Von Anfang an dabei

1897 startet die erste IAA als „Internationale Motorwagen-Ausstellung Berlin“

 

Die 68. Internationale Automobil-Ausstellung in Frankfurt ist seit dem 12. September für das Publikum geöffnet und läuft noch bis zum 22. September. Die IAA zählt ihre Auftritte stolz zurück bis ins Jahr 1897, als die „Internationale Motorwagen-Ausstellung Berlin“ stattfand – die erste kleine Automobilmesse in Deutschland. Opel ist von Anfang mit dabei. Zunächst quasi als Start-up, das ab 1899 seine ersten Autos fertigt.

120 Jahre später feiert Opel in Frankfurt mit der sechsten Corsa-Generation, dem neuen Astra und dem Grandland X als erstem Plug-in-Hybriden des Herstellers große Weltpremieren. Los ging die IAA-Historie von Opel derweil an einem strahlenden Frühherbsttag in der Hauptstadt.

Hier geht es los: Am Hotel Bristol in Berlin findet die erste Internationale Motorwagen-Ausstellung statt (das Foto ist um 1900 entstanden).

Gestiegenes Interesse: Von 1902 bis 1911 finden in Deutschland zehn große Autoausstellungen statt. Auf dem Foto zu sehen ist eine Ausstellung in Hamburg.

1905: Der Opel-Stand auf der IAA in Frankfurt am Main.

 

Acht Motorkutschen machen den Anfang – 1899 steigt Opel ins Business ein

 

Am 30. September 1897 findet im Herzen Berlins die erste deutsche Automobil-Ausstellung statt. Acht auf Hochglanz polierte Motorkutschen stehen seit dem Morgen auf der Prachtstraße „Unter den Linden“ vor dem mondänen Hotel Bristol Spalier. Anlass ist die Gründungsversammlung des Mitteleuropäischen Motorenwagenvereins mit anschließender Ausfahrt in den Grunewald. Und obwohl Opel noch gar keine Autos baut, ist das Rüsselsheimer Unternehmen bereits präsent.

Denn Wilhelm und Fritz Opel, zwei der fünf Söhne von Sophie und Adam Opel, sind mit Autopionier Friedrich Lutzmann verabredet. Lutzmann ist mit zwei seiner Motorwagen von Dessau nach Berlin gereist. So wird dessen Auftritt auf der „Internationalen Motorwagen-Ausstellung Berlin 1897“ Grundlage für das berühmte am 21. Januar 1899 besiegelte Geschäft: Opel übernimmt Lutzmanns Anhaltische Motorwagenfabrik und steigt ins Automobil-Business ein. Nur zwei Jahre später kommen schon fast 100.000 Besucher auf die „Internationale Motorwagen-Ausstellung Berlin 1899“. Friedrich Lutzmann wirbt erneut um Kunden – diesmal für die von ihm konstruierten Opel-Motorwagen aus Rüsselsheim.

So wird dessen Auftritt auf der „Internationalen Motorwagen-Ausstellung Berlin 1897“ Grundlage für das berühmte am 21. Januar 1899 besiegelte Geschäft: Opel übernimmt Lutzmanns Anhaltische Motorwagenfabrik und steigt ins Automobil-Business ein. Nur zwei Jahre später kommen schon fast 100.000 Besucher auf die „Internationale Motorwagen-Ausstellung Berlin 1899“. Friedrich Lutzmann wirbt erneut um Kunden – diesmal für die von ihm konstruierten Opel-Motorwagen aus Rüsselsheim.

 

Interesse steigt nach der Jahrhundertwende – und mündet rasch in Ausstellungsmüdigkeit

 

Ab der Jahrhundertwende wird das Interesse der Öffentlichkeit an Motorfahrzeugen immer größer. Von 1902 bis 1911 finden in Deutschland zehn große Autoausstellungen statt – meist in Berlin, aber auch bereits in Frankfurt am Main (März 1904 und Oktober 1905). Die junge Automarke Opel ist stets mit Begeisterung dabei. Moderne Typen mit Frontmotor lassen ab 1902 auf den mit Zimmerpalmen, Orientteppichen und elektrischen Lichterketten immer prächtiger geschmückten Ständen die frühen Motorkutschen à la Lutzmann schnell vergessen. Einer am Ende des Jahrzehnts zu spürenden Ausstellungsmüdigkeit soll eine Neuausrichtung entgegenwirken: Mehr Zurückhaltung, mehr Übersichtlichkeit lautet das Konzept des VDMI, dem Vorläufer des heutigen VDA (Verband der Automobilindustrie). Ein 1913 entsprechend geplanter Hallen-Neubau am Berliner Kaiserdamm kann kriegsbedingt allerdings erst 1921 in Betrieb genommen werden.

 

1924: Reichspräsident Friedrich Ebert (2.v.r.), erster Reichspräsident der Weimarer Republik, mit den Brüdern Wilhelm (r.) und Heinrich von Opel (2.v.l.) auf der Automobilausstellung Berlin.

1926: Der Opel-Stand bei der Deutschen Automobil-Ausstellung in Berlin.

Massenansturm in den
20er-Jahren – immer mehr
Firmen fluten die Messe

 

Obwohl keine ausländischen Aussteller vertreten sind, strömen 300.000 Besucher zur „Deutschen Automobil-Ausstellung 1921“. Aufgrund des Massenansturms muss der Zugang zum Gelände zeitweise gesperrt werden. Eine besondere Attraktion zum Messeauftakt ist das erste Autorennen auf der nahegelegenen AVUS. Der umjubelte Sieger heißt Fritz von Opel.

Ähnlich erfolgreich verlaufen auch die Veranstaltungen der Folgejahre, 1923 etwa stellen bereits 653 internationale Firmen in Berlin aus. 1924 wird die neue „Halle II“ eröffnet, in der Motorräder, Nutzfahrzeuge und Zubehör platziert sind. In „Halle I“ steht in diesem Jahr der neue Opel 4 PS „Laubfrosch“ im Mittelpunkt: klein, kompakt, die Nase des halbspitzen Kühlers neugierig vorgereckt. Nur 4.500 Rentenmark kostet der freche stets grün lackierte Zweisitzer – eine Sensation. Möglich machte dies die hochmoderne Fließbandfertigung in Rüsselsheim. Der Laubfrosch ist für viele erschwinglich und demokratisiert die Automobilität. Von ganz anderem Schlag ist der Messestar von 1928: Opel präsentiert unter dem neu eröffneten Berliner Funkturm den herrschaftlichen 24/110 PS Regent mit Reihen-Achtzylinder.

1936: Zur IAMA in Berlin hat Opel ein Olympia-Schaumodell mitgebracht.

Mit den fortschrittlichen Produktionsmöglichkeiten kann Opel in den 30er-Jahren die steigende Nachfrage nach immer mehr Kraftfahrzeugen bedienen. Der neue „Blitz“-Schnelllastwagen ist nur ein Beispiel. Entsprechend selbstbewusst und modern sind die Messeauftritte der Rüsselsheimer in Berlin. Zahlreiche Opel-Erfolgsmodelle feiern bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs am Funkturm Premiere: 1,8 Liter, P4, Olympia, Admiral, Kadett, Kapitän. Da auf den Ausstellungen auch Motorräder gezeigt werden, heißt die Messe mittlerweile Internationale Automobil- und Motorrad-Ausstellung (IAMA).

Ab 1933 geriet die Autoschau mehr und mehr unter den Einfluss des NS-Propagandaministeriums, Beispiel dafür ist die neu eingerichtete „Ehrenhalle“. Bei der IAMA 1939 kommt die Rekordzahl von 825.000 Besuchern. Danach ist Schluss.

Moderne Auftritte in den
30er-Jahren, 1939 mit
Besucherrekord

 

 

1951: Zur ersten IAA nach dem zweiten Weltkrieg pilgerten rund 570.000 Besucher auf das Frankfurter Messegelände.

1955: Bei der 37. IAA lockt Opel die Besucher wieder nach Frankfurt.

Blickfang: 1953 steht dieses „Opel-Kapitän-Schnittmodell“ im Mittelpunkt des Interesses. Bis in die 80er-Jahre finden die Ausstellungen im Zweijahres-Rhythmus statt.

1959: Im Sommer erscheint ein neuer Opel Kapitän, dessen Karosserie eine flachere, gestreckte Linienführung hatte.

Erste IAA nach dem Zweiten Weltkrieg – Boom in den 50er-Jahren 

Nach dem Zweiten Weltkrieg findet zunächst keine IAA beziehungsweise IAMA statt. 1947 bis 1949 zeigen einige wenige Hersteller ihre Fahrzeuge im bescheidenen Rahmen auf der Exportmesse in Hannover. Opel ist hier nicht dabei. Erst 1950 meldet sich Opel auf der „Internationalen Berliner Autoschau“ zurück. Im Jahr darauf gibt es gleich zwei große Ausstellungen: Im Frühjahr zieht die IAA nach Frankfurt am Main um. Im Herbst gibt die Hauptstadt mit dem „Internationalen Autosalon Berlin“ ihre Abschiedsvorstellung – ab sofort wird Hessen alle zwei Jahre der Veranstaltungsort der weltgrößten Automobilmesse sein. Die politisch isolierte Lage Berlins sowie ein attraktives zentral gelegenes Messegelände in Frankfurt waren die ausschlaggebenden Gründe für diese Entscheidung des Ausrichters VDA.

Passend zum Zeitgeist lautet das Motto des 1951er Opel-Standes in der Frankfurter Festhalle „Opel – eine Brücke über den Atlantik“. Bereits diese erste Nachkriegs-IAA am Main lockt 570.000 Besucher an. Mitte der 50er Jahre boomt die Automobilindustrie, Deutschland steigt hinter den USA zum größten Automobilhersteller auf. Die deutschen Werke schicken fast jedes zweite in Deutschland gefertigte Auto in den Export. Über 300.000 Menschen sind in der Automobilindustrie beschäftigt.

1961: Die 40. IAA erzielte einen Besucherrekord mit 950.000 Besuchern – eine Bestmarke, die erst 1977 übertroffen werden sollte. Ab August wird die Karosserie des Opel Rekord Coupé im Opel-Stammwerk in Rüsselsheim gefertigt.

Gut bewacht: Der GT, von 1968 bis 1973 gefertigt und bis heute Stilikone von Opel, ist bei der IAA 1969 am Start.

1965 begeistert der Experimental GT – 1969 der Opel CD

Die IAA wird in kürzester Zeit wieder zum Großereignis. Die Deutsche Post gibt Sonderbriefmarken oder -stempel heraus. Opel nutzt die Ausstellung vor den Toren seines Stammwerkes zur umfangreichen Leistungsschau: Auf der IAA 1953 feiert der Olympia Rekord, der erste Opel mit Pontonkarosserie, Premiere. 1957 präsentiert Opel den neuen Olympia Rekord, der innerhalb von drei Jahren rund 850.000 Mal verkauft wird. Zwei Jahre später empfiehlt sich der Kapitän mit 2,6-Liter-Motor.

Das Automobil ist weiter auf dem Vormarsch – und Opel der erste Hersteller, der mit einem komplett in Eigenregie gebauten Konzeptfahrzeug seine Innovationskraft unter Beweis stellt: 1965 präsentiert Opel auf der IAA den Experimental GT. Die Studie begeistert Publikum und Presse so sehr, dass sie drei Jahre später Realität wird. Der Opel CD („Coupé Diplomat“), ein zweisitziges Luxus-Coupé auf Diplomat-Basis, ist Star der IAA 1969. Auch dieses Concept Car wird weiterentwickelt und erreicht schließlich als Bitter CD die Serienfertigung.

1973: Hier präsentiert Opel den Kadett C, der von August 1973 bis Juli 1979 rund 1,6 Millionen Mal vom Band läuft.

1981: Ein Ascona wird in Position gebracht.

Benzinkrise führt zu Ausfall – Thema Energiesparen rückt in den Fokus

Das neue Jahrzehnt beginnt mit einem Paukenschlag: Die IAA 1971 fällt wegen der Benzinkrise aus. Aber schon kurz darauf wird klar: Am Auto führt kein Weg vorbei. Verbraucher und Politiker bekennen sich wieder leidenschaftlich dazu. Kein Wunder, dass der wirtschaftliche Opel Kadett C 1973 im Mittelpunkt der IAA-Berichterstattung steht. 1977 überschreitet die westdeutsche Automobilindustrie die Marke von vier Millionen produzierten Fahrzeugen. Deutsche Wagen sind im Ausland mehr denn je heiß begehrt. Mit einem Marktanteil von gut 20 Prozent ist Opel größter deutscher Hersteller.

Seit den 70ern rücken bei Opel verstärkt die Themen Verbrauch, Sicherheit und Ergonomie in den Fokus. Bestes Beispiel dafür ist der Opel GT2, der die Besucher der IAA 1975 mit innovativen Schiebetüren und futuristischer Keilform begeistert. Weitere Höhepunkte der 70er sind die Weltpremieren von Senator und Monza (1977) und vom frontgetriebenen Kadett D (1979).

1991: Der Astra F, Nachfolger des Kadett E, präsentiert sich.

1993: Der Opel Tigra feiert seine Weltpremiere.

1981 demonstriert Opel seine Vorreiterrolle in Sachen Aerodynamik

In den 80ern setzt sich das Thema Energiesparen fort. Bei Neuvorstellungen stehen meist Wirtschaftlichkeit und Aerodynamik im Vordergrund. Mit dem Tech 1 demonstriert Opel 1981 seine Vorreiterrolle auf dem Gebiet der Aerodynamik; der cW-Wert liegt mit 0,235 auf Weltrekordniveau. Mit der Studie Junior präsentiert Opel 1983 auf der 50. IAA einen Kleinwagen, der mit einer Vielzahl cleverer Innenraumideen überzeugt – von auswechselbaren Instrumenten über Sitzbezüge, die sich in Schlafsäcke verwandeln lassen, bis hin zum visionären Navigationsgerät. Aber auch sportliche Charaktere kommen bei Opel stets weiterhin auf ihre Kosten: etwa bei der Präsentation des Kadett Rallye 4×4 (1985) und bei der Weltpremiere des Calibra mit Tennislegende Steffi Graf (1989).

Designstudie: 2003 stellt sich der Opel Insignia Concept vor.

IAA-Zweiteilung ab 1991 – fahrende Messestars sorgen 1997 für Novum

Seit 1991 ist die IAA zweigeteilt: In ungeraden Jahren werden auf der IAA in Frankfurt Pkw präsentiert, in geraden Jahren ab 1992 findet in Hannover die IAA für Nutzfahrzeuge statt. Auch für die Messebesucher in den 90ern lohnt sich ein Besuch bei Opel immer: Etwa 1993, als der Tigra Premiere feiert. Oder 1995, als der Stand im Zeichen des Vectra B und des sparsamen Corsa Eco 3 steht. 1997 ist besonders spektakulär: Brandneue Astra G sausen – begleitet von einer gigantischen Musicalshow – zwischen den Messegästen in der Halle umher. Fahrende Messestars sind ein Novum auf der IAA.

Auf der Messe 1999 zeigt Opel, wie sich die Rüsselsheimer Ingenieure auf die Herausforderungen des neuen Jahrtausends vorbereitet haben. Star des „Future Theater“ – so der Name des Opel-Standes – ist die Leichtbaustudie G90.

Flügeltüren: Der 2013 ausgestellte Opel Monza Concept fährt mit futuristischem Design vor.

 

Willkommen in der Matrix: 2015 steht die Weltpremiere des Opel Astra K im Fokus.

Besucherrekord von 2003 hat Bestand – alternative Antriebe zunehmend im Fokus

2003 verzeichnet die IAA mit rund einer Million Gästen ihren bisherigen Besucherrekord. Opels rassiges Insignia Concept trägt seinen Teil zu diesem Erfolg bei. Auch die Opel-Studien der darauffolgenden Jahre erregen stets große Aufmerksamkeit: Antara GTC, Flextreme, RAK e, Monza Concept. Darüber hinaus finden Weltpremieren von Serienautos weiterhin auf der IAA statt: Opel Astra J, Astra K, Insignia GSi und Grandland X sind die jüngsten Beispiele.

Spätestens seit der IAA 2011 stehen alternative Antriebe, Digitalisierung und Mobilität ganz oben auf der Agenda. Beleg dafür ist die „Halle der Elektromobilität“, die erste ihrer Art auf einer Automobilmesse. IAA-Premieren sind auch der Fachkongress Elektromobilität und der carIT-Kongress. Opel ist bei allen Aktivitäten wertvoller Gesprächspartner, denn mit dem Ampera wurde bereits 2009 ein voll alltagstaugliches Elektroauto vorgestellt.

Chefsache: Carlos Tavares, CEO der Groupe PSA, und Opel CEO Michael Lohscheller mit der zweiten Generation des Insignia, die 2017 als GSi-Variante vorfährt.

Alles auf E: Opel-Chef Michael Lohscheller (l.) und Opel-Markenbotschafter Jürgen Klopp eröffnen den Opel-Stand auf der IAA 2019, der mit dem neuen Opel Corsa-e ganz im Zeichen der Elektromobilität steht.


September 2019

Text: Leif Rohwedder, Fotos: Opel Media Archiv