ranpirschen, dann mal kurz das Gaspedal durchtreten und sich das Gesicht des anderen vorstellen, wenn er erkennt, dass es ein Opel war, der ihn gerade stehenließ – das macht doch viel mehr Spaß.“

Ich könnte den Wagen auf 700 bis 800 PS hochtunen, aber diese Leistung kriegst du ohnehin nicht auf die Straße.

 

 

Ein Verkehrsrowdy aber sei er auf keinen Fall. Das behauptet Eleftherios Mattheakis nicht nur, das kann er auch belegen. „Ich habe auch nach 25 Jahren nicht einen Punkt in Flensburg.“ Geblitzt worden sei er erst zwei Mal – „beide Male mit nur 5 km/h zu viel.“ Sich auf der Straße daneben zu benehmen, täte auch dem Familienfrieden nicht gut. Denn seine Ehefrau Chrisoula Alevizaki ist Rechtsanwältin – und auf Verkehrsrecht spezialisiert. Da ist es auch eine Sache der Familienehre, auf der Straße vorbildlich unterwegs zu sein.

 


Juni 2019

Text: Eric Scherer, Fotos: Alex Heimann