Der Oldtimer-Versteher

Kurt Setzer (Jahrgang 1969) muss man nur zuhören, um echte Autoliebe zu erkennen. „Der C-Rekord Caravan 1900er von meinem Vater war der Wagen, mit dem ich als Zehnjähriger im Garten meine ersten Meter fuhr, an dem ich das erste Mal herumschraubte und ihm einen anderen Farbanstrich gönnte.“ Und dann: „Das erste Auto auf der Straße war ein Opel Manta B 1,9. Den habe ich gekauft, hergerichtet und bin gleich damit in den Urlaub gefahren.“

Die Autos seines Vaters kann er wie am Schnürchen aufzählen: „Das erste Auto war ein Olympia Baujahr 1951, dann kam ein 55er Olympia und dann – beim Hausbau – ein Olympia Rekord Caravan P2 1700.  In Bahamablau. Das war das Auto, in dem ich nach der Geburt nach Hause gebracht wurde.“ Danach folgte ein Kadett B (1100 cm), den die Mutter nach dem frühen Tod des Vaters übernahm.

Im Rekord C Caravan 1900 fuhr Kurt Setzer seine ersten Meter.

Kurt Setzer mit seinem Omega zu Besuch in Wien-Aspern.

Opel,
der Zuverlässige

Bei Kurt Setzer folgten auf den Manta ein Leben lang lauter Opel-Modelle: Kadett C Caravan, Rekord C Caravan, Rekord D Caravan und Rekord D Limousine. Danach kamen noch Omega A Caravan, Astra F Cabrio, Omega Limousine, Omega B Caravan und Omega B Limousine 2,2 Liter. Dieses Auto fährt er heute noch. Alle seine Autos reparierte der Opel-Oldtimer-Fan selber, gab ihnen neue Lackierungen und pflegte sie liebevoll.

Warum er – trotz unterschiedlicher beruflicher Stationen – all die Jahre immer Opel gefahren ist? „Das sind zuverlässige Autos, nie ist mir ein Opel verreckt. Und ich habe Erfahrung beim Reparieren von Opel-Modellen.“

Einziges Zugeständnis: „Ich habe als Zweitwagen einen Chevrolet Caprice Classic. Naja, immerhin bin ich der Marke GM treu geblieben.“

Der Rekord C Caravan 1900 aus Kindheitstagen.

Kurt Setzer’s Mutter mit „Onkel Paul“ vor dem Olympia Rekord Caravan 1700 in Bahamablau.

Werdegang

Der Niederösterreicher absolvierte die Kfz-Mechaniker-Lehre bei Karl Wild, der in Zwölfaxing – also nahe gelegen von Kurt Setzer’s Heimatort Fischamend – einen Kfz-Betrieb hatte, legte dort die Meisterprüfung ab und avancierte sogar zum Geschäftsführer-Stellvertreter. Dann wechselte er zu Opel Bogoly in Bruck/Leitha, danach zu einem Wiener Volkswagen-Betrieb und dann zu Opel Pruckner in Korneuburg.

2004 legte er die Kfz-Sachverständigen-Prüfung ab und arbeitete bei der Erste Bank im Flottenmanagement sowie bei Reparaturkontrollen und Freigaben. 2011 folgte die Kfz-Sachverständigen-Prüfung für Oldtimer. Seit 2017 ist Kurt Setzer als Kfz-Sachverständiger selbständig.

Den Rekord D Caravan 1900 lackierte Kurt Setzer eigenhändig in Rosso Tramanto.

Oldies
haben ihren Wert

Chevrolet Caprice Classic Station

Ein Kfz-Sachverständiger hat die Aufgabe Fahrzeuge zu bewerten; für die Versicherung oder wenn ein Verkauf ansteht. Bei Oldtimern eine eigene Wissenschaft.  „Da geht es um die Bewertung technischer Mängel oder um die Bewertung von Reparaturen und Restaurationen.“ Originale Ersatzteile – insbesondere Karosserieteile und Formgußteile – spielen dabei eine besondere Rolle. Auch Fotodokumentationen von Restaurationen erstellt Kurt Setzer auf Wunsch.

Zum Wert von Oldtimern holt der Experte aus: „Je nach Baujahr gibt es da große Unterschiede. Seltene Modelle sind besonders wertvoll. Zum Beispiel vom Diplomat A Coupé gab es nur 347 Stück. Das hat sich auf den Wert ausgewirkt. Oder zum Diplomat B gab es im Jahr 2014 eine Erhebung des Statistischen Zentralamts: nur 20 waren gemeldet.“

 

 

Auch einen Kapitän A Baujahr 1966 nennt Kurt Setzer sein Eigen.

Kapitän A Baujahr 1966 frontal

Das tatsächliche Alter muss nicht unbedingt eine Rolle spielen: „Vom Olympia Rekord Baujahr 1953 gab es viele am Markt. Die sind nur einige tausend Euro wert. Anders ein Kapitän Baujahr 1956 in Luxusausführung. Der kann bis zu 40.000 Euro wert sein. Und ein Kapitän Baujahr 1938 noch viel mehr.“

Kurt Setzer mag seine Autos von außen und innen.


 

August 2019

Text: Kristin Engelhardt, Fotos: Helga Mayer, Kurt Setzer