Ganze Arbeit

 

„Die ist ja gewölbt und geneigt. Ich glaube wir haben ein Problem“, sagt Opel-Ausbildungsmeister Frank Gromeier und starrt auf eine – offenbar schiefe – Wand im Berufsinformationszentrum Main-BiZ. Zusammen mit seinem Kollegen Carsten Zirkelbach und sechs Auszubildenden ist Gromeier in die neuen Räumlichkeiten der Agentur für Arbeit gekommen. Im Gepäck haben sie einen halben Opel ADAM. Nach der Handbremse beginnt die Wand.

Dass die schief ist, ist wohl ein Fehler. Im Gegensatz dazu wollten Gromeier und Co. den ADAM ganz genau so haben: der Länge nach halbiert, an eine Holztafel geschraubt und auf vier kleinen „Stützrädern“ stehend. Das Werk fungiert als Beispiel aus der Praxis und soll über die Ausbildung bei Opel informieren. Aus gutem Grund: Mit rund 600 Azubis im nur 29 Kilometer entfernten Rüsselsheim ist das Unternehmen einer der größten Ausbilder in der Rhein-Main-Region.

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Vom Motor bis zum Airbag…

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…erst einmal musste alles raus.


 „Überdurchschnittliche Leistungen aller Auszubildenden und herausragende Leistungen Einzelner können nur dann entstehen, wenn das Umfeld der Ausbildung insgesamt passt.“

– Stephan Menke, Ausbildungsleiter –

Das neue Main-BiZ ist als Erlebniswelt gestaltet. Auf mehr als 1.000 Quadratmetern können junge Menschen Berufe kennenlernen. Den Schwerpunkt hat die Agentur auf Mobilität, Verkehr und Logistik gelegt. Frankfurt ist der erste Standort, an dem die Agentur ihr neues Konzept zur beruflichen Orientierung verwirklicht hat.

Doch wie ist der nur noch 450 Kilogramm schwere ADAM überhaupt entstanden? Hauptverantwortlich dafür waren die Azubis Marco Wick, Aleksandar Filidzanovic, Felix Debus und Robin Schnückel. Das Quartett aus dem Bereich Kfz-Mechatronik war unter der Anleitung von Gromeier insgesamt sieben Wochen mit dem Projekt beschäftigt. „Das war schon eine große Herausforderung für uns. Aber wir haben dabei auch sehr viel über das Fahrzeug gelernt“, sagt Wick, während seine Kollegen die schiefe Wand ausmessen.


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Am Ende ist lediglich die Karosserie übrig geblieben.

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Der rückten die Azubis mit dem Winkelschleifer zu Leibe.

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Fünf Drehscheiben lang.


Bevor die Azubis das ehemalige Messefahrzeug durchtrennen konnten, mussten sie es zunächst in seine Einzelteile zerlegen. „Wir haben vom Motor bis zum Airbag alles rausgenommen. Am Ende war nur noch die Karosserie übrig“, erklärt Wick, der seine Ausbildung vor einem Jahr begonnen hat. „Dann haben wir den ADAM mit dem Winkelschleifer der Länge nach geteilt. Dabei sind insgesamt fünf Trennscheiben draufgegangen.“ Beim Schneiden des Interieurs halfen anschließend die Fahrzeuginnenraumausstatter und Zerspanungsmechaniker. „Ohne die Kollegen aus der Konzept-Werkstatt wäre das Projekt in der Kürze der Zeit gar nicht möglich gewesen“, wirft Gromeier ein. Die Azubis von Carsten Zirkelbach begannen mit der Vermessung. Sie zeichneten die Fahrzeugkontur nach und stellten dann eine entsprechend große Holztafel her. Das Auto wurde durch die Platte fest mit der Wand verbunden. Sechs Schwerlastdübel haben die Azubis dafür in die Tafel geschraubt.

Das Problem im Main-BiZ: Die Tafel ist gerade, die Wand ist schief. „Eigentlich hatten wir die Tafel optimal an die Kontur der Ausstellungsfläche angepasst. Jetzt müssen wir uns etwas einfallen lassen“, sagt Zirkelbach.

LEHRREICHES PROJEKT

„Was nicht passt, wird passend gemacht“, lautet das Motto. Und so finden die Azubis auch für dieses Problem schnell eine Lösung: Sie spachteln eine Masse zwischen Wand und Tafel. Und etwa 48 Stunden später ist das Projekt vollendet. Der halbe ADAM ist ganz fertig.

Bei der Wiedereröffnung des Main-BiZ ist der Lifestyle-Flitzer dann der Hingucker. „Ein sinnvolles und lehrreiches Projekt, von dem alle Beteiligten profitieren“, findet Opel-Ausbildungsmeister Gromeier. Denn manchmal ist es eben doch gut, halbe Sachen zu machen.


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Beim Schneiden des Interieurs halfen anschließend die Fahrzeuginnenraumausstatter und Zerspanungsmechaniker.

 


Ausbildung mit Qualitätsanspruch


„Eine Abbrecher-Quote von unter einem Prozent und die hohe Übernahmequote zeigen, dass wir jungen Menschen nicht nur während der Ausbildung, sondern auch danach eine echte Perspektive bieten.“

– Stephan Menke, Ausbildungsleiter –

Die Auszubildenden erreichten im Jahr 2014 bei den Prüfungen der Industrie- und Handelskammern (IHK) durchschnittlich 83 von 100 möglichen Punkten und bekamen dafür die Gesamtnote 2,2.


Das Ausbildungsniveau bei Opel liegt deutlich über dem Industrie-Durchschnitt. Dieses hohe Niveau ist bei Opel seit vielen Jahren nahezu konstant.


In den vergangenen zehn Jahren stellte Opel drei Auszubildende, die bundesweit den besten Abschluss in ihren Ausbildungsberufen markierten. Hinzu kommen neun Jahrgangssieger auf Landesebene. Die IHK ehrt jährlich die besten Auszubildenden für hervorragende Leistungen bei den Sommer- und Winterabschlussprüfungen.

Der Anteil der Opel-Azubis an den Prüfungsbesten beziehungsweise ausgezeichneten Absolventen ist traditionell höher als der IHK-Durchschnitt


Das hohe Ausbildungsniveau belegt außerdem die Zahl der Auszubildenden, die aufgrund guter Leistungen vorzeitig zur Abschlussprüfung zugelassen werden: Im Jahr 2014 verkürzten mehr als 50 Prozent aller Auszubildenden bei Opel ihre Lehrzeit auf diesem Weg. Die Quote der Auszubildenden, die die Lehre nicht schaffen, ist bei Opel unterdurchschnittlich.

Die Quote von rund 50 Prozent bei den vorzeitig abgeschlossenen Ausbildungen ist ebenfalls seit mehr als einem Jahrzehnt nahezu konstant.


Opel unterstützt aktiv eine Verkürzung der Lehrzeit, fördert damit die Motivation der Auszubildenden, überdurchschnittliche Leistungen zu erbringen, und setzt ausgelernte Kräfte schneller als Facharbeiter ein.


Die Abbrecher-Quote liegt bei unter einem Prozent.


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Jede Menge gelernt: Das Team, das halbe Sachen macht.


Stand September 2016

Text: Maximilian Köhling, Fotos: Opel, Peter Jülich