Von Kapitänen mit Schongang


BILDSTARK
UND FAKTENREICH


Wir schreiben das Jahr 1957. Das deutsche Wirtschaftswunder hat seinen Lauf genommen. Opel stößt weiterhin in die scheinbar unendlichen Weiten des Weltmarktes vor, wie auch die Oktober-Ausgabe der Mitarbeiterzeitschrift auf einigen Seiten dokumentiert. Das Titelbild setzt einen Kontraktpunkt: Zwei junge Damen halten einen „Schwatz am Tor“ – mehr als diese Bildunterschrift ist zur Erläuterung des Motivs im Heft nicht zu finden. Vielleicht will die Redaktion Appetit auf ausgedehnte Herbstspaziergänge machen. Überhaupt wartet die Ausgabe mit einigen bildstarken Seiten auf. Schon auf Seite 2 präsentiert sie ein fast ganzseitiges Bild der legendären Sanitätssschwester Poldi. Doch auch Zahlen, Daten, Fakten kommen nicht zu kurz.


Schwester Poldi ist Fachschwester für EKG, Grundumsatz und Audiometer.

Am 1. Oktober 1957 wurden die ersten in die USA exportierten Opel Rekord im Hafen von New York entladen.


Lagebericht:
heiß auf Opel-Kühlschränke


Der aktuelle Lagebericht der Geschäftsleitung nimmt auch die gesamtwirtschaftliche Entwicklung der Bundesrepublik Deutschland ins Visier. Die deutsche Wirtschaft expandiert weiter, allerdings verzeichnet der Zuwachs an Investitionsgütern – also Maschinen, Anlagen et cetera, die für Produktion verwendet werden – im dritten Quartal geringere Raten als der an Konsumgütern, wie etwa Pkw. Von daher sind die Aussichten gut, die Opel-Geschäftsleitung prophezeit auch fürs Winterhalbjahr Vollbeschäftigung. Die gerade neu vorgestellten 1,5 Liter-Modelle sind auf große positive Resonanz gestoßen, im Herbst steht der Produktionsstart für den neuen Olympia an. Auch die Modellreihe von Frigidaire-Kühlschränken hat auf der Herbstmesse in Köln großen Anklang gefunden, kommen sogar günstiger auf den Markt als ihre Vorgänger. Opel rechnet im vierten Quartal 1957 mit starken Absatzzahlen.

Der Opel-Stand auf der 38. IAA in Frankfurt.


„Wir sind im Bild“
Opel pflegt DDR-Kontakte


Besuch aus Mitteldeutschland: Klaus Dörrbecker, Günter Cramer und A. Brand aus der Nachrichtenabteilung (von links).

„Goldene Rakete“ heißt der Zweisitzer der damaligen Schwesterfirma Oldsmobile.

Mit vielen Fotos geht es weiter. „Wir sind im Bild“ heißt die Rubrik, die auf einer Doppelseite allerlei rund ums Unternehmen zeigt. Da ist ein Rohbau des neu entstehenden Rüsselsheimer Presswerks  ebenso wie ein Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg, der bei den Bauarbeiten freigelegt und unschädlich gemacht wurde.  Ein anderes Bild dokumentiert, dass die Opel Post in den 1950er Jahren Kontakte zu Betriebszeitungen der DDR pflegte. Reporter Klaus Dörrbecker durfte „Das Sprachrohr“ der „VEB Karl Marx“ in Magdeburg besuchen, worauf sein Kollege Günter Cramer zum Gegenbesuch in Rüsselsheim vorbeischaute – deutsch-deutsche Verständigung.

 

Dieser Blindgänger wurde bei den Ausschachtungsarbeiten für die Preßwerkerweiterung freigelegt.


Blickfang auf der IAA:
Ein Kapitän mit Schongang


Volkssonntag auf der IAA: 250.000 Besucher strömten am ersten Wochenende durch die Hallen.

Auf der Drehbühne: der neue Rekord.

Chronistenpflicht in einer Oktober-Ausgabe: Eine Nachlese zur IAA, die am 29. September in Frankfurt ihre Pforten schloss, garniert mit zahlreichen Fotos, unter anderem von Bundespräsident Theodor Heuss beim Besuch am Opel-Stand. 800.000 Besucher hat die Automobilmesse diesmal gezählt, davon fluteten 250.000 gleich am ersten Wochenende das Gelände. Vier Opel Rekord, von denen einer sich auf einer Drehbühne präsentiert, zwei Caravan und ein Olympia ziehen die Besucher am Opel-Stand in den Bann. Automobilgourmets erfreuen sich an der Luxusausführung eines Opel-Kapitän, interessieren sich insbesondere für dessen „Overdrive“-Getriebe, das als eine Art „Schongang“ angepriesen wird. Technik, die begeistert.


Wenn einer eine Reise tut
VON FALSCHEN POLIZISTEN


Für den Schmunzler der Ausgabe sorgt ein Reisebericht von Opel Post-Autor Jo Hanns Rösler. Er war in Portugal unterwegs und ist einem Betrüger aufgesessen: Einem falschen Polizisten, der im Städtchen Elvas Touristen wegen erfundener Verkehrsverstöße abkassiert, während die halbe Stadt die Szene von den Fenstern aus beobachtet und sich ins Fäustchen lacht…


 


Stand Oktober 2017

Text: Eric Scherer