Stärker zu zweit

 

Jedem Lehrling ab dem 2. Lehrjahr steht als Pate ein erfahrener Instandhalter zur Seite.

Der Pate hat die Aufgabe, den Lehrling in alle praktischen Gegebenheiten des Berufslebens einzuweisen: Arbeitssicherheit, Qualität, Kostenbewusstsein u.s.f. Er nimmt sich um die Umsetzung des Ausbildungsplans in der Praxis an und füllt mit dem Lehrling die Lehrlingsmappe aus. Der Pate fördert die Arbeitseinstellung sowie das Teambewusstsein des Lehrlings und gibt ihm laufend Feedback zu seiner Ausbildungsentwicklung.

An den Mitarbeitergesprächen, die der Meister mit dem Lehrling führt, nimmt auch der Pate teil.

Zur Vorbereitung des Lehrlingspaten-Systems wurde im Lehrlingsmeeting die „Patenrolle“ definiert. Danach wurden die Paten in den Abteilungen ausgewählt und in einer Informationsveranstaltung im Jänner 2016 in ihre neue Aufgabe eingeführt.

Adnan Sahinovic / Instandhalter in der Motormontage kennt den Unterschied: Er war schon früher Ausbildungsverantwortlicher, und jetzt ist er Pate. „Wir haben immer vier bis fünf Lehrlinge in der Abteilung. Früher hat sich nur der Ausbildungsverantwortliche um sie gekümmert, um bis zu fünf Lehrlinge. Jetzt hat jeder der Lehrlinge seinen eigenen Paten. Das bedeutet: Ich – als Pate – kann mich viel intensiver mit meinem Lehrling beschäftigen.“

Der Pate aus der Motormontage erzählt: „Wenn es zum Beispiel eine Störung an einer Anlage gibt, so stehe ich daneben und lasse den Lehrling den Fehler lokalisieren – so lernt er am besten. Oder ich lasse ihn Wartungen im Maximo-System eingeben. Er soll ja lernen selbständig zu arbeiten.“


Pate Adnan Sahinovic (l.) und Sebastian Ursu, Lehrling im 4. Lehrjahr

Pate Adnan Sahinovic (l.) und Sebastian Ursu, Lehrling im 4. Lehrjahr

Sebastian Ursu, Lehrling im 4. Lehrjahr, dessen Pate Adnan Sahinovic ist, bestätigt dessen Aussagen: „Früher – als es noch keine Paten gab – bin ich mit meinen Fragen zu dem Gesellen gegangen, den ich zufällig angetroffen habe. Jetzt habe ich meinen direkten Ansprechpartner. Mein Pate hat mir viel beigebracht.“ Und erinnert sich: „Am Anfang braucht man mehr Hilfe. Allmählich traut man sich mehr und kann schon eigenständig arbeiten. Jetzt, im 4. Lehrjahr, kenne ich die Maschinen schon sehr gut.“


 

Übers Elektrische hinaus

Pate Adnan Sahinovic hat noch eine Anmerkung: „Man ist den ganzen Tag mit dem Lehrling zusammen, da kann man auch privat reden. Es geht ja darum den Lehrling insgesamt auf die richtige Bahn zu bringen.“

Christian Zechmeister, Instandhalter in der F 17-Getriebegehäuse-Linie hebt weitere Aspekte hervor: „In den regelmäßigen Lehrlingspaten-Meetings befassen wir uns mit den Plänen der Lehrlingsausbildung und mit der organisatorischen Unterstützung im Intranet. Es gibt einen Ausbildungsplan pro Lehrjahr, aus dem ich ablesen kann, wo sich mein Lehrling gerade befindet. Sehr nützlich.“ Für Zechmeister sind die praktischen Aspekte der Lehrlingsausbildung wichtig: „Bei einer Störung erkläre ich ihm zuerst, auf welche Sicherheitsprozesse er achten muss. Dann schaut er mir über die Schulter, während ich arbeite und ihm erkläre, was ich gerade mache. Danach stehe ich dabei und schaue ihm zu.“ Das Ziel sei ja, dass der Lehrling nach vollendeter Lehre alle Arbeiten beherrsche. Also heißt es: „Man muss sehr oft und immer wieder erklären.“

Christian Zechmeister (r.) war bis vor kurzem der Lehrlingspate von Manuel Schwarz

Christian Zechmeister (r.) war bis vor kurzem der Lehrlingspate von Manuel Schwarz


 

Manuel Schwarz arbeitet in der Härterei, er hat seine Lehre gerade erst, Anfang September, abgeschlossen. Mit Auszeichnung. Davor war er Zechmeisters Schützling. Er erinnert sich: „Ich habe während meiner Lehre viele Abteilungen durchlaufen – Staplerwerkstatt, Haustechnik, Werksanlagen, Spindelraum, Hydraulikraum, F 17-Getriebegehäuse … Erst zum Schluss hatte ich einen Paten. Mit ihm konnte ich über alles reden; über die Arbeit, über Privates. Vorher musste ich mir für meine Fragen immer erst jemanden suchen.“

Manuel Schwarz arbeitet jetzt in der Härterei

Manuel Schwarz arbeitet jetzt in der Härterei


 

Fast ein Schutzengel 

Franz Burisch / Instandhalter in der M 20/32-Wellen-Linie hat seit je ein Herz für Lehrlinge. „Ich war seit 1990 Ausbildungsverantwortlicher. Damals war noch keiner so richtig zuständig. Aber ich hab‘ mich um die Lehrlinge angenommen. Ausbilden hat mir immer Spaß gemacht.“ 21 Lehrlinge hat er bisher unter seinen Fittichen gehabt. Seine „Buam“ nennt er sie liebevoll.

Franz Burisch (3.v.l.) mit einigen seiner Lehrlinge, die er bisher ausgebildet hat (v.l.n.r.): Lukas Koch, Markus Hammer, Franz Burisch, Martin Scheitl, Meister Rene Schneider – allesamt aus dem M 20/32-Wellenbereich

Franz Burisch (3.v.l.) mit einigen seiner Lehrlinge, die er bisher ausgebildet hat (v.l.n.r.): Lukas Koch, Markus Hammer, Franz Burisch, Martin Scheitl, Meister Rene Schneider – allesamt aus dem M 20/32-Wellenbereich

Martin Scheitl / Lehrling im 3. Lehrjahr ist seit dem 2. Lehrjahr sein aktueller Schützling. Burisch erzählt vom Kennenlernen: „Ich hab‘ ihn in der Lehrwerkstätte abgeholt, hab‘ ihm die Abteilung gezeigt, hab‘ ihm sein Firmenhandy gegeben. Ich will ja wissen, wo der Bua in der Firma unterwegs ist.“ Auch ihre privaten Handynummern haben die beiden ausgetauscht und kommunizieren miteinander über Whatsapp. „Falls er mal zu spät kommen sollte“, sagt Burisch, „rufe ich ihn an. Es könnte ja was passiert sein. Ich bin für den Lehrling Ansprechperson Nr. 1.“ Klingt fast nach Schutzengel-Funktion.

Martin Scheitl gefällt’s: „Ich versteh‘ mich mit ihm sehr gut. Er macht das ziemlich gut. Er erklärt mir alles schon von Haus aus. Meine Freunde, die woanders eine Lehre machen, haben keine Paten.“


Martin Scheitl/Lehrling im 3. Lehrjahr (l.) mit seinem „Schutzengel“ Franz Burisch

Martin Scheitl/Lehrling im 3. Lehrjahr (l.) mit seinem „Schutzengel“ Franz Burisch


Auf Tuchfühlung zum Shopfloor

Lehrwerkstättenleiterin Ulrike Glas ist mit den bisherigen Erfahrungen des neuen Patensystems sehr zufrieden: „Die Verbindung zum Shopfloor ist enger geworden und ich bekomme auch von den Paten direkt Rückfragen zur Ausbildung. Die Meetings haben sich ebenfalls bewährt; zwei gab es bis jetzt, pro Jahr sind drei bis vier geplant. Ein Seminar über Drogenprävention gab es auch im Mai für die Ausbilder und Paten. “

Lehrwerkstättenleiterin Ulrike Glas mit einigen Lehrlingspaten und Lehrlingen (v.l.n.r.): Franz Burisch, Martin Scheitl, Christian Zechmeister, Ulrike Glas, Manuel Schwarz, Sebastian Ursu, Adnan Sahinovic

Lehrwerkstättenleiterin Ulrike Glas mit einigen Lehrlingspaten und Lehrlingen (v.l.n.r.): Franz Burisch, Martin Scheitl, Christian Zechmeister, Ulrike Glas, Manuel Schwarz, Sebastian Ursu, Adnan Sahinovic

 

 

Text: Kristin Engelhardt, Fotos: Helga Mayer