Summer in the City

Kollegen und Opel-Fans öffnen uns die Garagentür

Und welches Schmuckstück haben Sie zu Hause geparkt? Schreiben Sie uns: opel.post@opel.com

Die Sonne steht tief am Himmel, umstehende Mauern werfen aber nur wenig Schatten auf den glühenden Asphalt des Parkplatzes – und irgendwie will das Thermometer heute nicht unter die 30 Grad-Marke fallen. Wir sind vor dem Rüsselsheimer Restaurant Las Brisas verabredet. Mit Christian Bargon und seinem Opel Kadett City. Beide sind bereits da, der Besitzer sitzt lässig im Kofferraum, die geöffnete Heckklappe hält als Sonnenschutz her. Bargon muss lächeln. „Ja, der Wagen hat etwas Magisches“, sagt der 32-Jährige und schmunzelt, „er zaubert den Menschen immer ein Lächeln ins Gesicht.“

 

Zeuge einer Zeitenwende

Dabei ist Bargons jadegrüner Kadett C Zeuge einer Zeitenwende. 1979 lief er vom Band. Es war das Jahr, in dem Wissenschaftler zur ersten Weltklimakonferenz in Genf zusammenkamen, in dem der „Walkman“ das Musikhören mobil machte, in dem sich China unter Staatschef Deng Xiaoping in Richtung Westen öffnete – die Geschichte hat es gewollt, dass das Jahr 1979 den Aufbruch in die Moderne markierte. Auch bei Opel. Auf der IAA im September gab mit dem Kadett D der erste Opel mit Frontantrieb sein Debüt. Der Hinterradantrieb des Vorgängers hatte ausgedient.

Kadett City: Die dreitürige Schrägheckversion des Kadett C lief von 1975 bis 1979 vom Band.

Doch was Ende der 70er-Jahre zu Recht als überholt galt, macht den Kadett C heutzutage zu einem äußerst beliebten Klassiker. Für Bargon ist die dritte Kadett-Generation seit Kindheitstagen ein Sehnsuchtsobjekt. Vor allem die Heckklappen-Variante, die aus dem vielseitigen Bestseller bis heute den perfekten Stadtflitzer macht. Es war der höchste Feiertag der Region – ein Rosenmontag – als er den Wagen im  rheinhessischen Nieder-Olm erwarb. Das ist jetzt eineinhalb Jahre her.

 

Versierte Kadett-Kenner

Ein Opel-Kollege trennte sich schweren Herzens von seinem C-Modell. Zum Kauftermin mitgenommen hatte Christian Bargon versierte Sachverständige, seinen Onkel Harald und seinen Vater Wilhelm, die beide jahrelang selbst begeisterte City-Schrauber und -Fahrer waren. Letzterer ist allseits bekannt. Schließlich hatte Wilhelm Bargon jahrelang im Ordnungsamt der Stadt Rüsselsheim gearbeitet, wo er für Radarkontrollen zuständig war, und als „Blitzer-Willy“ in seinem weißen Opel Omega zur Legende seiner Heimatstadt wurde.

Stolzer Besitzer: Christian Bargon nutzt seinen Kadett City als „Schönwetterfahrzeug“ und für ausgewählte Reisen.

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Rund 1,6 Millionen Mal wurde der Kadett C gebaut, 263.090 davon als City.

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Geschwindigkeit, Uhrzeit, Drehzahl: Das Armaturenbrett hat die wichtigsten Informationen stets parat. Das original Sportlenkrad gab es zum Aufpreis von 26 D-Mark.

 

Kult: Die 13 Zoll messenden ATS-Felgen und 185 Millimeter breiten Reifen gehören zum sportlichen Design des Kadett City.

Der Wagen mit 1,6-Liter-Motor ist in einem Top-Zustand. Man wird sich schnell handelseinig, die Bargons schrauben ein rotes Nummernschild ans Auto und ab geht’s zum TÜV. Allerdings nicht nach Mainz – wo man an einem Rosenmontag höchstens eine Zugplakette bekommt –, sondern über den Rhein nach Rüsselsheim. Hier entfaltet der frisch erworbene C-Kadett das erste Mal seinen magischen Zauber. Der Ingenieur Thorsten Mahr sieht den Prüfling – und lächelt. Er leitet die Prüfstelle der Gesellschaft für Technische Überwachung (GTÜ) und ist selbst ein großer Kadett City-Fan.

 

Nein, es ist kein GT/E

„Es tut mir leid, bei mir kriegt der C-Kadett die Plakette nur mit ‘ner Zweiliter-Maschine“, stellt der Ingenieur jedoch trocken fest als er die Motorhaube öffnet. Es dauert ein wenig, bis Christian Bargon dämmert, dass er einem Insider-Joke dieses intimen Opel-Kenners zum Opfer gefallen ist. Ein 2,0-Liter-Aggregat wurde damals nämlich nur in der Rallye- und der GT/E-Variante des C-Coupé verbaut. Der 1,6er sollte die Fahrerlaubnis – nur die Bremsen mussten überholt werden – natürlich erhalten.

 


Der Globetrotter


Vielseitigkeit war das Markenzeichen des C-Kadett: Es fuhr als zwei- und viertürige Stufenhecklimousine vor, als Caravan und elegantes Coupé. Der Kadett City mit Heckklappe (ab 1975) und die  Cabriolet-Limousine Aero (ab 1976) stießen hinzu. Als Reaktion auf die Ölkrise gab der C-Kadett zudem das Sparmodell mit 40 PS. Am anderen Ende der Skala stand der GT/E mit einem 1,9-Liter-Motor und 105 PS. 180 Stundenkilometer waren damit drin. Später gab es sogar bis zu 115 PS.

Der Opel Kadett C mobilisierte die Menschen weltweit: In Japan trug er den Namen Isuzu Gemini, als Holden war er in Australien unterwegs in den USA als Chevrolet oder Pontiac. Nicht nur in Großbritannien, auch in Argentinien orderte man ihn unter dem Namen Vauxhall Chevelle. Der Opel Kadett C wurde von nicht weniger als 14 Marken mit über 40 unterschiedlichen Modellbezeichnungen und in noch mehr Karosserie- und Ausstattungsversionen auf allen Kontinenten produziert.

 

Blick unter die Haube: Hier schlummert ein 1,6 Liter-Aggregat mit 75 Pferdestärken.


Technische Daten


Opel Kadett City mit Berlina-Ausstattung
Baujahr
1979
1,6-Liter-S-Motor (Superkraftstoff)
Zylinder   4
Hubraum    1584 cm³
Max. Leistung bei 5200 min -¹     55 kW/75PS
Drehmoment bei 3800 bis 4200 min -¹    115 Nm

Wagenabmessungen
Länge   3895mm
Breite   1580 mm
Höhe   1375 mm

Höchstgeschwindigkeit   155 km/h
Beschleunigung von 0 auf 100 km/h   13 Sekunden
Neupreis inklusive diverser Extras   13.233 D-Mark

Seither entscheidet sich Bargon nicht immer, aber so oft als möglich, für den City. Der Rüsselsheimer nimmt Platz auf den braunen Velourssitzen, die sich nicht von ungefähr um Hochwertigkeit bemühen. Sie sind Teil der gehobenen Berlina-Ausstattung. Nimmt das Sportlenkrad zur Hand – ein Extra, das sich schon der erste Besitzer gegönnt hatte. Das Fahren: Ein Vergnügen! „Anspruchslos bis zum Abwinken und im Alltag fast unbegenzt haltbar“ – die Simplizität macht für Bargon die besondere Faszination seines Oldtimers aus.

 

Familiäre Verbundenheit

Die charakteristischen Designmerkmale: flacher Kühlergrill, die Motorhaube mit typischer Bügelfalte sowie die zum Spoiler ausgebildete Frontschürze. „Diese Formensprache der 70er-Jahre ist zeitlos schön und der Kadett City für mich ein Stück Kindheit“, sagt Bargon, der selbst freilich erst in den 80ern zur Welt kam.

Alles im grünen Bereich: Passend zur Außenfarbe hat Christian Bargon weitere Accessoires im Innenraum seines Kadett City platziert.

Wenn die Tage den Zusatz „Schönwetter“ nicht verdient haben, steigt Bargon in seinen Astra G Cabrio. Schließlich ist für den Rüsselsheimer ein Opel selbstverständlich – obwohl er bei einem Nauheimer Metallbau-Unternehmen in Lohn und Brot steht: „Unsere Familie ist der Marke schon immer verbunden.“

 

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Heute ist der C-Kadett als Kultobjekt beliebter denn je – siehe das Kadett C-Treffen in Kaiserslautern, zu dem Fans aus ganz Europa pilgern. 

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Ab und zu geht’s aber mit dem City auch auf Reisen. Etwa ins thüringische Suhl, wenn ein historisches Zweirad-Treffen ansteht, denn Bargon sammelt alte Mopeds und Motorräder. Seine Simson etwa stellt er dann auf einen Trailer und hängt diesen an die Anhängerkupplung des City – nostalgischer geht’s kaum. Und ja, der Kadett C verliert auch jenseits der hessischen Landesgrenze nicht seine Magie. Auch in Thüringen bringt er die Menschen zum Lächeln.

Purer Fahrspaß: Christian Bargon am Steuer seines Kadett City, dessen offizielle Höchstgeschwindigkeit übrigens bei 155 km/h liegt.


 

August 2019

Text: Eric Scherer, Fotos: Alex Heimann