Die Rückkehr des „Laubfroschs“

 

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Der Opel 4 PS war das erste Auto eines deutschen Herstellers, das in großer Stückzahl am Fließband hergestellt wurde.

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Unter dem teilweise verglasten Dach des alten Fabrikgebäudes stehen die Oldtimer im gedämpften Licht aufgereiht. Sie kühlen sich ab von den morgendlichen Anstrengungen. Jeder der Wagen ist mindestens 90 Jahre alt. Und dies war eine der seltenen Gelegenheiten, nach Rüsselsheim zu einer Wiedervereinigung zurückzukehren.

Der erste Opel 4 PS, der wegen seiner dunkelgrünen Karosserie den Beinamen „Laubfrosch“ erhielt, wurde im Frühjahr 1924 in Rüsselsheim produziert. Es war das erste Auto eines deutschen Herstellers, das in großer Stückzahl am Fließband hergestellt wurde. Opel baute bis zum Produktionsende im Jahr 1931 etwa 120.000 Stück des 4 PS. Heute ist er bei Oldtimer-Fans ein gefragtes Sammlerstück.

Derzeit gibt es in ganz Europa etwa 100 straßentaugliche Exemplare, die von ihren stolzen Besitzern voller Hingabe gepflegt werden. 29 dieser Opel-Oldies aus Österreich, Deutschland, Luxemburg, den Niederlanden und der Schweiz hielten den heißen Temperaturen des 17. August stand und fuhren in das Rüsselsheimer Altwerk zum 2018er-Treffen der Opel 4 PS-Typgruppe.


Vielfalt vom Fließband



Prachtvolle Aussicht Im „Altwerk“ versammeln sich verschiedene Opel 4 PS Modelle.

Das Treffen wurde von Dr. Joachim Busshardt, Sicherheitsingenieur bei Opel, mit Unterstützung seiner Kollegen Andrew Leuchtmann und Christian Gottheit organisiert. „Die Mitglieder der 4 PS Typgruppe sind Teil der Alt-Opel Interessengemeinschaft“, erklärt Busshardt, dessen eigener Opel 4 PS aus dem Jahr 1928 derzeit runderneuert wird. „Wir treffen uns jedes Jahr an einem anderen Ort, um unsere Liebe zu den 4 PS zu teilen. Wir haben beschlossen, dass der 15. Jahrestag der 4 PS-Gruppe in der historischen Wiege der Geburt des Autos stattfinden sollte.“

 

Historische Wiege

 

Neben der „Pilgerfahrt“ zum Altwerk, einer Führung durch die Oldtimer-Sammlung der Opel Classic Werkstatt und einigem „Benzingebabbel“ bei Schnitzel mit Pilzsauce und Äppelwoi, war der Besuch der Opel Rennbahn ein weiteres Highlight des dreitägigen Veranstaltungsprogramms.

 


↑ Video: Das 4 PS-Treffen der Alt-Opel Typengruppe in Rüsselsheim

Schlüsselposition Der Opel 4 PS ist ein Meilenstein in der Geschichte der deutschen Automobilindustrie.

Die Rennbahn wurde von Opel im Jahr 1919 gebaut. Die Strecke, die mit ihren Steilwandkurven Höchstgeschwindigkeiten von bis zu 140 km/h ermöglichte, war in den zwanziger Jahren die schnellste in ganz Europa. Berühmte Rennfahrer aus dieser Epoche wie Rudolf Caracciola gingen hier an den Start.

 

Schnellste Rennbahn Europas

 

Heinz Zettl begrüßte die 4 PS Gruppe auf der Rennbahn und erläuterte die besondere Bedeutung der Strecke für die Geschichte des Laubfroschs. Zettl ist ehemaliger Opel PR-Manager und Gründer der Opel Classic Werkstatt – niemand weiß mehr über die Unternehmensgeschichte und die Familie Opel. Außerdem ist er der Hauptverantwortliche hinter der Veranstaltung „F40 Las Brisas meets Classic Cars“, die zu einem Mekka für regelmäßige Oldtimer-Treffen am gleichnamigen Restaurant in Rüsselsheim geworden ist.


Dynamisches Trio Die Heimkehr der Opel 4PS nach Rüsselsheim wurde von den Opel-Ingenieuren Christian Gottheit, Andrew Leuchtmann und Joachim Busshardt organisiert (von links).


Die Opel-Rennbahn 1925 Opel präsentiert die Tagesproduktion des Opel 4/12 PS.

„Heute ist die Rennbahn ein technisches Kulturdenkmal, und nur wenige Überreste sind noch sichtbar“, so Zettl. „Bei einem Rennen im Jahr 1925 fuhr eine ganze Tagesproduktion von über 100 4 PS vor tausenden von Zuschauern auf den Tribünen begleitet vom Opel-Werksorchester über den Parcours.“

 

Durchs Hessische Ried
und über den Rhein

 

Nach einer Fahrt durch das Hessische Ried und einer Fährfahrt über den Rhein, gefolgt von einer Führung durch das geheimnisvolle Oppenheimer Kellerlabyrinth, erreichte das Opel 4 PS-Treffen am Abend des 18. August in Trebur sein Ziel. Jean-Marc Bach, Referent der „4 PS Typgruppe“ und stolzer Besitzer des 1927 4 PS, der die Oldtimer-Gemeinde durch eine Alpenüberquerung 2004 in Staunen versetzte, erklärte das Treffen 2018 zu einem durchschlagenden Erfolg.


In mehrfacher Hinsicht mit Rüsselsheim verbunden Lutz Maier-Rehm am Steuer seines Opel 4 PS. Maier-Rehms Großvater war zu der Zeit, als das Auto produziert wurde, ein Opel-Mitarbeiter in Rüsselsheim. 1925 zog er nach Eisenach, wo er ein erfolgreicher Opel-Händler wurde.


„Laubfrosch“ Die (nicht immer) grüne Karosserie verlieh dem Opel 4 PS seinen liebenswerten Spitznamen.

Trotz Hitze: Mega-Wochenende
für den „Laubfrosch“

„Es war ein fantastisches Wochenende“, so Bach, dessen Leidenschaft für Opel mit seiner kindlichen Begeisterung für das Kadett C Coupé von 1966 begann. „Die Highlights waren natürlich der Besuch in Rüsselsheim, die Rennbahn und die Classic Werkstatt. Wir haben etwa 120 Kilometer in unseren Oldtimern zurückgelegt und hatten nur eine einzige kleine Panne. Und das trotz der hohen Temperaturen! Ein großes Dankeschön an Joachim Busshardt, Andrew Leuchtmann, Christian Gottheit und deren Familien für die Spitzenorganisation!“


 

September 2018

Text: Andrew Marshall, Fotos: Andreas Liebschner