Ein Hammer-Typ

Sebastian Lenz gelingen die ganz großen Würfe. Er ist Leistungssportler und in der Lage, eine 7,26 Kilogramm schwere Metallkugel, befestigt an einem Stahldraht, extrem weit zu schleudern. Genauer gesagt, auf Entfernungen jenseits der 60-Meter-Marke. Im Hammerwerfen, das ist seine Disziplin, hat er damit mehrere Titel bei den Hessischen Meisterschaften

 

Sein Auftrag: Schweißprozesse optimieren – da müssen am PC viele Messdaten analysiert und ausgewertet werden.

erlangt – und bundesweit den Ruf als Toptalent. Zurzeit optimiert der 24-jährige Leichtathlet nicht nur seine Hammerwurftechnik, sondern auch die Schweißprozesse im Rüsselsheimer Karosseriebau.

Dort sammelt Lenz als Praktikant Erkenntnisse, die er für seine Bachelor-Arbeit an der Hochschule Rhein-Main nutzen wird.  Ein Abschluss als Master soll ebenfalls folgen. „Darüber hinaus“, sagt der angehende Maschinenbauer aus Frankfurt-Unterliederbach „kann ich mir meine berufliche Zukunft bei Opel vorstellen.“

Der Leichtathlet und der Autobauer, das könnte bestens passen, findet Michael H. Schmidt von der Zentralen Berufsausbildung. Denn im Sport wie im Job brauche es Eigenschaften wie Disziplin, Zielstrebigkeit, Teamgeist und Siegermentalität. „Von solchen Tugenden profitiert auch Opel. Darum unterstützt unser Unternehmen immer wieder Leistungssportler dabei, sich beruflich bei uns zu entfalten.“ Den Kontakt zwischen Lenz und Opel hergestellt hat der Olympiastützpunkt Hessen (OSPH), eine Betreuungs- und Serviceeinrichtung, die der Deutsche Olympische Sportbund für Athleten unterhält.


01_unknown-1

Höher, weiter, besser: Der perfekte Hammerwurf ist eine Frage des Timings.


Seit nunmehr 26 Jahren ist Opel Ansprechpartner des OSPH. „Die Kooperation ist im Dialog über Jahre hinweg gewachsen“, berichtet Arnulf Rücker, der in der OSPH-Abteilung „Laufbahnberatung“ tätig ist und dort den Athleten hilft, die Sport- mit einer Bildungs- und Berufskarriere in Einklang zu bringen. „Opel hat immer ein offenes Ohr für uns und zeigt unseren Schützlingen per Ausbildung oder Praktikum auf, welchen Weg sie langfristig einschlagen könnten.“ Bisweilen mit einem Happy End für beide Seiten.

OPEL MACHT DEN SPAGAT MÖGLICH
Die ehemalige Hockey-Torfrau Nicole Loeck etwa absolvierte zunächst eine Lehre zur Modellbauerin und ist heute als Ingenieurin in diesem Bereich tätig. Judoka Heiner Kleber machte einst ein Praktikum während seines Maschinenbau-Studiums, kam dann noch einmal für ein berufsfachliches Semester – und blieb schließlich ganz bei Opel. Eine Vorgehensweise, die Hammerwerfer Sebastian Lenz imponiert. „Ich möchte mich akademisch und beruflich bestens aufstellen“, sagt er, „dabei auf möglichst hohem Niveau meiner Sportleidenschaft nachgehen können.“

01_unknown-4

Viermal dreht sich der Athlet um die eigene Achse, ehe er den Hammer loslässt.

 

Am Hammerwerfen fasziniert ihn das fein zu koordinierende Zusammenspiel von Kraft und Technik. Vier Drehungen um die eigene Achse hat der Athlet zur Verfügung, um Schwung zu holen, dann muss er das Sportgerät im richtigen Augenblick loslassen, um die bestmögliche Weite zu erzielen. „Da braucht man ein perfektes Gefühl fürs Timing. Die Beine machen mächtig Tempo, der Oberkörper aber muss entspannt bleiben – so komplex ist keine andere Wurfdisziplin.“


SEINE BESTE ZEIT KOMMT NOCH
2009, als 17-Jähriger, konzentrierte Lenz sich zum ersten Mal stärker aufs Hammer- statt aufs Diskuswerfen, was über lange Zeit seine Lieblingssportart gewesen war. Prompt wurde er Fünfter bei den Deutschen Meisterschaften im Hammerwerfen. Ein Jahr später nominierte ihn der Bundestrainer in den Bundeskader. „Um Spitze zu bleiben, musst du bis zu zehn Trainingseinheiten in der Woche einplanen“, erklärt Lenz. Das ist nicht möglich, wenn man beschließt Maschinenbauer zu werden. Etwa fünfmal wöchentlich widmet er sich aktuell seinem Sport – „dafür sind meine Weiten sogar noch ganz gut“.

Den Hessischen und Deutschen Meisterschaften will Lenz sich nächstes Jahr daher stellen. „Es wird sicherlich auch wieder die Zeit kommen, in der ich mich intensiver aufs Hammerwerfen konzentrieren kann.“ Das beste Alter für Athleten dieser Disziplin liege ohnehin bei 28 bis 30 Jahren, „aber es gibt auch noch Spitzenleute, die älter als 35 sind“.

Zwischen Sport und Job hin zu her zu hetzen, um in beidem voll zu punkten, ist nach Ansicht von Lenz fatal, denn das töte den Spaß. „Und die Sache mit dem Erfolg ist letztlich ja recht simpel: Man kann eine Sache nur richtig gut machen, wenn man sie gerne macht.“ Genau dies sei bei seiner Arbeit im Karosseriebau gegeben: „Opel ist der Hammer.“

01_unknown-7

Mit den Beinen Tempo machen, im Oberkörper locker bleiben: Das ist leichter gesagt als getan.

 

 

 

 

Text: Eric Scherer; Fotos: Arndt Goetz, Alexander Heimann, privat