Alles für die Füße

 

„Ihr Fuß knickt nach innen weg, dadurch wird der Außenrand überhaupt nicht belastet. Und wenn Sie nach vorne gehen, muss Ihr großer Zeh fast Ihr gesamtes Gewicht tragen.“ Interessant, was Marlon Grundel so alles über seine Füße erfährt. Dabei ist er nur mal kurz über eine Platte gelaufen. Die mag simpel aussehen, hat es aber in sich, im wahrsten Sinne des Wortes: 2.000 Sensoren sind darin installiert. Diese Impulsgeber zeichnen ein detailliertes Bild, wie sich der Druck seines Körpergewichts auf seine Fußsohlen verteilt, während er geht. Und das wird innerhalb weniger Sekunden auf einem Monitor visualisiert und ausgewertet.

Patric Konrad, im Alltag Innendienstleister im Fachbereich Orthopädie eines großen Sanitätshauses, erkennt: Dem Werker aus der Türmodulfertigung kann mit einfachen Einlagen geholfen werden.

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So sieht’s aus: Orthopäde Patric Konrad interpretiert Marlon Grundels Fußbild.

Sie werden schon in zwei Wochen beim Werksärztlichen Dienst für ihn bereitliegen. Und dafür sorgen, dass die ungünstige Druckverteilung auf Marlon Grundels Füßen zu keinen größeren Beschwerden mehr führt. Der „Orthopädie-Check“ hat sich also gelohnt. Dabei hat er insgesamt nicht einmal eine halbe Stunde in Anspruch genommen.


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Nein, hier wird nicht gepiekt: Die Venen werden mit Hilfe von Infrarot-Sensoren untersucht, die an den Waden angebracht werden – garantiert ohne Nadeln.


„Kaum etwas wird mehr unterschätzt als Fehlstellungen von Füßen“, erklärt Christian Weyer, Bereichsleiter Betriebliches Gesundheitsmanagement der Bauerfeind AG. „Dabei haben fast 70 Prozent der Bevölkerung Spreiz- oder Senkfüße, Fehlstellungen der Zehen oder Fersenschmerzen. Dass diese auch Knie-, Hüft- oder Rückenschmerzen bewirken können, wissen die wenigsten.“

VOLKSKRANKHEIT FUSSFEHLSTELLUNGEN
In Zusammenarbeit mit der Betrieblichen Krankenkasse Viactiv und dem Werksärztlichen Dienst bietet Bauerfeind eine Woche lang Mitarbeitern des Werks Rüsselsheim in der ehemaligen Kantine der Lackiererei „Orthopädie-Checks“ an. Mit deren Hilfe können solche Zusammenhänge erkannt, bereits auftretende Beschwerden gelindert – oder ihnen frühzeitig vorgebeugt werden. Neben Einlagen erhalten die Teilnehmern bei Bedarf auch Sportstrümpfe und Bandagen. Oder es wird ihnen, bei problematischeren Befunden, eine weiterführende therapeutische Behandlung empfohlen.

Außer einer Fußdruck-Messung steht auch eine Untersuchung der Venen beider Beine mit Hilfe von Infrarot-Sensoren auf dem Programm. An einer dritten Station werden Rücken-Screenings vorgenommen, in denen die Wirbelsäule im Fokus steht.

Freisteller

Einfach auftreten – und die Expertise abwarten: Betriebsleiter Frank Schindel macht auch mit.


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Vielen ist schon mit einfachen Einlagen geholfen.

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Zwei Wochen nach dem Check liegen sie beim Werksärztlichen Dienst bereit.


Rund 500 Mitarbeiter checkt das Bauerfeind-Team in diesen fünf Werktagen.  „Teilnehmen kann jeder Mitarbeiter, der im Rahmen eines Gesundheitsfürsorge-Gesprächs von seinen Vorgesetzten einen Gutschein erhalten hat“, erklärt Dr. Anne-Marie Albuszies, Leiterin des Werksärztlichen Dienstes in Rüsselsheim. „Das Thema ‚gesunde Führung’ wird zunehmend wichtiger für die Beschäftigungsfähigkeit unserer Mitarbeiter und diese Aktion soll signalisieren, dass diese als fester Bestandteil unserer Unternehmenskultur gelebt wird“.

 

MIT GUTSCHEIN VOM MEISTER ZUM CHECK
Rund 15 Freiwillige, die die Checks absolviert haben, möchte die Ärztin zusätzlich für eine Langzeituntersuchung gewinnen. „Dabei wollen wir unter anderem dokumentieren, wie sich die Therapiemaßnahmen auswirken, die wir den Teilnehmern verordnen – und neue Erkenntnisse gewinnen, die uns allen nutzen.“

Die „Orthopädie-Checks“ im Werk Rüsselsheim sind die ersten, die Bauerfeind in unmittelbarer Arbeitsplatznähe bei Opel durchführt. Der leitende Gesundheitsmanager ist zuversichtlich, dass das Beispiel Schule macht: „Wir haben bereits Anfragen aus anderen Bereichen und von anderen Opel-Standorten.“

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500 Opel-Mitarbeiter, das sind 1.000 Füße in fünf Tagen: Bauerfeind-Gesundheitsmanager Christian Weyer ist zufrieden.

 

Und für diejenigen, die meinen, „Orthopädie-Check“ klinge wie „Zahnarztbesuch“ und sei mindestens ebenso unangenehm, gehen die Vorgesetzten mit gutem Beispiel voran. „Ich habe mich auch untersuchen lassen, damit meine Leute sehen, dass da gar nichts dabei ist“, erklärt Frank Schindel, Betriebsleiter in der Fertig- und Endmontage. In der Tat: Er hat die Checks gerade hinter sich – und lacht immer noch.

Stand Juli 2016

Text: Eric Scherer, Fotos: Andreas Liebschner/Asterion