„Stuttgart? Da gäb’s
zu viel Käsekuchen“

Natürlich wird ihm die Frage auch in dieser Runde gestellt. So, wie sie ihm zuvor auch schon von Moderatorin Yvonne Ransbach gestellt worden ist, die ihn vor Hunderten begeisterter Fußball- und Autofans am Opel-Stand interviewt hat. So, wie sie ihm in diesen Tagen ständig und überall gestellt wird, wo immer er sich blicken lässt, ob im „Astra Universum“ auf der IAA oder sonstwo. „Wohin geht Jürgen Klopp?“ – das fragt zurzeit jeder, der sich auch nur halbwegs für Fußball interessiert.

Benedek Nemeth, der seinen Vater Zoltan zum „Meet&Greet“ am Opel-Stand begleitet hat, will es sogar ganz genau wissen – und erklärt auch, weshalb: „Ich hab in England studiert, viele Freunde in Liverpool und die mögen Sie alle sehr – können Sie nicht an die Anfield Road wechseln?“

 

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Wenn das mal keine neuen Spekulationen entfacht: Der Meistertrainer unterschreibt auf einem Trikot des Kreisligisten SG Wambach/Bärstadt, Zoltan Nemeth assistiert.

 

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Da werden seine Mitspieler Augen machen, freut sich Nils Kajuth (kleines Foto) mit seiner Familie.

 

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„LIVERPOOL? DAS IST JA MAL EINE GANZ KONKRETE FRAGE“
Stöhnen, seufzen, genervt die Augenrollen oder eine gängige „Schau mer mal“-Phrase dreschen – das wären die üblichen Reaktionen vergleichbar gelöcherter Sporthelden. „Das ist ja mal eine ganz konkrete Frage“, antwortet dagegen Jürgen Klopp, und es klingt nicht einmal ironisch. Dann entschuldigt sich der Opel-Markenbotschafter sogar, dass er leider „keine so konkrete“ Antwort geben kann. Jürgen Klopp bleibt eben Jürgen Klopp, auch in seinem selbstgewählten Sabbatjahr, in dem er wohl durchgehend das leckerste Gewürz in den immerfort brodelnden Gerüchteküchen am Transfermarkt bleiben wird.

Warum nur will ihm niemand abnehmen, dass er im Moment einfach nur die Auszeit genießt, die er sich nach seinem Abschied von Borussia Dortmund verordnet hat – und dass er eben nicht permanent mit anderen Vereinen verhandelt? Darüber lamentiert der 48-jährige nicht, sondern er gibt sich wirklich Mühe, es der Runde zu erklären: „Ich bin früh Vater geworden, war Fußballprofi und hab gleichzeitig Sport studiert, dann bin ich direkt Trainer geworden – ein Job, der einem die Energie für alles andere abzieht. Ich hab jetzt das erste Mal wieder Zeit für mich, die will ich auskosten.“ Ausgeruht sei er nun, nach rund drei Monaten Freizeit. Jetzt kümmere er sich um seine Familie, pflege Freundschaften, die er jahrelang vernachlässigt habe, und nutze ansonsten die Zeit, um „klüger“ zu werden: „Ich bin immer ein vielfältig interessierter Mensch gewesen, den will ich wiederfinden.“

 

 

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Auf einem BVB-Trikot unterschreiben, das ist für Jürgen Klopp nichts Ungewöhnliches. Benedek Nemeth allerdings würde das Autogramm gerne unter einem Vertrag mit dem FC Liverpool sehen.

 

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 „Ich bin immer ein vielfältig interessierter Mensch gewesen, den will ich wiederfinden.“

– Jürgen Klopp –

 

BUNDESLIGA GIBT’S NUR NOCH IN DER KONFERENZSCHALTUNG
Klar gehöre dazu auch, sich mit den neuen Erkenntnissen der Trainingswissenschaften zu befassen. Und weiter Fußball zu gucken, obwohl es nicht einfach sei, die richtige Dosis zu finden. „Ich will zwar Abstand gewinnen, muss gleichzeitig aber auf dem Laufenden bleiben.“ Im Zweifelsfall schaue er Bundesliga in der Konferenzschaltung, einzelne „Live“-Spiele nur von der Champions League oder der englischen Premier League.

„Gönnen Sie sich jetzt abends auch mal ein Bier mehr?“, fragt Zoltan Nemeth von Opel Powertrain. So viel Einfühlungsvermögen in das Leben eines Langzeiturlaubers, der sich von jahrelangem Dauerstress erholt, amüsiert den Meistertrainer. Auch wenn er verneinen muss: „Eigentlich nicht. Ich trink zwar schon mal ein Bier oder einen Wein – aber saufen war noch nie mein Problem.“

 

„DER BVB HAT GUTE CHANCEN, MEISTER ZU WERDEN“
„Und was trauen Sie Ihrem alten Verein in dieser Saison zu?“, will Andreas Jung, Außendienst-Distriktleiter Service, wissen. Da eiert Kloppo nicht rum: „Die Borussia hat gute Chancen, Deutscher Meister zu werden. Die Jungs spielen zurzeit einen besseren Fußball als Bayern München – jetzt müssen sie aber zeigen, dass sie konstant genug sind.“

Nils Kajut, Ehemann und Begleiter von Einkaufs-Mitarbeiterin Tatjana Bellon, lässt nicht locker: „Beim VfB Stuttgart könnte auch bald wieder eine Trainerstelle frei werden…“ Die Spekulation pariert Kloppo humorvoll, aber mit einleuchtenden Argumenten. „Da kann ich unmöglich hingehen. Fast meine komplette Verwandtschaft wohnt in der Nähe von Stuttgart. Was glaubt Ihr, wie viel Käsekuchen ich da essen müsste?“

 

 

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Noch ein Erinnerungsfoto für Mama: Jürgen Klopp posiert für Tatjana Bellons Smartphone.

 

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 „Aber mein Beruf ist kein Wunschkonzert, Timing ist da ganz wichtig.“

– Jürgen Klopp –

 

„ZU VERBOHRT HINTER EINEM ZIEL HERRENNEN, IST AUCH NICHTS“
Wann er sich denn entscheiden werde, will Sascha Painter, Leiter der Getriebeentwicklung, wissen. Der Plan sei schon, bis nächsten Sommer Pause zu machen, versichert Jürgen Klopp. „Aber mein Beruf ist kein Wunschkonzert, Timing ist da ganz wichtig.“ Es müsse eben alles passen. „Ich denke, ich werde es schon merken, wenn ein Verein auf mich zukommt und sich das Gefühl einstellt, das isses.“ Dann hat er noch eine Weisheit parat, die auch außerhalb des Fußballgeschäfts gültig ist. „Zu verbohrt hinter einem Ziel her zu rennen, kann niemals richtig zum Erfolg führen.“

Keinen Tipp hat er allerdings für Tatjana Bellon, die wissen möchte, wie er bei sich zuhause den Familienfrieden intakt hält, wenn er ständig Fußball guckt. „Bei mir wird das halt als Arbeit verbucht, und wenn die auch noch gut bezahlt ist, hat meine Frau dafür Verständnis“ – in diesem Punkt ist Kloppo gegenüber rein hobbymäßig konsumierenden Fußballfans nun mal im Vorteil.

Ein gutes Viertelstündchen dauert das „Meet&Greet“. Und doch bietet es reichlich Gelegenheit, herzlich zu lachen – und den prominenten Opel-Markenbotschafter ein bisschen persönlicher kennenzulernen. Zum Abschluss gibt’s Autogramme, Erinnerungsfotos – und ein Sonderlob für Sascha Painters Söhne Carl und Philip, die in Ferrari-Shirts in der Opel-Lounge auflaufen: „Dazu gehört Mut“. Leo, der Sohn von Tatjana Bellon, verehrt Jürgen Klopp zum Abschied ein selbstgemaltes Bild. Es zeigt einen goldenen Pokal. Der Meistertrainer strahlt. Wer hätte das gedacht? Jetzt hat er sogar in seinem Sabbatjahr eine Trophäe gewonnen.

 

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Es gibt zwei neue TV-Werbespots zum neuen Astra, in denen Jürgen Klopp die Hauptrolle spielt:

www.youtube.com/watch?v=-PmqJEeGT-0

Clip: Warum Jürgen Klopp immer mit Fernlicht fährt.

www.youtube.com/watch?v=sB7eO-YsTuE

Clip: Jürgen Klopp weiß, was die Oberklasse ärgert.

 Stand September 2015

Text: Eric Scherer, Fotos: Andreas Liebschner (Asterion)