„Ein echtes Energiebündel“

Der Elektromobilität gehört die Zukunft – was Politik und Medien schon lange prophezeien, ist in der Automobilbranche längst angekommen. Stromer schonen die Umwelt und den Verbrauch der endlichen Erdöl-Ressourcen. Den rationalen Gründen für den Kauf eines E-Autos stehen allerdings (noch) vergleichsweise höhere Anschaffungskosten und eine ausbaufähige Ladeinfrastruktur gegenüber. Welche Variable gibt also schon heute den Impuls für die Nutzung eines elektrischen Fahrzeugs?

 

kann der Akku des Corsa-e aufnehmen.

Wenn es nach Stephane Le Foch und Fabian Kempfer geht, ist die Antwort ganz einfach. „Die Technik und pure Freude am Fahren faszinieren uns“, sagt Le Floch. „Elektrisch fahren macht einfach süchtig“, ergänzt Kempfer. Und das, obwohl die beiden Ingenieure bei Opel gar nicht mal in E-Projekte involviert sind.

Fabian Kempfer ist als Subsystem Architect in der Vorausentwicklung aktiv, Stephane Le Floch als Control Manager im Bereich Program Solutions. Ihre Begeisterung fürs elektrische Fahren ist rein privater Natur. Sie packte die beiden, als der Opel Ampera auf den Markt kam. Zwischenzeitlich ging sie soweit, dass sie sich gemeinsam mit einem Kollegen sogar einen Stromer des Markführers zulegten, um im Rahmen eines eigenen „Benchmark“-Tests festzustellen, wo ihre Marke in Sachen Elektromobilität noch dazulernen kann.

„Bei unseren Langstreckentests sind wir quasi unter Worst Case-Bedingungen gefahren, mitten im Winter“, erklärt Fabian Kempfer. „Bei höheren Temperaturen wären 20 bis 30 Prozent mehr Batterieleistung drin gewesen. Und man muss bedenken, dass der Corsa im Grunde ja nicht als Familien- und Langstreckenfahrzeug konzipiert ist.“

 

Am Adam Opel Haus: Fabian Kempfer (r.) und Stephane Le Floch laden ihre Corsa-e direkt an der Unternehmenszentrale.

Klar, dass die beiden E-Pioniere sofort hellhörig wurden, als Opel im vergangenen Jahr den Corsa-e vorstellte. Ihn mal auf einer Langstrecke mit ihren Ampera und Ampera-e zu vergleichen, könnte spannend werden, dachten sie sich. „Schließlich muss man bedenken, dass der Corsa im Grunde nicht als Familien- und Langstreckenfahrzeug konzipiert ist“, sagt Stephane Le Floch. Also fragten sie Program Engineering Manager Georg Schade, ob sie mit einem Modell aus der sogenannten „Capture Fleet“ ein paar Selbstversuche starten dürfen. Sie durften.

 

1.066 Kilometer nach Südfrankreich

Den Weg an die Côte dAzur verteilte Stephane Le Floch auf 89 bis 162 Kilometer lange Etappen und legte acht Ladestopps ein. Diese nahmen zehn bis maximal 39 Minuten in Anspruch. Im Jura lud er seinen Akku in nur 37 Minuten zu 87 Prozent auf. Für die Nutzung dieses Superladers musste er allerdings acht Euro zahlen, wie an zwei weiteren Stationen auch. So dass ihn der gesamte Trip am Ende 24 Euro kostete.

Der Corsa-e ist zudem sehr pflegeleicht, wie Le Floch erklärt: „Mal den Luftdruck kontrollieren, Wischwasser nachfüllen, irgendwann die Reifen wechseln – das war’s auch schon. Nicht einmal die Bremsen verschleißen. Und ich spare den Weg zur Tankstelle.“

 

„Mal den Luftdruck kontrollieren, Wischwasser nachfüllen, irgendwann die Reifen wechseln – das war’s auch schon. Nicht einmal die Bremsen verschleißen. Und ich spare den Weg zur Tankstelle.“

– Stephane Le Floch –

lenkte Stephane Le Floch den Corsa-e in acht Etappen von Rüsselsheim nach La Seyne-sur-Mer an der Côte dAzur.

 

 

Aufladen: Mit einem herrlichen Blick auf die Côte dAzur tankt der Corsa-e neue Energie.

Fabian Kempfer visierte derweil das 630 Kilometer entfernte Owschlag bei Kiel an. Er bewältigte die Strecke von Rüsselsheim nach Owschlag sogar zwei Mal unter umgekehrten Vorzeichen. Einmal mit Familie, wobei er seinen Zwillingen zuliebe die Priorität auf längstmögliche Etappen legte. Und einmal alleine, wobei das Anfahren der schnellsten Ladestation im Vordergrund stand.

„Weil das Fahrgefühl einfach unvergleichlich harmonisch ist. Die Leistung ist immer sofort da, wenn man sie braucht.“

Fabian Kempfer  –

 

„Lademöglichkeiten sind ausreichend vorhanden“, sagt Kempfer. „Die Routenplanung mit einem E-Auto stellt zwar etwas andere Ansprüche als mit einem Verbrenner, doch sie ist äußerst reizvoll – vor allem mit einem Corsa-e.“

 

High Performance Charger beschleunigen die Reise

Dessen Akku kann 100 kW aufnehmen. Eine komplette Batterieladung ist in einer Stunde abgeschlossen, nach 30 Minuten ist der Speicher zu rund 80 Prozent gefüllt. Sogenannte „High Performance Charger“ (HPC), die 100 kW und mehr abgeben können, sind aber noch nicht so stark verbreitet. „Es gibt sie jedoch genug, in Abständen von 100, maximal 150 Kilometern“, erklärt Kempfer. Und mit dem Navigationsgerät im Corsa-e sind sie auch leicht zu finden.

Das kann dann schon mal nach 100 Kilometern der Fall sein, auch wenn ein Corsa-e mit knapp 70-prozentiger Batterieladung locker 170 Kilometer schafft. Dafür kann auf kurzen Etappen schneller gefahren werden. Und: „Der Akku des Corsa-e verkraftet beliebig viele Schnellladungen. Und gerade das ist ein Problem verschiedener Wettbewerber.“

legte Fabian Kempfer zwischen Rüsselsheim und dem schleswig-holsteinischen Owschlag zurück.

 

Zwischenstopp: Auf dem Weg nach Owschlag lädt der Corsa-e an einem sogenannten „High Performance Charger“.

Nun also zu den Ergebnissen: Stephane Le Floch benötigte für die 1.066 Kilometer nach La Seyne sur Mer 13:17 Stunden. Die Ladepausen summierten sich auf 3:32 Stunden. Le Floch: „Wem das viel erscheint, der sollte bedenken, dass eine solche Strecke unabhängig vom Antrieb nicht ohne angemessene Ruhepausen bewältigt werden sollte und in Frankreich ohnehin ein Tempolimit von 130 km/h gilt – außerhalb der vielen Baustellen.“

Fabian Kempfe brauchte für die erste Fahrt – mit Familie – zehn Stunden, für die zweite Tour – alleine und unter Nutzung von HPC – waren es nur acht. „Sicher spielte dabei auch das geringere Gewicht eine Rolle. Aber die Strategie, mit mehreren und dafür kürzeren Stopps schneller ans Ziel zu kommen, kennt man ja auch aus dem Motorsport“, erklärt Kempfer, der nach seinen beiden Touren ein durchweg positives Fazit zieht. „Der Corsa-e ist ein echtes Energiebündel, das sich auch für die Langstrecke eignet – und das Fahren macht richtig Spaß.“

benötigte Stephane Le Floch auf der 1.066 Kilometer langen Reise zum Laden des Corsa-e


Juni 2020

Text: Eric Scherer, Fotos: Opel