Vom makellosen Kapitän
und chinesischem „Ostwind“


DEutschland urlaubt und
in china zieht „ostwind“ auf


Urlaubszeit – da rückt eine junge Dame auf das Titelbild der alten Opel Post-Ausgabe. Auch wenn es im folgenden Heft nicht immer so relaxt zugeht wie beim Ballspiel am Strand. Herzstück ist eine mehrseitige Reportage über die akribische Arbeit der Versuchsabteilung, die zwar auch mal über die Passstraßen Portugals führt, mit Urlaub aber so gar nichts zu tun hat. Und in einem kleinen Beitrag dieser Ausgabe von Juli 1958 ist zu lesen, dass die Volksrepublik China ihren ersten eigenen Pkw produziert. „Ostwind“ heißt das Modell übersetzt, und es soll den kommunistischen Riesenstaat in eine neue industrielle Zukunft führen. „Die Chinesen wollen nun in zehn, zwanzig, dreißig Jahren das aufholen“, was den Europäern und Nordamerikaner „in 50, 100, 150 Jahren“ geglückt ist, sinniert die Opel Post ein wenig skeptisch. Das Editorial dieser Ausgabe befasst sich mit der Frage: Ist Geldverdienen anstößig? Hier schon mal eine Kurzzusammenfassung: nein.


 einblick ins kraftwerk   
wilhelm hagener heizt ein


 

In Rüsselsheim wird nicht nur an Autos geschraubt. Auf der Suche nach eindrucksvollen Men-at-Work-Porträts ist der Opel Post-Fotograf diesmal im Kraftwerk fündig geworden. Wilhelm Hagener heißt der aufrechte Mann, der sich für ihn so kerzengerade in Szene setzt. Dass er weiß, was er tut, davon ist auszugehen: Wilhelm Hagener arbeitet, wie in der Bildunterschrift zu lesen ist, bereits seit 1936 bei Opel – und seit 1938 ist er im Kraftwerk unterwegs. Wie in der Rubrik „In wenigen Zeilen“ zu lesen ist, heizt er 1958 exakt für 31.947 Mitarbeiter.


der deutsche opel-preis
Und carl jörns schaut zu


20.000 Zuschauer säumen die Rennstrecke, der Sieger nimmt am Ende den „Großen Opel-Preis“ entgegen, doch auf der Piste war zuvor kein Motorenbrummen zu hören – kann das denn sein? Im Jahr 1958 sehr wohl, da engagierte sich Opel nämlich im Seifenkistensport. In diesem Jahr wurde in Duisburg bereits die 10. Bundesmeisterschaft ausgetragen. Zum Sieger kürte Vorstandschef Gaston A. Wolff den 15-jährigen Lutz Springer. Ebenso eindrucksvoll wie die stattliche Zuschauerkulisse war damals auch die Zahl der Ehrengäste, die sich zu einem solchen Spektakel einfanden. Zur 10. Bundesmeisterschaft saß beispielsweise die Motorsportlegende Carl Jörns auf der Tribüne.


„1/2 PS“ in Portugal  
innenansichten eines esels


Die Opel Post-Redaktion beweist wieder mal großes Einfühlungsvermögen, und das nicht nur mit Mit-Menschen. Die Bildunterschrift zu diesem „1/2 PS“ in Portugal ist aus der Ich-Perspektive des gezeigten Esels geschrieben. „Zeit lassen und nicht abhetzen. Das ist meine Devise“, wird das Tier zitiert.

 



Das „Optimum“ und „makellos“
der kapitän überzeugt


Er macht wirklich überall eine gute Figur: Auf diesem Bild darf der neue Opel Kapitän ein Picknick begleiten. Dabei hält er sich vornehm im Hintergrund, doch bleibt er dennoch Blickfang. Weiter vorne im Heft druckt die Opel Post Pressestimmen zum neuen Opel Kapitän ab, und auch die lesen sich ausgesprochen sonnig. „Nobel in der Form, machtvoll in seiner Kraft“, dichten beispielsweise die „Lübecker Nachrichten“, und die Würzburger Main-Post stimmt ein: „Eine Freude für die Augen, und mehr als das…“ Die Ludwigshafener „Rheinpfalz“ sieht „das Optimum dieser Preisklasse“ erreicht, „auto motor sport“ in Stuttgart findet ihn einfach nur „makellos“. Es lässt sich bereits 1958 schon rauslesen: Die kommenden fünf Jahre werden die erfolgreichsten des Kapitän sein.


der gute rat zum schluss
mensch ärgere dich nicht


Die Opel Post war schon früh ein breit aufgestelltes „Faktenmagazin“. An einer Stelle dieser Ausgabe spürt die Redaktion beispielsweise der Frage nach: „Rauscht das Meer in toten Muscheln?“ Weiter hinten leistet sie aktive Lebenshilfe, indem sie einen klugen Rat mit Hilfe eines charakterbildenden Brettspiels illustriert: Mensch ärgere dich nicht. „Hier zeigen sich die Temperamente. Wer schon beim Spiel ein schlechter Verlierer ist, wird gewöhnlich auch im Leben mit seinem Ärger nicht fertig werden.“ Ein schönes Schlusswort.



Stand Juli 2018

Text: Eric Scherer