Wolfram Eikemeier
Es ist ein Augenblick, von dem jeder träumt, der ein atemberaubendes Naturwunder erleben möchte: einmal einem Buckelwal begegnen. In einem Schlauchboot ist das fünfköpfige Expeditionsteam an den mindestens zwölf Meter langen Meeressäuger herangefahren. Die Bootsbesatzung erstarrt ehrfürchtig, nur die Finger auf dem Auslöser der Kamera bewegen sich … da taucht der Riese plötzlich ab.
„Wo ist er jetzt?“, flüstert einer.
Mit im Boot sitzt ein indischer Natur-Fotograf, der die Szene „live“ mit Hilfe einer Drohne aus der Vogelperspektive beobachtet. Und der sagt ganz ruhig: „Direkt unter uns.“
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Ausgangspunkt der Expedition war Tasiilaq, mit etwa 2.000 Einwohnern die Hauptstadt Ostgrönlands.
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Nein, da ist nichts mit Photoshop nachbearbeitet: Grönlands Natur präsentiert sich in diesen prachtvollen Farben und Formen.
Wenn der Wal jetzt auftaucht, geht die gesamte Bootsbesatzung baden. Keine schöne Vorstellung, trotz korrekt angelegter Schutzausrüstung, trotz bereitliegendem Satellitentelefon, mit dem sich sofort Hilfe rufen ließe. Denn wir befinden uns im Johan Petersen-Fjord, in Ostgrönland, 2.600 Kilometer vom Nordpol entfernt. Wärmer als drei Grad Celsius ist das Wasser nicht.
Angst, Panik gar macht sich an Bord jedoch nicht breit. Den Expeditionsteilnehmern wird lediglich bewusst, „dass es eben mit einem gewissen Restrisiko einhergeht, keine Pauschalurlaube zu buchen“, wie Alexandra Stengel es ausdrückt. Die 49-Jährige arbeitet in der Sitzentwicklung des Rüsselsheimer Engineering Centers, ihr Lebensgefährte Wolfram Eikemeier ist im Bereich Fahrzeugsicherheit tätig. Beide sitzen als Gäste der „Northern Explorers“ im Boot.
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Sag mir, wo die Wale sind: Die kleine Expedition begibt sich auf Motivsuche.
Alexandra Stengel
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„Man geht eben ein gewisses Restrisiko ein, wenn man keine Pauschalurlaube bucht.“
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Kein Strom, fließendes Wasser oder Handyempfang: Die winzige Siedlung am Johan-Petersen-Fjord liegt am Ende der Welt – und in purer Natur.
„Keine Pauschalreise“, das dürfte wohl die Untertreibung der Woche sein. Die beiden Opel-Entwicklungsingenieure hatten im Rahmen der Expedition die Möglichkeit, ein von der Tauchbasis neu errichtetes Eis-Camp in Ostgrönland auszutesten, welches das Unternehmen ab dem kommenden Jahr ihren zahlenden Kunden anbieten wird. Selbst Grönländer beschreiben den Osten ihres Landes mit dem Wort „Tunu“, das so viel wie „Kehrseite“ bedeutet. Eine Woche untergebracht in einer winzigen Siedlung namens Pupik, ohne fließend Wasser, ohne Strom, von Smartphone und Internet ganz zu schweigen.
Stattdessen unberührte Natur pur: schroffe, überraschenderweise auch blühende Landschaftspanoramen, Eisberge, Polarlichter – und Buckelwale. Für eine solche Reise sucht sich der Veranstalter besondere Teilnehmer aus – solche, die diese besondere Exkursion angemessen zu schätzen und zu bewerten wissen. Wolfram Eikemeier war im vergangenen Jahr in Weißrussland, wo er mit seiner Unterwasserkamera Belugawale ins Visier nahm, und hat sich da bereits als angenehmer Kunde profiliert.
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Eisberg voraus: Bis zu 90 Prozent der schwimmenden Riesen befinden sich stets unter Wasser.
Tauchen ist nämlich die große Leidenschaft des 59-Jährigen. Darauf gebracht wurde der Kindersitz-Experte vor 14 Jahren von seiner Lebensgefährtin. „Ich habe schon als Kind Jacques Cousteau-Filme gesehen und immer davon geredet, mal selbst zu tauchen. Alex hat mir zugeredet: Dann mach’s doch auch.“ Und nach ersten Tauchurlauben in den klassischen warmen Gefilden hat ihn dann zunehmend das Kaltwassertauchen fasziniert.
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Wolfram Eikemeier und Alexandra Stengel zieht es an die noch unberührten Flecken der Erde.
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Alexandra Stengel wiederum ist eine passionierte Natur- und Landschaftsfotografin – mit einem derart starken Blick für Motive und technischem Geschick, das sich ihre Arbeiten von denen professioneller Fotografen nicht unterscheiden lassen. Auch sie zieht es an die noch unberührten Flecken der Erde, an denen die Zivilisation bislang nur wenige bis gar keine Spuren hinterlassen hat.
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Häufig in Küstennähe zuhause: Ein Buckelwal lugt kurzzeitig aus dem Wasser.
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Und wie endete die Begegnung mit dem Buckelwal? „Gut. Er ist ganz entspannt unter unserem Boot durchgetaucht.“
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Lebt grundsätzlich in allen Ozeanen: Der Buckelwal sucht im Sommer polare Meere auf, seine Winterquartiere liegen in tropischen und subtropischen Gewässern.
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Sommerquartier: Buckelwale verbringen die warme Jahreszeit auf der Nordhalbkugel gerne vor der Küste von Grönland.
So kommt es, dass die beiden immer wieder gemeinsame Urlaubsziele suchen und finden, auf die sonst kaum einer kommt. Nächstes Jahr etwa geht es nach Chile, ans europäische Observatorium La Silla, auf einem 2.400 Meter hohen Berg gelegen. Hier stehen unter anderem zwei der weltbesten Teleskope der Vier-Meter-Klasse, mit denen entfernte Planetensysteme beobachtet werden.
Die Tour wird lediglich dreihundert Besuchern angeboten – und Alexandra Stengel hat zwei Tickets ergattert. Und wie endete die Begegnung mit dem Buckelwal? „Gut. Er ist ganz entspannt unter unserem Boot durchgetaucht“, erzählen die beiden. Andererseits: „Diese eine Woche Ostgrönland war so überwältigend, die hätte uns auch ein Bad im Eiswasser nicht verleiden können.“ •
Fotogalerie: Faszinierende Eisformationen
- Schiff voraus
- Skulptural
- Im Abendrot
- Allgegenwärtig
- Schroff
- Kunstvoll
- Pures Eis
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„Ermüdungsbecken“: Nach dem Tauchgang ist vor dem Entspannen.
Oktober 2018