Der Familien-Versteher

Mein_Opel

Kollegen öffnen der Opel Post ihre Garagentür

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Mit Papa Cabrio fahren, das ist für Lena Freude pur. Den Fahrtwind genießen, die Landschaft der Westpfalz – und die Blicke der Fußgänger. „Eine Frau hat mal ihren Besen fallen lassen, als wir an ihrem Haus vorbeigefahren sind“, erzählt die Neunjährige begeistert. Und was ist das für ein Gefährt, das so viel Begeisterung hervorruft? „Ein Opel.“ Ein Cascada also? „Nein. So ein ganz, ganz alter.“

In der Tat. Baujahr 1936 ist der Opel 6, den Sascha Bauer sich zugelegt hat. Zuvor besaß er einen P4. Auch den hat er geliebt, aber ein bisschen eng war es darin schon, außerdem störte das Dach direkt über dem Kopf. Darum sollte sein nächster Opel-Oldtimer ein Cabrio sein. Auch, damit die Töchter aufs Mitfahren abfahren. Der Plan ist offenbar aufgegangen.

Technikbegeisterung ist dem Werkzeugmacher aus dem Kaiserslauterer Presswerk  in die Wiege gelegt worden. Sein Großvater war in den 1950-er Jahren im heimischen Niedermohr der zweite Landwirt, der sich einen Trekker zulegte, einen „11er Deutz“, das legendäre Modell, mit dem Traktoren erstmals auch für kleinere Betriebe erschwinglich wurden. Zuvor war das Pfälzer Land noch mit Pferdepflügen bestellt worden.


Heute eine Rarität Der meistgekaufte deutsche Mittelklassewagen der 1930er-Jahre.

„Etwas Anderes
kam
für mich gar
nicht
in Frage.“

– Sascha Bauer –


Preisfrage Wie viele Zylinder hat dieser Opel-Klassiker unter der Motorhaube?

Schwarz auf weiß Dieser Opel ist Baujahr 1936.

Echtheitszertifikat Das Original Typenschild.


Sascha Bauer war gerade mal neun Jahre alt, als er mit dem damals schon betagten Modell seine ersten Fahrversuche unternahm: „Ich musste im Stehen steuern, sonst wäre ich nicht an die Kupplung gekommen.“


FAMILIENFREUNDLICHER OLDTIMER


Die Leidenschaft für klassische Landmaschinen hat er sich auch im Erwachsenenalter bewahrt. Bis zu zwölf Trekker, die meisten von der Kultmarke Lanz, hortete er zeitweise auf dem Gelände seines Niedermohrer Zuhauses. Die alle in Schuss zu halten, zu bewegen und sich gelegentlich auch mal bei einem Treffen blicken zu lassen, kostet nicht nur Zeit und Geld, „es belastet auch den Haussegen.“

So kam er auf den Gedanken, sich einen familienfreundlicheren Oldtimer zuzulegen. Und das wiederum musste ein Opel sein, „etwas Anderes kam für mich gar nicht in Frage.“ Schließlich arbeitet der heute 46-Jährige schon seit 1988 – seit 1992 im Werkzeugbau des Presswerks – für das Unternehmen. Und Vater Werner war in den 1960-er Jahren im zweiten Ausbildungsjahrgang dabei, der im Werk Kaiserslautern in seine berufliche Zukunft startete. Tradition verpflichtet eben. Darum hütet Werner Bauer auch noch einen Opel GT wie seinen Augenapfel – in einer Garage, die fast ein kleines Opel-Museum ist: Alte Werbeschilder, Nähmaschinen und ein Kühlschrank der Marke gibt’s da ebenfalls zu sehen.

Ab ins Grüne Der Oldtimer präsentiert sich geländegängiger als erwartet.

Steuerzentrale Das Logo erinnert bereits an den späteren  Opel-Blitz.


Wenn Oldtimer, dann Opel Etwas Anderes kam für Sascha Bauer nicht in Frage.


Der Bestseller der Dreißiger

Der Opel 6 war der unmittelbare Vorgänger des berühmten „Super 6“, der deutlich stärker motorisiert war. Der Opel 6 verfügte über eine wassergekühlte Zwei-Liter-Maschine mit 35 PS, die maximal 100 km/h schaffte und zwischen 12 und 13 Litern Sprit auf 100 Kilometern verbrauchte. 52.594 Exemplare rollten zwischen 1934 und 1937 vom Band, damit
gilt er als der meistverkaufte deutsche Mittelklassewagen der 1930-er Jahre. Und noch etwas hat er seinem heute bekannteren Nachfolger voraus. Außer als Limousine und als Cabrio war der „Opel 6“ auch als „Landaulet“ erhältlich. Hierbei lässt sich nur die hintere Sitzreihe mit einem Verdeck schützen. Fahrer und Beifahrer sitzen im Regen.

Zeppelin Er stand in den 30er-Jahren für Fortschritt und Technik.

Analog Die Instrumente bestückt mit Nadeln.

Den P4 besorgte sich Sascha Bauer vor Jahren in Wolfstein, während Frau und Töchter Schuhe kauften. Die Suche nach dem Opel 6 Cabrio gestaltete sich dagegen schwieriger. Außerdem machte er sich die Expertise der „Alt-Opel Interessengemeinschaft“ (IG) zunutze. „Ich hatte bereits ein Opel 6 Cabrio im Visier, doch von dem Kauf riet mir der zuständige Typreferent Rainer Wieler ab, weil dieser keine Zierleisten hatte. Denn die sind einfach nicht mehr zu bekommen.“ Das sind Insider-Infos, die bares Geld wert sind.


INSIDER-TIPPS VON DER ALT-OPEL IG


In München wurde Sascha Bauer schließlich fündig – bei einem Oldie-Liebhaber, der sich aus Altersgründen von seinem Augenstern trennen musste. Ein Opel 6 Cabrio in Muskateller-Rot, mit Ledersitzen in Beige – und jeweils nur einem Seitenfenster links und rechts. „In dieser Ausführung existieren nur noch zwei Exemplare“, freut sich der Werkzeugmacher. Tipptopp in Schuss war der Oldtimer obendrein. „Ich habe seitdem kaum dran rumgeschraubt, eigentlich nur das Kupplungsgestänge neu eingestellt, und auch da hatte Rainer Wieler ein paar gute Tipps für mich parat.“


36 Pferdestärken Die Zwei-Liter-Maschine mit wassergekühltem Reihenmotor läuft ruhiger als vermutet.


Die Familie genießt seither traumhaft schöne gemeinsame Ausflüge. Etwa fünf Minuten dauert es, das Segeltuch-Verdeck abzunehmen und zu fixieren, dann geht’s los. Die durchschnittliche Reisegeschwindigkeit beträgt 65 bis 70 Kilometer – da  schnurrt das Zwei-Liter-Aggregat ganz entspannt. In diesem Sommer war Familie Bauer mit dem Opel 6 Cabrio über 2.000 Kilometer unterwegs. Rund 1.500 davon beanspruchte die Tour zum Internationalen Jahrestreffen der ALT-OPEL IG in Eggenfelden, der Rest sammelte sich bei sonntäglichen Ausfahrten übers pfälzische Land an. Vorbei an staunenden Gesichtern. Und fallenden Besen.

Wenn der Regen einsetzt Das Verdeck wird von Hand aufgespannt.


Stand Dezember 2017

Text: Eric Scherer, Fotos: Katrin Denkewitz