Potenzial an jeder Ecke

 „Besucher haben angekündigt, jetzt auch bei sich zu Hause durchzurechnen, was es bringt, ihre alten Leuchtmittel zu erneuern.“

– Tanja Bjanow –
Facilities Management-Expertin

Auf den ersten Blick mag diese Information überraschen: In den Entwicklungsbereichen und in der Verwaltung wird bei Opel in Rüsselsheim mehr Energie verbraucht als in der Produktion. Die Suche nach einer Erklärung führt in erster Linie ins Internationale Technische Entwicklungszentrum. Das ITEZ zeichnet sich nicht nur durch Tausende PC-Arbeitsplätze aus, sondern vor allem durch Klimakammern, Prüfstände und Labore, allesamt Einrichtungen, die enorme Mengen Energie benötigen.

 


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Infotainment total: Externe Energienanbieter und opel-interne Bereiche präsentierten sich Seite an Seite.

 

Einblicke in alle Bereiche der Energiewirtschaft erhielten die Besucher auf Info-Tafeln und Monitoren.

 

Für einen guten Zweck dreht der Opel-Nachwuchs auch mal am Rädchen: Lennart Press produziert Wattwerte für die Bärenherz-Spende.

 


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Entdecke die Möglichkeiten: Das „KompetenzNetz Umwelttechnologie“ (KNUT) stellt sich vor.

 

 

Dabei ist unbestritten: Potenziale, um Unternehmenskasse und Umwelt zu schonen, gibt es in puncto Energie sehr viele – aber eine Grundvoraussetzung. „Man kann noch so gute Managementsysteme implementieren“, sagt Thorsten Teuscher von der Opel Energy & Utilities Service Group. „Doch das bleibt weitgehend wirkungslos, wenn die Menschen, die dahinter stehen, nicht ein entsprechendes Bewusstsein fürs Sparen und Wirtschaften mit Energie entwickeln.“ Diese Erkenntnis beschreibt, welche Motivation die ersten „Energietage“ begleitet, zu denen Opel nun an drei aufeinanderfolgenden Tagen ins Foyer des Adam Opel Hauses lud.

 

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Vernetztes Engagement auf einem höchst verzweigten Themenfeld: Thorsten Teuscher erklärt Organisation und Strategie der Energieversorgung bei Opel.

 

Informieren, vor allem aber auch veranschaulichen, was Energie kostet und wie der Verbrauch reduziert werden kann – das war das Ziel der Programmgestalter, zu denen neben Thorsten Teuschers Bereich auch die Teams von Facilities Management und der Rüsselsheimer ME gehörten. Zudem unterstützten regionale Energieanbieter sowie die Fachhochschule Bingen die Veranstaltung. Ein Highlight war die Präsentation der „Energie-Erlebnis-Welt“, die Auszubildende des Standorts Rüsselsheims in den vergangenen Wochen auf Anregung der Opel-Energiespezialisten geschaffen hatte.

 


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Besuch im Opel-Kraftwerk, wo der Alltagsbetrieb ganz normal weiterlief.

 

Energiequelle Mensch: Die Wärmebildkamera liefert neue Einsichten.

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Kurbeln für einen guten Zweck: Christian Müller (Mitte) überreicht Romy Brandes von der „Bärenherz“-Stiftung einen Spendenscheck über 1.000 Euro.

 


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Auf den Spuren der opel-eigenen Energie: Besucher auf dem Weg ins Kraftwerk.

 

WARUM STOSSLÜFTEN BESSER ALS KIPPEN IST
Die kompakte Station verfügt über sechs Ecken – und hinter jeder wartet eine andere Idee, wo und wie sich Energie sparen lässt. „Mein Favorit ist dieses Handrad“, sagt Lennart Press, einer der angehenden Mechatroniker und Betriebselektroniker, die die Anlage gebaut haben und während der Energie-Tage betreuten. Ein Display zeigt die Wattzahl an, die aktuell am Handrad erkurbelt wird, und veranschaulicht so, wie kraftaufwendig die Herstellung von „Power“ durch „Man“ sein kann.

Besonderer Coup: Die von den Benutzern an der Kurbel erbrachten Leistungen wurden addiert, in Euro umgerechnet und als Spende an eine gemeinnützige Einrichtung überreicht: Am Ende freute sich die „Bärenherz“-Stiftung in Wiesbaden über einen Scheck in Höhe von 1.000 Euro.

„Durch die Mitarbeit an diesem Projekt habe ich auch selbst viel gelernt“, ergänzt Lennart Press. Dass etwa das Stoßlüften in einem Raum nicht nur energieeffizienter ist, sondern auch einfach mehr Frischluft beschert als ein Fenster nur zu kippen, wird in der Energie-Erlebnis-Welt einfallsreich mit Hilfe einer Nebelmaschine demonstriert. Ebenso, was Druckluft-Leckagen kosten.

Besonders gelungen findet der 20-jährige Press die Übersicht über die Produktionsbereiche, in der sich per Knopfdruck aufrufen lässt, wo welche Energiekosten bei der Produktion eines Autos verursacht werden: „Die Zahlen haben wir selbst recherchiert.“ Dazu gehören auch die Stromkosten, die ein einfacher PC verursachen kann: Wird er nach Feierabend regelmäßig ausgeschaltet, dann frisst er laut Azubi-Recherche pro Jahr lediglich Strom für 4,50 Euro; läuft er durch, fallen 165 Euro an. „Wahnsinn“, sagt Lennart Press. „Dieses Wissen nehme ich jetzt auch mit nach Hause.“


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Human Power: Drei Tage lang waren die Aussteller voller Energie am Start – und zum Abschluss posieren alle fürs Erinnerungsfoto.

 


 „Das waren nicht die letzten Energietage in Rüsselsheim.“

– Christian Müller –

Vice President Powertrain Engineering Europe

 

Da ist Press nicht der einzige. Die Energie-Erlebnis-Welt dreht sich nicht nur für diese Veranstaltung. „Sie wird jetzt von einem Opel-Produktionsort zum anderen wandern“, kündigt Thorsten Teuscher von der Opel Energy & Utilities Service Group an.

Spannende Fakten lieferten auch die anderen Teilnehmer. Das Team von Facilities Management zum Beispiel veranschaulichte an seinem Stand, wie viel man einsparen könnte, die Beleuchtung in den Rüsselsheimer Produktionshallen und in den Außenbereichen auf LED-Licht umzustellen: 1,5 Millionen Euro im Jahr. „Einige Besucher haben, als sie das gesehen haben, direkt angekündigt, jetzt auch mal bei sich zu Hause durchzurechnen, was es bringt, ihre alten Leuchtmittel zu erneuern“, berichtet Facilities Management-Expertin Tanja Bjanow.

„Das waren nicht die letzten Energietage in Rüsselsheim“, verspricht Christian Müller, Vice President Powertrain Engineering Europe, der die Rolle des Schirmherren übernommen hat. Mit Blick auf die Pause während der Weihnachtsferien hatte Müller auch eine Botschaft an die Mitarbeiter in allen Bereichen: „Wenn nun der große Shutdown vor den Feiertagen ansteht, achten Sie bitte mit darauf, dass in Ihrer Arbeitsumgebung alle elektrischen Geräte ausgeschaltet sind und alle Fenster geschlossen sind – allein dadurch lassen sich enorme Energiekosten sparen.“

 

Stand November 2015

 

Text: Eric Scherer, Fotos: Martina Sabais