Gerüchte, Helmut Kohl
und ein Vectra

 

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AWE, das Automobilwerk Eisenach, Produktionsstandort der Marke Wartburg.

Anfang des Jahres 1990 machte ein Gerücht die Runde im Automobilwerk Eisenach (AWE), wo noch der Wartburg gebaut wurde: Opel kommt! Frank Sauerbrei kann sich heute, 25 Jahre später, noch gut an diese aufregende Zeit erinnern: Die Mauer ist am 9. November 1989 gefallen, die Währungsunion und die Wiedervereinigung stehen bevor.

DIE MARKE MIT DEM BLITZ BIETET EINE CHANCE
Der Umbruch von der sozialistischen Plan- in die soziale Marktwirtschaft ist in vollem Gange. „Wir wussten, dass das AWE auf dem freien Automobilmarkt mit seinen Produkten und der Technologie keine Zukunft haben wird. Da haben wir uns natürlich Sorgen gemacht, wie es weiter gehen wird“, berichtet der heute 57-Jährige.

Als dann im März 1990 in Eisenach eine Zusammenarbeit zwischen dem AWE und der Adam Opel AG vereinbart und der Aufbau eines Eisenacher Opelwerkes im AWE-Betriebsteil im Gries, im Westen der Wartburgstadt, beschlossen wurde, sieht Frank Sauerbrei seine Chance. Der Fahrzeugschlosser, der bei der AWE seine Lehre machte und anschließend sechzehn Jahre als Einfahrer arbeitete, bewirbt sich bei Opel als Fertigungsmitarbeiter.

START IN DER SKD-FERTIGUNG
Nach dem erfolgreich bestandenen Auswahlverfahren fängt der gebürtige Eisenacher am 15. Oktober in der SKD-Fertigung (Semi-Knocked-Down) an. Zehn Tage zuvor lief im Beisein von Bundeskanzler Helmut Kohl der erste in Eisenach zusammengebaute Vectra vom Band. Frank Sauerbrei durchläuft in der Fertigung sämtliche Takte, auch die Reparatur, in der Montage- und Herstellerfehler behoben werden.


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Die ersten Fahrzeuge rollen vom Band: Am 5. Oktober 1990 begann die Opel-Produktion in Eisenach.

 


 

TEAMSPRECHER, MEISTER, BEREICHSINGENIEUR
Im neuen Opel-Werk, das am 23. September 1992 mit der Produktion der Modelle Astra und Corsa startet, baut er als Teamsprecher die Reparatur mit auf und leitet sie fortan. Parallel macht er seinen Meister und leitet ab 1997 andere Bereiche in der FEM als Bereichsingenieur. Nach 18 Jahren Nachtschicht nimmt er 2011 das Angebot an, in der Tagschicht die Reparatur wieder zu übernehmen. „Jetzt bin ich praktisch wieder dort, wo ich bei Opel-Eisenach begonnen habe“, sagt Frank Sauerbrei schmunzelnd und mit sanfter Ironie.

Denn in Wirklichkeit ist seine persönliche Entwicklung enorm:  Am 15. Oktober dieses Jahres feierte er  sein 25-jähriges Opel-Eisenach-Dienst-Jubiläum. „Das, was ich in den 25 Jahren bei Opel erreicht habe, hätte ich in der AWE nicht geschafft. Man konnte und kann sich hier entfalten und weiterbilden. Und die Leistung wird gewürdigt. Es ging immer weiter voran“, erklärt er stolz.

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Am 5. Oktober des Jahres 1990 läuft der erste Vectra „Made in Eisenach“ vom Band. Der Bandablauf nur zwei Tage nach Beitritt der DDR zur Bundesrepublik Deutschland ist das Medienereignis.

 

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Der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl (3.v.l.) erkundigt sich nach den Produktionsabläufen.

 


Im Arbeitsmodus: Nach 18 Jahren Nachtschicht ist Sauerbrei ist wieder in Tagesschicht tätig – als Bereichsingenieur Fertig- und Endmontage (Reparatur).

GRÖSSTER UNTERSCHIED ZU 1990? DIE TECHNOLOGIE!
Dass sich in den 25 Jahren die Produktionsanlagen, die Ausstattung und die Technik der Autos aber so rasant verbessert haben, damit habe er 1990 nicht gerechnet: „Die Werke und Autos von 1990 und 2015 kann man praktisch gar nicht miteinander vergleichen.“ Was bei Frank Sauerbrei in all den Jahren gleich geblieben ist, ist die Liebe zu Opel. Ende 1993 verkaufte er seinen Wartburg 1.3 und erwarb sein erstes Westauto. Und zwar einen der beiden ersten in Eisenach zusammengebauten Opel Vectra.

Bis 2005 blieb die „berühmte“ viertürige, dunkelblaue Limousine mit 75 PS in Familienhand. Aber auch fortan zierte jedes weitere Gefährt von Frank Sauerbrei ein Opelblitz auf dem Grill. Aktuell ist es seit sieben Jahren ein Signum.