Leidenschaft,
die sich auszahlt

„Alleine in einem Jahr habe ich 42 Opel gekauft und hergerichtet.“

– Daniel Holesch –

Der sympathische Niederbayer Daniel Holesch, der sich „Manta-Dany“ nennt, hat sein Hobby schon seit langem zur Berufung gemacht. Auf seinem Anwesen in Pfarrkirchen dreht sich alles um die Marke mit dem Blitz. Schon der erste Rundgang über den ehemaligen Bauernhof, der in den vergangenen Jahren komplett umgebaut und saniert wurde, lässt in jeder Ecke Entdeckungen machen. Eine ehemalige Scheune und der frühere Kuhstall mit umfangreichen Anbauten beherbergen beileibe nicht nur Mantas. Hier ist alles Opel.

Mit sichtbarer Freude an seinen Schätzen führt Manta-Dany den Besucher herum, weiß zu jedem noch so kleinen Exponat eine Geschichte zu erzählen. Hier ein Opel-Kühlschrank, da ein Opel-Kinderwagen, dort eine Schublade voller Marken- und Typ-Embleme. Dazwischen Fahrräder, Werbeutensilien, antike Radios, Devotionalien. Und natürlich Autos, Autos, Autos. Die Opel-Modelle aus allen Epochen sind fast ausnahmslos in beneidenswert gutem Zustand und nicht nur Danys persönliche Sammelstücke. Er handelt auch mit den Oldies.

 


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Opel-Wohnzimmer: Statt Couch und Fernseher stehen Manta und Ascona in der wohnlich ausgebauten Scheune – inklusive Auslegeware mit Blitz.

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Der Manta 400, angetrieben von einem 2,4-Liter-Motor mit vier Ventilen pro Zylinder und zwei obenliegenden Nockenwellen.

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Die Opel-Ranch: 2010 hat Daniel Holesch das Anwesen gekauft, seitdem wird an-, aus- und umgebaut.


Ältestes Stück der aktuell rund drei Dutzend Fahrzeuge umfassenden Sammlung ist ein Opel 1,2 Liter aus dem Jahr 1934. Selbstverständlich fahrbereit wie alle Autos, die auf dem Hof parken. Dany hatte den Wagen vor einem Jahr von einem Opel-Händler übernommen, wo er seit 1948 im Firmenbesitz war. Ganz so betagt ist der restliche Fuhrpark zwar nicht, dafür umso zahlreicher.

FAST JEDE WOCHE EIN NEUER OPEL
Der Platz, wer kennt das nicht, reicht nie. Erst 2010 hatte Dany das Anwesen übernommen und „nebenbei“ ein neues Wohnhaus, Stall und Scheune auf-, aus- und angebaut. Das vermittelt einen kleinen Eindruck von der Betriebsamkeit der Szene-Größe, denn die Bauarbeiten verliefen parallel zum Hauptberuf und zum regen Handel mit den Opel-Oldies. „Alleine in dem Jahr, als ich das Haus baute, habe ich 42 Autos gekauft und hergerichtet“, erzählt Dany. Weil die suboptimale Parksituation, wegen der man sich um einzelne Autos schier herumschlängeln muss, ihn ziemlich nervt, wird demnächst weiter gebaut. In zwei Jahren soll eine Halle mit nochmals 16 Stellplätzen auf dem weitläufigen Grundstück entstehen.

 


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Daniel Holesch erbte seine Opel-Begeisterung von den beiden größeren Brüdern.

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Jeder hat sich auf eine andere Baureihe spezialisiert, bei Dany wurden es die B-Mantas.

 

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Ältestes Stück der Sammlung: ein Opel 1,2 Liter aus dem Jahr 1934.


 

 

 

 

 

 

Auf die Frage, wie seine Frau zu der zeitintensiven Freizeitgestaltung steht, muss Dany lachen: „Die wusste vorher, worauf sie sich einlässt!“. Angesichts der Familienhistorie ein nachvollziehbarer Einwand. Denn beim Manta-Dany sind eigentlich alle infiziert. Er erbte seine Opel-Begeisterung von den beiden größeren Brüdern, jeder spezialisiert auf eine andere Baureihe, bei Dany wurden es eben die B-Mantas.

ENTWICKLUNG ZUM VOLLBLUT-PETROLHEAD
Dass die Entwicklung zum Vollblut-Petrolhead unausweichlich war, zeichnete sich bereits früh ab. Mit sechs Jahren auf Bruders Mofa schwarzfahrend brach sich Klein-Dany bei einem rüden Sturz das Schlüsselbein, was offensichtlich nur zu noch größerem Engagement anstachelte. Auch das mit den Oldies stand früh fest, den ersten legte sich Dany als 14-Jähriger zu: Heimlich kaufte er sich vom ersten per Ferienjobs verdienten Geld eine NSU Quickly, richtete sie mit großem Einsatz wieder her und versteckte sie konspirativ beim Nachbarn vor den Eltern. Dass er das Legende-Moped mit 18 gegen einen liebesbedürftigen Opel Admiral tauschte, legte zwar den Grundstein zur Sammlung, wurmt ihn aber bis heute – Dany hat sich längst eine „neue“ Quickly besorgt und so hergerichtet wie seine erste.


Daniel Holesch über den Trend zum Opel-Youngtimer

 

« Seit fünf Jahren gehen die Preise für Opel-Youngtimer steil nach oben. Und ich bin mir sicher: Dieser Trend hält an. Für einen gut erhaltenen Manta GSI, Baujahr 1987/88, muss man inzwischen etwa 15.000 Euro hinblättern.

« Besonders gefragt sind sportliche Modelle mit über 100 PS. Etwa Manta A und B, der Kadett C GTE oder der Ascona B Sport.

« Die Mehrzahl meiner Kunden sind zwischen 25 und 40 Jahre alt, sind die Fahrzeuge also nie selbst gefahren. Dann gibt es aber auch die Kunden 50plus, die sich mit dem Kauf ihren Jugendtraum erfüllen.

« Die Faszination lässt sich am besten mit dem Gefühl des reinen, puren Autofahrens erklären.

« Wer sich für einen (noch günstigen) jungen Klassiker interessiert, dem empfehle ich Omega A, Kadett E GSI, Senator A. Allesamt Fahrzeuge, die demnächst in den Status eines H-Kennzeichens kommen.
Die Calibra Turbo-Modelle sind auch nicht zu verachten, ebenso wie der 4×4 Turbo Vectra.


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Luxuriöses Stück: der Bitter Insignia 2.8, praktisch im Neuzustand.

 

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Er stammt aus dem Vorbesitz von Erich Bitter.


Was die automobilen Kostbarkeiten angeht, ist der Dany gar nicht so Manta-kapriziert, wie sein Spitzname vermuten lässt, denn es lassen sich allerlei Opel-Schmuckstücke anderer Baureihen entdecken. Luxuriösestes Teil am Platz ist der Bitter Insignia 2.8, praktisch im Neuzustand, aus dem Vorbesitz von Erich Bitter persönlich.

Der obligatorische Opel GT fehlt ebenso wenig wie Kadetten mehrerer Generationen und natürlich Mantas. Mit Ausnahme eines etwas patinierten Commodore B alle in Traumzustand. Und alle sofort fahrbereit. Wie zum Beweis steigt Dany in den Commodore, dreht den Schlüssel, nach zwei-drei Kurbelwellenumdrehungen grummelt der Sechszylinder ruhig vor sich hin. „Ich hab in meinem Leben schon so viele Autos geschoben, da hab ich keine Lust mehr drauf“, erklärt er. Jedes Fahrzeug, das bei ihm steht, ist sofort startbereit und fährt.

UNVERKÄUFLICHE EXEMPLARE
Zur Sammlung gehören allerdings auch unverkäufliche Exemplare aus der Opel-Historie, und das sind nicht wenige. Die schrillste Erscheinung ist zweifellos der Mattig-Manta in Bonbonfarben, der originalgetreu dem Filmauto aus Til Schweigers Jungschauspielerzeit nachempfunden ist. Bis auf die Maschine, Dany hat der Flunder einen rund 240 PS leistenden 3,6-Liter-Motor gegönnt.


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Die schrillste Erscheinung: der Mattig-Manta in Bonbonfarben.

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„Schlechtwetter-Auto“: Kadett C mit „leichter“ Leistungsoptimierung.


 

 

 

Oder sein „Schlechtwetter-Auto“ in einem Zustand, den sich mancher für seinen Sonntagsausflugs-Oldtimer wünschen würde: Ein knallroter Kadett C mit, wie soll es bei Dany anders sein, „leichter“ Leistungsoptimierung. Im Schaufenster des Anbaus parken einträchtig ein weiterer C-Kadett mit 7464 Kilometern und ein Ascona B mit 3686 Kilometern auf der Uhr, beide wie neu.

WALTER RÖHRL LÄSST GRÜßEN
Doch nicht jedes Fahrzeug, das er besitzt, steht auch auf dem Hof. Ausgerechnet zum Hausbesuch fehlt das Schmuckstück der Sammlung, das gerade beim Lackierer den letzten Feinschliff erhält. Ein Ascona 400, originalgetreu aufgebaut nach dem Vorbild von Walter Röhrls Siegerauto von der Rallye Monte Carlo 1982. Danys großes Idol hat an dem Wagen ebenfalls Gefallen gefunden. Sobald der Ascona fertig ist, sagte der Röhrl auf einem Treffen, „kommst vorbei und wir fahren eine Runde“. Ausgemacht. Das wird das nächste Highlight in Manta-Danys Opel-Universum.

 

Stand August 2016

Text und Fotos: Torsten Seibt