Ein Platz für sanfte Königinnen

Bienenstöcke auf dem Werksgelände von Wien-Aspern.

200 Millionen Bienen gibt es in etwa in Wien. Nicht nur wild angesiedelt, sondern auch auf zahlreichen Bauten: auf dem Dach des Erste Campus, auf dem Naturhistorischen Museum, auf den Dächern mehrerer Hotels … Warum also nicht auch auf dem Werksgelände von Opel Wien Bienen ansiedeln? Die Umweltmanager Josef Fangl und Gregor Trunk fanden eine besondere Lösung.

Die Bienen, die jetzt bei Opel Wien zuhause sind, sind nämlich nicht irgendwelche Bienen. Ihr Besitzer, Horst Messerer, ist zertifizierter Bioimker und hat sich auf die Zucht von Bienenköniginnen und die Vermehrung von Bienenvölkern spezialisiert. Wobei Bio eine ganze Reihe von Vorgaben bedeutet: Bienenkisten aus Holz, Biowachs, Biosirup als Futter – bis zu zwanzig Bienenstöcke hat Imker Horst Messerer auf dem Asperner Werksgelände stehen.

 


Nur die Besten der Besten
kommen weiter

„Meine Königinnen sind so beliebt, weil sie sanftmütig und fleißig sind“, sagt Horst Messerer. Und versendet Königinnen nach Polen, Rumänien, Bulgarien, Deutschland und natürlich Österreich. Bienenvölker müssen die Käufer aus Österreich direkt bei den Bienenstöcken abholen.

Der Imker beschreibt sein Ausleseverfahren: „Wenn ich bei einem Bienenstock mehrfach gestochen werde, überlege ich mir die Königin auszutauschen. Ein Bienenvolk steht und fällt mit der Königin.“ Die Bienenkönigin – je Bienenstock gibt es etwa 50.000 Arbeiterinnen, 3.000 bis 5.000 Drohnen und eine Königin – bestimmt den Charakter des gesamten Bienenvolkes. Wie gut eine Bienenkönigin ist, bestimmen vor allem fünf Kriterien: der Wabensitz, die Honigleistung, die Sanftmut, der Putztrieb, die Schwarmneigung.

Horst Messerer legt besonders strenge Maßstäbe an: „Jedes Volk wird mit 4 bis 1 bewertet. Nur die Besten der Besten werden weiter gezüchtet.“ In Langenzersdorf und an einigen Plätzen in Wien hat er Bienenstöcke stehen. Die Völker darin werden von ihm pro Saison drei- bis viermal geteilt und – sobald sie ordentlich gewachsen sind – in der nachfolgenden Saison weiterverkauft.

 

 

Horst Messerer, zertifizierter Bioimker, bei seiner Arbeit.


Bis zu 50.000 Bienen leben in einem Bienenstock.


Imker Horst Messerer demonstriert, wie ruhig und sanftmütig seine Bienen sind.


Bienen bei Opel Wien


Anfang Mai 2018: Prekariumsvertrag mit Imker Horst Messerer zum Aufstellen von  bis zu zwanzig Bienenstöcken auf dem Werksgelände

Stellplatz: westlich von Halle 70 (besser bekannt als ehemalige Delphi-Halle), in einem abgesonderten Bereich außerhalb des Werkszauns

Imker: Horst Messerer https://www.biene-austria.at/


Die Bienen fliegen von ihren Bienenstöcken aus in einem Umkreis von drei bis fünf Kilometern umher, um Nektar und Pollen zu sammeln.


In Aspern gibt’s kein
Bienensterben

Die gesunden Bienenvölker von Horst Messerer sind gefragt. Denn an vielen Orten macht das Bienensterben Imkern zu schaffen. Die Ursachen: Pestizide, die Varroa-Milbe, der Klimawandel und andere Umweltbedingungen. Das Erfolgsgeheimnis des Asperner Imkers: „Ich bin ständig auf der Suche nach guten Plätzen, wo ich meine  Bienenstöcke unterbringen kann.“ Er beschreibt, warum das Opel Wien-Werksgelände ein guter Platz ist: Hier gebe es keine intensive Landwirtschaft, also auch keine Pestizide. Es sei ein naturbelassenes Areal, in nächster Nähe des Naturschutzgebiets in der Lobau. Mit Wasser, vielen Blumen.

 

Bienenarbeiterinnen sammeln in einem Radius von drei bis fünf Kilometern Entfernung von ihrem Bienenstock Nektar und Pollen.

Wöchentlich besucht der Imker seine Bienenstöcke, um sie zu kontrollieren. Von Mai bis Juli ist Hochsaison: da werden die Völker vermehrt. Im August und September ist Hegen und Pflegen angesagt. Im Juli wird erstmals mit Ameisensäure gegen die Varroa-Milbe „geimpft“; im September ein zweites Mal. Bis dahin, von April bis Juli, vermehren sich die Bienenvölker von zuerst rund 8.000 je Volk auf rund 50.000. Danach lässt das Wachstum der Bienenvölker nach. Ab September bereiten sich die Winterbienen auf die kalte Jahreszeit vor.

 


Stand August 2018

Text: Kristin Engelhardt, Fotos: Helga Mayer