Von Rallye-Siegern
und Design-Ikonen

 


Das Titelbild
Sorgen und Nöte ausländischer Arbeitnehmer


Schlagerstar Alexandra als Titelfoto der Opel Post? Könnte passen. Wir schreiben das Jahr 1969, und wenige Wochen zuvor ist die populäre Sängerin  („Mein Freund, der Baum“) tödlich verunglückt. Allerdings ist die Opel-Mitarbeiterzeitung kein geeigneter Ort für Nachrufe solcher Art. Die Dame auf dem Foto hat auch nur eine ungefähre Ähnlichkeit mit Alexandra, und leider nennt das Impressum nicht ihren richtigen Namen, sondern stellt sie lediglich als „eine Italienerin“, die auf eine Geschichte über Gastarbeiter im Heftinnern verweisen soll. Darin wird die Bedeutung ausländischer Arbeitnehmer für deutsche Industrie dargestellt, aber auch die Belastung durch Sprachbarrieren oder  Trennungsschmerz geschildert, mit denen die Mitarbeiter zu kämpfen haben. Etliche andere Themen dieser Ausgabe fangen ebenso eindrucksvoll den Geist der damaligen Zeit ein.

 


Die Geburtsstunde einer Design-Ikone
Wie der Opel CD entstand


Designer bei der Arbeit im Studio.

Ein vorläufiges Plastilinmodell entsteht.

„Warum entwickelte das Werk ein solches Modell?“, fragt die Opel Post – und antwortet sich selbst: „Weil es am Beispiel des CD zeigen wollte, wie wir in die Zukunft denken.“ Die Mitarbeiterzeitung nimmt die Vorstellung auf der IAA zum Anlass, den Entstehungsprozess der Studie im Rüsselsheimer Styling-Studio  nachzuzeichnen, wo sie unter der Leitung von Charles „Chuck“ Jordan entstand – von der Zeichnung übers Plastilin-Modell zur Fiberglas-Ausführung. Wirklich eindrucksvoll.


 

Im Juli 1969 hat der erste Mensch den Mond betreten. Da bietet es sich doch an, eine Studie, die Opel auf der IAA in Frankfurt präsentiert, als „Vision vom Auto der weltraumfahrenden Generation“ zu bezeichnen. Klingt irgendwie großspurig? Gar nicht. Der Opel CD gilt in Insider-Kreisen bis heute als Design-Ikone. Seit 2016 ist in der „Opel Classic“-Werkstatt ein Nachbau zu bewundern, der auch die heutige Generation noch fasziniert, obwohl es sie längst nicht so in den Weltraum hinausgezogen hat, wie die Zukunftsforscher dies im Jahr 1969 glaubten.

 

Auf Crash gebürstet
Als Terminators Opa die Knochen hinhielt


„Oscar humanus“ gilt als die bislang naturgetreueste Nachbildung eines menschlichen Körpers.

Seine Knochen sind aus Kunstharz und weisen die gleiche „Bruchresistenz“ auf wie menschliche.

Was ist denn das denn – der Opa vom „Terminator“? Nicht ganz. Der Herr mit dem künstlichen Skelett ist wesentlich friedfertiger als der von Arnold Schwarzenegger dargestellte Killer-Android und nennt sich dementsprechend „Oscar humanus“. Und seine Aufgabe ist auch nicht, echten Menschen die Knochen zu brechen, sondern seine künstlichen für sie hinzuhalten – als „Dummy“ auf den Opel-Teststrecken in Rüsselsheim und Dudenhofen.

„Oscar humanus“ gilt als die bislang naturgetreueste Nachbildung eines menschlichen Körpers. Seine Knochen sind aus Kunstharz und weisen die gleiche „Bruchresistenz“ auf wie menschliche, seine „inneren Organe“ bestehen aus ausgeklügelten Plastikkonstruktionen, die die Crashtest-Eigenschaften von Leber, Niere, Milz et cetera simulieren. So „erleidet“ er bei einem schweren Aufprall die gleichen Verletzungen, die auch ein menschlicher Fahrzeuginsasse erleiden würde – mit dem Unterschied, dass „Oscar humanus“ nicht wirklich leidet. Weil er eben doch nur ein Stück Technik ist, die begeistert.

 


Jetzt schlägt’s 13
Opel siegt bei der längsten Rallye der Welt


 

 

Kurt Waldner (links) und Hans Vogt wurden in ihrem Opel Rallye Kadett 1900 Gesamtsieger der „Tour d’Europe“.

Die „Tour d’Europe“ war damals ein Spektakel, wie es sich heute gar nicht mehr organisieren ließe. 15.000 Kilometer durch 16 Länder Europas und Kleinasiens standen 1969 auf dem Programm ihrer 13. Auflage, darunter der Irak, Syrien und Jordanien. Opel war damals gleich mit 16 Teams am Start. Elf davon erreichten das Ziel, und eines davon durfte sich als Gesamtsieger feiern lassen: Kurt Waldner und Hans Vogt in ihrem Opel Rallye Kadett 1900. In dem ausführlichen Opel Post-Bericht über die damals längste Rallye der Welt finden jedoch auch die anderen Starter im Zeichen des Blitzers namentlich Erwähnung.

Die Französin Marie-Claude Beaumont etwa, eine der wenigen Profi-Rennfahrerinnen ihrer Zeit, die mit dem renommierten Piloten Henri Greder einen Opel Commodore chauffierte. Auch ein Opel-Freunden noch heute gut bekannter Name findet sich im Bericht. Günther Irmscher. Er inszeniert sich und seinem Rallye Kadett 1100  einen besonders eindrucksvollen Auftritt, als er zur „Halbzeit“ der Rallye in ein vollbesetzten Fußballstadion mit Sandbahn hineinrauscht und, um den Publikum eine Freude zu machen, ein paar Drifts fährt und so für ein paar Sandfontäne-Effekte, die das Publikum mit heftigem Applaus goutiert.


Blick auf neuen Lehrgang beweist:
Meister beherrschen auch Krawattenknoten


Der im September 1969 neu gestartete Meisterlehrgang.

Meisterlehrgang? Nicht ohne Anzug und Krawatte. So gebot es der damalige Dresscode, jedenfalls im theoretischen Teil der Schulung. Denn bei Opel hat im September ein neuer Meisterlehrgang begonnen, und diesen nimmt die Mitarbeiterzeitung zum Anlass, mal ein wenig Rückschau zu halten, was die Ausbildung dieser Führungskräfte im Unternehmen angeht. Seit 1956 sind insgesamt 78 Lehrgänge dieser Art abgeschlossen worden, dabei wurden bereits 1700 Meister ausgebildet. Ein Lehrgang zieht sich über 22 Wochen, 18 bis 20 Mitarbeiter nehmen daran teil. „Neben den wichtigen Fachgebieten Führungskunde, Menschenkenntnis und Menschenbehandlung werden die Teilnehmer mit jenem Wissen bekannt gemacht, das es ihnen ermöglicht, die Aufgaben und Verantwortlichkeiten zu übernehmen, die in menschlicher, technischer und wirtschaftlicher Beziehung in den Arbeits- und Pflichtenkreis eines Meisters fallen“, heißt es im Bericht. Und davon abgesehen, will auch so ein Krawattenknoten erst mal richtig gebunden sein.

 

 


Hier können Sie die komplette Opel Post-Ausgabe
vom November 1969 herunterladen.

 

 

November 2019

Text: Eric Scherer