Von Riesen und Zwergen:
Der richtige Sitz für alle

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Stefan Koob


Als Center of Competence sind wir für die Sitzentwicklung der gesamten Groupe PSA zuständig. Deshalb ist es für mich momentan unheimlich interessant zu lernen, was der Peugeot-Kunde im Gegensatz zu einem Opel- oder einem Citroën-Fahrer besonders schätzt. Mir geht es dabei nicht darum, die PSA-Sitze quasi auf links zu drehen. Entscheidend ist die Frage: Wie muss ein Sitz beschaffen sein, dass ein Neuwagenkäufer einer bestimmten Marke sofort merkt, „das ist mein Sitz“.

Charakteristisch für einen Opel ist die eher sportliche Abstimmung – das kennen und das erwarten die Kunden von uns. Und das gilt natürlich auch für den Sitz. Bei aller Sportlichkeit soll er aber komfortabel sein und ein sicheres Gefühl vermitteln. Deshalb spielt gerade der Seitenhalt hier eine große Rolle. Ein Citroën-Kunde dagegen empfindet ganz anders: Das Gros dieser Kunden zieht einen weichen Sitz vor, in den er oder sie sich wie auf einem Sofa einkuscheln kann.

Wie bringen wir all das bei der Sitzentwicklung unter einen Hut? Um einen echten Opel-Sitz zu formen, vertrauen wir auf unsere bewährte Sitzstruktur, also das Gerüst, das den Sitz ausmacht. Mit den Komponenten, die darauf aufbauen – etwa Schäume, Sitzbezüge und Design – prägen wir den Sitz so, dass das Gefühl stimmt und sich nach Opel anfühlt. Das mag komisch klingen, aber das„Popometer“ ist nicht nur bei Rennfahrern entscheidend für die Rückmeldung von der Straße.

 

Maßarbeit: Stefan Koob (links) und Kollege Jonas Eisenbraun, Projektleiter Insignia-Sitze, testen die Kopfstützen.

Zur Sitzstruktur kommen die PUR-Schäume (Polyurethan). Wir können den Sitz damit so individuell formen, wie wir ihn uns wünschen – ob für Sessel-Liebhaber oder für diejenigen, die es gerne etwas straffer mögen. Für die Sportsitze im neuen Corsa beispielsweise haben wir einen relativ harten Sitzschaum verwendet, der einem das Gefühl gibt, dass man im Sitz richtiggehend „festgehalten“ wird.

 

Kein Entwicklungsschritt ohne uns 

Insgesamt dauert so eine Sitzentwicklung etwa drei Jahre. Der Sitz ist eine der teuersten Komponenten im Auto. Effizienz ist deshalb Trumpf. Im Klartext heißt das:

  • Eine neue Sitzstruktur für jedes Modell zu entwickeln, macht keinen Sinn – viel zu teuer.
  • Unsere Lösung lautet: Module. Diese können über mehrere Modelle oder gar Marken hinweg eingesetzt werden. So rechnet sich das und wir haben stets Top-Qualität.

Doch wie läuft die Sitzentwicklung nun genau ab? Wir sind natürlich von Anfang an dabei – ebenso wie die Designer und Marketing-Experten. Die Designer geben die visuelle Linie vor, das Marketing zeigt seine Vertriebsstrategie auf und wir als Sitzentwickler überprüfen die technischen Rahmenbedingungen sowie die gesetzlichen Anforderungen. Dabei haben wir natürlich auch die Kosten immer im Blick. Also viele Aspekte, die berücksichtigen müssen, Gesäß hin oder her.

Der Performance-Sportsitz für den Insignia GSi: Charakteristisch für einen Opel ist ein sportlicher Sitz – das kennen und das erwarten die Kunden von uns.

 

„So früh wie möglich lassen wir unsere Komfortspezialisten unsere Sitze testen. Das sind Männer und Frauen, echte Sitzgefühl-Profis.“

Getestet … und für gut befunden!

Sind die ersten Entwürfe umgesetzt, geht’s in die Testphase: So früh wie möglich lassen wir unsere Komfortspezialisten unsere Sitze testen. Das sind Männer und Frauen, echte Sitzgefühl-Profis, die den gesamten Entwicklungsprozess begleiten. Sie setzen sich ausschließlich mit dem Thema Komfort auseinander. Schließlich müssen später in unseren Fahrzeugen sowohl die sprichwörtlichen Sitzriesen als auch die Sitzzwerge ausreichend Platz finden. Dank ihres speziellen Talents und ihrer Erfahrung spüren unsere Leute ganz genau, wenn etwas nicht stimmt und wir bekommen eine große Bandbreite an Rückmeldungen. Danach wissen wir, ob und wo der Sitz drückt. Und dann ist es an uns, alles auszuwerten und die kritischen Punkte zu beseitigen. Apropos kritische Punkte: Wenn wir einen neuen Sitz entwerfen, fließt das Kundenfeedback aus früheren Generationen oder anderen Fahrzeugprojekten in unsere Arbeit mit ein.

Viele Listen und Tabellen später ist es mit dem angenehmen, typischen Opel-Sitzgefühl allein aber immer noch nicht getan. Der Sitz muss schließlich die gesetzlichen Sicherheitsanforderungen erfüllen. Wenn etwa die Seitenairbags aufgehen, muss sich der Stoff oder der Bezug entsprechend lösen. Dazu kommen die Euro NCAP-Tests, die über die gesetzlichen Bestimmungen hinausgehen. Denn nur, wenn der Passagier gut und in der richtigen Position im Sitz gehalten wird, können andere Systeme wie etwa der Gurtstraffer ihre Arbeit leisten. Und natürlich darf sich der Sitz bei einem Unfall nicht verformen.

Ein echter Knochenjob und eine tolle Herausforderung, denn in Zukunft wird es sicherlich noch mehr Einstellmöglichkeiten an unseren Sitzen geben als heute schon. Schließlich steigen – zurecht – die Ansprüche der Kunden weiter. Außerdem expandieren wir weltweit. Da wird es gelten, die Anforderungen an einen Sitz etwa des asiatischen ebenso wie des amerikanischen Publikums zu erfüllen . Sie sehen: Die Sitzentwicklung wird für uns spannender denn je.

 


Oktober 2019

Grafik/Foto: Opel/Andreas Liebschner