„Es lebe die Vielfalt“

Eine freie Fläche in der Mittelkonsole? Da lassen sich die Zubehör-Spezialisten nicht zweimal bitten.

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Innovationen für die Mittelkonsole: Heiko Rodriguez Messmer, Andreas Thiel, Markus Bleimann und Jochen Glock (v.l.) mit dem FlexConnect Adapter.

Das eigene Auto nach persönlichen Vorlieben bis ins Detail gestalten zu können, wird für die Kunden nicht erst seit dem Individualisierungschampion ADAM immer wichtiger. Das spiegelt sich auch in den Entwicklungsprozessen bei Opel wieder. Bereits in einer sehr frühen Phase, vier Jahre bevor ein Auto auf den Markt kommt, steht das 35-köpfige Accessory&Personalization-Team bereit, um zusammen mit den Fahrzeugentwicklern clevere Lösungen zu kreieren. Beispiel gefällig? Jochen Glock, Chef der Personalisierung und Zubehörentwicklung, platziert die Mittelkonsole des neuen Astra auf dem Besprechungstisch.

 

In der Basisausstattung befindet sich unter dem Infotainment-Bereich eine freie, etwa acht mal 15 Zentimeter große Fläche – eine „Spielwiese“ für die Zubehör-Spezialisten. Sobald klar war, dass der Platz zur Verfügung stehen wird, hat sich das Team an die Arbeit gemacht. PowerFlex Bar System nennt sich die modulare Option, die die Kollegen für die Kunden des neuen Astra hier geschaffen haben. Auf der edlen Abdeckung – es gibt sie in allen Interieur-Farben – prangt ein eleganter chromfarbener Barren, dahinter verbirgt sich die Stromversorgung. Verknüpft mit dem prämierten universellen Smartphone-Halter kann des Menschen zweitliebstes Spielzeug dort sicher aufbewahrt und gleichzeitig geladen werden.






 


 IN DAS AUTO HINEIN ENTWICKELT


 

„So sehen Duftbäume, die man sich früher an den Rückspiegel gehängt hat, bei Opel heute aus.“

Jochen Glock

 

Doch es geht noch extravaganter. Mit zwei Handgriffen hat Glock den Smartphone-Halter entfernt und eine chromumspielte elegante Blende aufgesteckt. „So sehen Duftbäume, die man sich früher an den Rückspiegel gehängt hat, bei Opel heute aus“, sagt Glock mit einem Lächeln und ein dezent-markiger Duft macht sich, aktiviert durch den Stromanschluss aus dem AirWellness Aromasystem, auf den Weg durch das Büro. „Energizing Dark Wood oder lieber Balancing Green Tea?“, fragt der Ingenieur und hält die beiden bislang erhältlichen Varianten hoch.

Duftbaum

Kreiert hat diese Düfte der renommierte Parfümeur Andreas Baron Freytag von Loringhoven. „Sie sehen, unsere Arbeit hält einige Überraschungen bereit“, sagt Glock. Die Mission sei es, das Zubehör nicht losgelöst vom eigentlichen Prozess, oder schlimmer noch, nachträglich zu entwerfen. „Wir entwickeln Zubehöre als voll integriertes Bestandteil des Fahrzeugs“, fasst Glock die Arbeit zusammen. Nur so seien Innovationen wie das PowerFlex Bar System, das an die Stromversorgung des Astra gekoppelt ist, überhaupt umsetzbar.

 


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Es sind derzeit 50 Zubehör-Produktfamilien im Programm.

 

 


ACHT ZIFFERN MACHEN DEN UNTERSCHIED


„So banal es klingt, aber diese acht Ziffern machen den Unterschied.“

Jochen Glock

Neben der Mittelkonsole des Astra liegt ein matt-schwarzes rechteckiges, knapp knapp 15 Zentimeter langes Bauteil aus Hartplastik auf Glocks Schreibtisch. Das Opel-Logo prangt darauf. Auf den ersten Blick wirkt es sehr unscheinbar – fast langweilig. Das soll sich in den nächsten fünf Minuten ändern. Jochen Glock holt tief Luft und erzählt detailliert die aufwendigen Entwicklungs- und Validierungsstufen auf, die es durchlaufen hat. Berichtet von den Crash-Tests, die es durchstanden hat, und schildert die „großartige Teamarbeit“, die darin steckt – Kollegen von Safety haben daran mitgewirkt, ebenso wie Kollegen der Bereiche Legal, Supplier Quality, Finance, Styling und Einkauf. Und dann die vielen Möglichkeiten: Es sorgt für Ordnung, macht Autofahrten sicherer, Kinder glücklicher. Den Vortrag beendet er mit den Sätzen: „Ich habe es seit drei Monaten im Auto. Wenn man einmal die Vorzüge kennengelernt hat, will man sie nicht mehr missen.“


 

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Zubehör-Vielfalt: Von der Mittelarmlehne…

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…über Felgen…

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…bis hin zum Smartphone-Halter.

 


 

Was den Chefentwickler Accessory& Personalization so schwärmen lässt? Es ist der FlexConnect Adapter, so der offizielle Name des Tausendsassa. Ausgestattet mit einem Haken sorgt der Adapter, der an den Kopfstützen der Vordersitze angebracht wird, dafür, dass Taschen bei stärkerem Bremsen an Ort und Stelle bleiben. Zusammen mit einem speziellen Kleiderbügel lassen sich Jacken knitterfrei chauffieren. In Kombination mit einem iPad-Halter, freuen sich Kinder bei langen Autofahrten über Unterhaltungsprogramm auf der zweiten Sitzreihe. Der Adapter ist eines von 50 Accessories Produktfamilien (siehe auch Schaubild), die Opel derzeit anbietet. Von austauschbaren Dekorblenden bis zu Schmutzfängern, von Parkpiloten bis zu Dachträgern – so unterschiedlich das Zubehör auch ist, eines eint sie alle: eine jeweils achtstellige Teilenummer. „So banal es klingt, aber diese acht Ziffern machen den Unterschied“, betont Glock – nach 17 Jahren im Unternehmen ein waschechter Opelaner. Denn diese Ziffern erhalten nur diejenigen Teile, die den von ihm beschriebenen aufwendigen Prozess durchlaufen haben. „Die Teilenummer garantiert höchste Qualität und Sicherheit“, sagt Glock und lehnt sich entspannt zurück. Klar, könne man auch im Vorbeigehen im Elektronikmarkt mal schnell eine Halterung für ein Tablet mitnehmen. „Spätestens im Fall der Fälle, also einem Unfall, werden Sie feststellen, dass das keine kluge Entscheidung gewesen ist.“

 

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Das Accessory&Personalization-Team: Die Kollegen entwickeln clevere Innnovationen ins Auto hinein.

 

 


DIE INNOVATIONSTREIBER


 

INNOVATION DAY
Zwei Mal im Jahr veranstaltet das Team Accessory&Personalization zusammen mit dem Advanced Vehicle Development Bereich einen Innovation Day. Alle Kollegen des ITEZ sind eingeladen, um gemeinsam Ideen zu entwickeln. Das letzte Mal kamen die Opel-Ingenieure am 24. Juli zusammen. „Es ist erstaunlich, welche Ideen innerhalb weniger Stunden entstehen“, freut sich Jochen Glock. Der nächste Tag dieser Art findet im 1. Quartal 2016  statt.

Die Accessory-Spezialisten wären nicht voll in die Fahrzeugentwicklung integriert, hätten sie nicht noch streng geheime Innovationen am Start. Allein im Büro von Jochen Glock stehen vier weitere Apparaturen, darunter ein Aufbau bestehend aus diversen Schläuchen. Der Advanced Vehicle System Engineer im Team, der Bioniker Thomas Bachmann, hat sie nach dem Vorbild der Natur entwickelt. „Es ist ein cleveres Reinigungssystem für die Rückfahrkamera“, schildert Glock und holt den Kollegen kurzerhand hinzu. Die genaue Funktionsweise könne er aus Geheimhaltungsgründen noch nicht erläutern, „aber Tiere reinigen so ihre Augen“, sagt Bachmann über die einfache wie effektive Möglichkeit, die Kameralinse von Schmutz zu befreien. „Die Natur liefert viele Inspirationen, die wir in die Entwicklung einfließen lassen“, so der Bioniker.

Ob Keyless Entry oder Cyber Security – wenn es um Infotainment-Innovationen geht, darf Markus Bleimann als Technical Lead Engineer im Team nicht fehlen. Gerne berichtet er über seine Lieblingsentwicklung. Doch auch hier gilt: Leider noch geheim. Nur so viel verrät er: „Sie wird im Stadtverkehr begeisterte Anhänger finden.“ Es ist nicht die einzige Neuentwicklung, die die Accessory-Spezialisten zum Patent angemeldet haben. Ein Dutzend Anträge sind in Arbeit. „Wenn wir von einer Idee besonders überzeugt sind, dann nehmen wir schon mal den Fast Track“, sagt Glock. Sprich, es wird ein spezielles Entwicklungsbudget genutzt, um eine Idee schnellstmöglich zur Serienreife zu bringen. Die Wahrscheinlichkeit ist also groß, dass wir schon bald Details über die Neuentwicklungen der Zubehör-Spezialisten in der Opel Post vorstellen können.

 

Stand Oktober 2015

Text: Tina Henze, Fotos: Asterion