Zwei Minuten echte Gefühle

Der Astra OPC

Wie sein Vorgänger, der Astra H OPC, basiert die Sportversion des Astra J exklusiv auf dem Astra GTC. Sie verfügt über einen 2,0-Liter-Turbo-Motor mit Benzindirekteinspritzung, der 206 kW/280 PS leistet und ein Drehmoment von 400 Nm erzeugt. Der Astra OPC sprintet in 8,1 Sekunden von 0 auf 100 km/h und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h.

„Uuuund Action!“ Auf den Kreisstraßen rund um die 750-Einwohner zählende Gemeinde Schmalenberg ist sonntags nicht allzu viel los. Da fällt so ein Astra OPC, der mit dem vollen Sound seines Zweiliter-Turbos angejagt kommt – und von einer Kameradrohne verfolgt wird – ziemlich auf. Doch außer ein paar Kühen, die auf einer an die Fahrbahn grenzenden Weide grasen, ist an diesem Morgen in diesem Teil des Pfälzer Waldes niemand unterwegs.

Werden hier gerade Szenen für den neuen „Bond“ mit Daniel Craig gedreht? Nicht ganz. Am Steuer des Astra OPC sitzt Patrick Stenger, die Drohne steuert Adalbert Bukowski. Und beruflich sind die beiden nicht in Filmkunst unterwegs, sondern im Industriehandwerk im PSA-Werk Kaiserslautern. Filmen ist lediglich zu ihrem liebsten Hobby geworden, und das rasend schnell.

Mit Stabilisierungsfunktion: Ein „Gimbal“, den Adalbert Bukowski (l.) hier hält, ermöglicht verwacklungsfreie Kamerabewegungen aus der Hand.
Für dieses Foto stehen sie mal vor statt hinter der Kamera: Patrick Stenger (l.) und Adalbert Bukowski.

Vor einem Jahr trafen sich Stenger und Bukowski bei den Kaiserslautern Classics, der großen automobilen Oldtimer-Show im Herzen der Pfalz, bei der sich jedes Jahr auch viele alte Opel präsentieren. Beide waren mit Spiegelreflexkameras unterwegs, um die Chromschnitten möglichst einfallsreich im Bild festzuhalten.

 

„CarPorns“ als Inspiration

„Ist doch blöd, wenn wir beide im Prinzip die gleichen Fotos machen“, dachte sich Adalbert Bukowski irgendwann. Und begann, im Videomodus seiner Kamera Bewegtbilder einzufangen. Zu Hause nutzte er dann ein einfaches, frei erhältliches Schnittprogramm, um seinen ersten Videoclip zu montieren. Inspiriert von den kurzen Filmen, wie sie beispielsweise der umtriebige Moderator und Unternehmer Jean Pierre Kraemer auf seiner Seite „JP Performance“ ins Netz stellt.

Kraemer ist einer der kreativsten Köpfe unter den Video-Bloggern auf „Youtube“, die Autos, insbesondere getunte Fahrzeuge, ins Visier nehmen. „CarPorns“ nennt die Szene ihre Clips, die sich durch harte Schnitte, gekonnte Wechsel zwischen Detailaufnahmen und Totalen, schnellen und langsamen Kameraschwenks sowie den Einsatz zahlreicher weiterer optischer Effekte auszeichnen – nicht zu vergessen eine hippe Hintergrundmusik.

CarPorn

Der durch die Tuningszene geprägte Ausdruck ist ein Wortspiel aus den englischen Begriffen „Car“ – für Auto – und „Porn“, welcher sich zwar auf die Erwachsenenfilm-Branche bezieht, im Automobilbereich aber auf die Faszination getunter Fahrzeuge und deren Merkmale eingeht. Bei einem „CarPorn“ wird also ein Fahrzeug zur Schau gestellt und dieses entsprechend in Szene gesetzt.

↑ Video: OPEL Astra OPC | CarPorn


„Wenn ich das professionell machen würde, hätte ich nicht mehr so viel Freude daran.“

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Adalbert Bukowski

Bukowski lud sein Erstlingswerk zunächst auf Facebook hoch, und erhielt bald darauf die Anfrage eines „Followers“, einen solchen Clip doch mal mit seinem Auto zu produzieren. Dieses Video wiederum wurde auf einem Fest aufgeführt, worauf der nächste Auftrag folgte. So wuchsen Bukowski und Stenger zu einem Filmteam zusammen – und von Dreh zu Dreh stiegen auch ihre eigenen Ansprüche. Also wurde das technische Equipment aufgestockt. Sie schafften sich eine Kamera mit hochwertigem 35-Millimeter-Sensor an, eine Drohne und ein „Gimbal“, ein extrem feinmotorisch ausgearbeitetes Kamerastativ, das Bewegungen erlaubt, ohne dass die Bilder verwackeln. Und mittlerweile nutzt Bukowski natürlich auch ein professionelles Videoschnittprogramm.

Vor einigen Wochen hatten die beiden die Idee, mal etwas anders in Szene zu setzen: ein Auto jener Marke, für die sie arbeiten. Also fragten sie beim Fahrzeugpool am Standort Kaiserslautern nach, ob sie sich für ein Wochenende einen Astra OPC für Dreharbeiten ausleihen dürften. Sie durften. Und so diente der Pfälzer Wald um Schmalenberg als Filmset.

„Frische Augen“ erkennen die Details

Drei Tage dauerten die Dreharbeiten mit Spiegelreflexkamera, Action-Kamera und Drohne; fünf weitere die Nachbearbeitung. Wobei Bukowski ungern an einem Stück arbeitet: „Du musst das Material auch mal ein paar Tage liegen lassen und dann nochmal mit frischen Augen ansehen. Dann erkennst du wieder neue Details, die du verbessern kannst“, gibt der 27-Jährige einen Einblick in seine Arbeitsweise. Doch so hoch seine Ansprüche an sich und seinen Teamkollegen mittlerweile sind – er sieht sich als Amateur und will es auch bleiben: „Ich glaube, wenn ich das professionell machen würde, hätte ich nicht mehr so viel Freude daran.“

Trotzdem sind die beiden nun in der „CarPorn“-Szene aktiv. Auf ihrem Youtube-Kanal „Catching Pixel Productions“ kann man sich die Clips von Patrick Stenger und Adalbert Bukowski anschauen – darunter auch den vom Astra OPC.

Auf Motivsuche: So ein Einsatz als „Location Scout“ in der Pfalz beschert bisweilen auch schöne Aussichten.


Oktober 2019

Text: Eric Scherer, Fotos: Eric Scherer, Patrick Stenger und Adalbert Bukowski