Der nette Verrückte

„Ich weiß genau, dumme Fahrer rasen zu sehr,
intelligente sind zu vorsichtig. Für mich kommt es darauf an,
die Synthese zwischen Verstand und Draufgängertum zu finden!“

——  Frederick „Rikky“ von Opel ——

 

 

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Siegerpose: Rikky von Opel beim Großen Preis von Deutschland auf dem Nürburgring 1973.

Mit diesen Worten beschreibt Rikky von Opel den Stil, mit dem er Anfang der 1970er Jahre die Formel 1 erobern möchte. So ganz nebenbei geben diese beiden Sätze einen guten Einblick in sein Leben, das geprägt ist von einer ordentlichen Portion Draufgängertum. Und das wurde ihm bereits in die die Wiege gelegt.

Rikky ist der Sohn des legendären „Raketen-Fritz“, der 1928 mit dem nicht minder berühmten RAK2 auf der Berliner AVUS Automobilgeschichte schrieb. Er wird 1947 in New York geboren und auf den Namen „Frederick“ getauft. Seine Mutter ist die zweite Frau des berühmten Adam Opel-Enkels, die kolumbianische Diplomatentochter Emita Herrán Olozaga. Rikky wächst in St. Moritz auf, geht in England zur Schule und wie seine Weggefährtin Lona Haberberger in Carlo von Opels „Geschichten und Anekdoten derer von Opel“ berichtet, siegt das südamerikanische Temperament schon früh über die Rüsselsheimer Ingenieursgene. Noch als Heranwachsender kapert Rikky heimlich nachts mit Freunden einen Bob und rast damit die St. Moritzer Olympiabahn herunter. Dabei brüllt er vor jeder Kurve: „Nicht bremsen, nicht bremsen!“

 

Britischer Meister in der Formel 3

Später motorisiert er sich und mit Anfang 20 stellt Rikky von Opel in der Formel Ford 1600 erstmals sein Talent unter Beweis. Gestartet ist er in der Formel Ford 2000, die als starke Nachwuchsschmiede gilt. Neben anderen hat sie Michael Schumacher und Mika Häkkinen hervorgebracht. Ebenso wie die Formel 3, in der Rikky von Opel 1972 britischer Meister wird. Dort tritt er auch zum ersten Mal unter seinem richtigen Namen an, nachdem er sich zunächst „Antonio Bronco“ nannte. Anscheinend wollte er mit dem Namen Opel ungern Fremdfabrikate steuern.

Sein großer Traum, die Formel 1, erfüllt sich, als er fast sein gesamtes Privatvermögen in den britischen „Ensign“-Rennstall investiert. Morris „Mo“ Nunn, Teamchef und früherer Lotus-Mechaniker, konstruiert für ihn den „Ensign MN01“, ein Monocoque mit Ford Cosworth DFV8 Motor und Hewland FGA400 Getriebe. In dunklem British Racing Green lackiert und mit schmalen goldenen Linien verziert, ist die Rennmaschine zwar nicht die beste, die in diesen Zeiten über die Pisten jagt, aber ganz sicher eine der stylischsten.

 

Die verlorene 500-Mark-Wette

„Ein netter Verrückter“ urteilt die Motorsportlegende Huschke von Hanstein, als sie Rikky von Opel kennenlernt. Eine Formulierung, die ahnen lässt, dass von Hanstein den ebenfalls adligen Gesinnungsgenossen zwar sympathisch findet, ihm aber nicht wirklich etwas zutraut. Dafür spricht auch, dass von Hanstein 500 Mark gegen den jungen Opel wettet: „Du schaffst die Quali für den Großen Preis von Frankreich in Le Castellet niemals.“ Von Hanstein verliert.

Insgesamt sechs Mal startet Rikky von Opel mit seinem Ensign in der Formel 1. Beim Großen Preis von Deutschland auf dem Nürburgring stößt er aufgrund seines Namens auf besonderes Medieninteresse. Dass sein Pass ihn als Liechtensteiner ausweist, kümmert ihn nicht: „Wenn ich gewinne, will ich die deutsche Nationalhymne hören“, diktiert er der Sportpresse schon mal in die Blöcke. Doch dazu kam es nicht. Da sich aber Risse im Chassis zeigten, ging das Fahrzeug aus Sicherheitsgründen nicht an den Start.

 

Formel 1-Bilanz: Zwei neunte Plätze

In der Saison darauf wechselt er zu Brabham, unter deren Farben er vier Mal antritt. Anschließend beendet er seine Formel 1-Karriere. Zwei neunte Plätze für Brabham bleiben seine besten Ergebnisse. Immerhin ist er als einziger Formel 1-Fahrer, der jemals für Liechtenstein startete, in die Geschichte des Rennsports eingegangen.

Langweilig ist sein Leben auch danach nicht. Der Cousin von Gunter Sachs fühlt sich auch im Jet-Set wohl, mit Alexander Onassis, dem Sohn des milliardenschweren Reeders Aristoteles, ist er bis zu dessen Tod gut befreundet. Später widmet er sich philosophischen Themen und wandert nach Thailand aus. Hier verliert sich seine Spur.

„Rikky war für alles zu haben, was verrückt zu nennen ist“, erinnert sich Lona Haberberger in Carlo von Opels Anekdotensammlung. Und wenn man ihn fragte, was er gerade wieder angestellt habe, habe er geantwortet: „Warum fragst du, wenn du nicht willst, dass ich dich anlüge?“

 

 

 

 

Text: Eric Scherer, Fotos: Opel-Archiv, Sammlung Eckhart Bartels